Belarus-Analysen

Ausgabe 19 (17.12.2014) — DOI: 10.31205/BA.019.02, S. 11–13

Unter Schock: Die belarussische Wirtschaft im Kontext des Ukraine-Konflikts

Von Robert Kirchner

Zusammenfassung
Der Ukraine-Konflikt hat erhebliche indirekte Auswirkungen auf die belarussische Wirtschaft. Insbesondere leiden die Exporte unter der Stagnation des wichtigsten Handelspartners (Russland) sowie unter der starken Rezession beim zweitwichtigsten Partner (Ukraine). Aber auch die westlichen Sanktionen gegen Russland belasten die Finanzströme und damit das Finanzierungsumfeld in Belarus. Auch wenn sich bestimmte Bereiche, z. B. der Lebensmittelexport nach Russland positiv entwickeln dürften, so ist insgesamt mit einer deutlichen negativen Auswirkung des Ukraine-Konflikts auf Belarus auszugehen. Diese Entwicklung zeigt deutlich die Risiken die sich ergeben, wenn ein Land (Belarus) wirtschaftlich zu stark von einem einzigen Land (Russland) abhängt. Belarus sollte hieraus Lehren ziehen und eine Diversifizierung seiner Außenwirtschaft vorantreiben. Ein IWF-Programm würde die finanziellen Ströme und ein WTO-Beitritt den Handel diversifizieren und stabilisieren. Aber auch eine engere Zusammenarbeit mit internationalen Finanzinstitutionen wäre sinnvoll, um beispielweise mit Hilfe von Pre-Privatisierungen Strukturreformen zu implementieren.

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Lesetipps

  • Belarus' state apparatus shows high level of coordination in food war with Russia, Belarus in focus, 9.12.2014, <belarusinfocus.info/p/6515>.
  • World Bank: Belarus Economic Update, November 2014, <www.worldbank.org/content/dam/Worldbank/document/eca/belarus/BY_Macro_Update_November_2014.pdf>.
  • EBRD Office of the Chief Economist: In the Heavy Shadow of the Ukraine/Russia Crisis. Regional Economic Prospects in EBRD Countries of Operation: September 2014, <http://www.ebrd.com/downloads/research/REP/rep-2014.pdf>;.

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Analyse

Die belarussisch-russischen Beziehungen: Eine neue Wende

Von Walerij Karbalewitsch
Mit der Verschärfung des Konfliktes zwischen Belarus und dem Westen wegen des brutalen Umgangs mit der Opposition im Anschluss an die Wahlen vom Dezember 2010, begann eine neue Etappe im belarussisch-russischen Verhältnis. Neben dem Verkauf von Beltransgas an Gasprom spielt insbesondere die Verwirklichung der Zoll- und Wirtschaftsunion eine wichtige Rolle bei der derzeitigen Ausgestaltung der Beziehungen.
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Analyse

Belarus und die Eurasische Integration – Stand und Perspektiven

Von Folkert Garbe
Mit der 2010 erfolgten Bildung der Zollunion von Belarus, Russland und Kasachstan haben Nachfolgestaaten der Sowjetunion erstmals ein Format umgesetzt, das über den Charakter einer virtuellen Integration hinausgeht. Das zweite Stadium der Integration – der Einheitliche Wirtschaftsraum – befindet sich im Aufbau. Ab 2015 soll mit der Eurasischen Wirtschaftsunion das dritte Stadium folgen. Obwohl die Integration für Belarus Chancen birgt, sind die langfristigen Perspektiven derzeit noch unklar. Die Schwachstelle des Projekts offenbart sich auf belarussischer Seite in einer Fixierung auf kurzfristige Vorteile, strategischer Unberechenbarkeit und drohender einseitiger Abhängigkeit von Russland. (…)
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