Analyse Von Ryhor Astapenja
Das Regime in Belarus ist nach wie vor ein personalistisches. Gleichwohl hat sich im Land eine stabile und relativ kompetente herrschende Klasse herausgebildet. Diese Elite ist sehr wohl in der Lage, die Kontrolle des Systems auch dann aufrechtzuerhalten, wenn Lukaschenka auf mittlere Sicht aufgrund seines biologischen Alters abgetreten sein wird. Die Macht des Staates ist gegenwärtig unter fünf Gruppen aufgeteilt: der sogenannten Familie, der Verwaltungs-»Vertikale«, den Wirtschaftstechnokraten, dem Block der Silowiki (Sicherheitskräfte und Militär) und der Unternehmerschaft. Die genaue Form eines zukünftigen Machtübergangs bleibt zwar ungewiss, doch dürfte sich das System im Großen und Ganzen für eine allmähliche Liberalisierung des politischen Systems einsetzen, wobei der Block der Silowiki eher den Status quo verteidigen wird. (…)
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Analyse Von Ludwika Sasnouskaya
Das Regime in Belarus beschuldigt weiterhin – ungeachtet der über fünf Jahre, die seit den Wahlen von 2020 vergangen sind – seine Opponenten, einen Wandel herbeiführen zu wollen, während der Grad der Zufriedenheit innerhalb der Eliten weiterhin ungewiss bleibt. Die verstärkte Abhängigkeit von Russland, die reduzierten Kontakte zum Westen, die zunehmenden Sanktionen des Westens, die Zerstörung der nationalen Kultur und die fehlende Aussicht, den aktuellen Kurs ohne Repressionen fortzuführen, führen zu internen Verwerfungen. Die uniformierten Vertreter*innen des Regimes (die Silowiki) fühlen sich dank der Unterstützung aus Moskau und des Rückhalts durch Lukaschenka am stärksten, während der zivile Teil der Bürokratie in einer eher verwundbaren Lage ist und ihre Hoffnungen auf Fortschritte durch eine Verbesserung der belarusisch-US-amerikanischen Beziehungen und die Interessen Chinas setzt. Allerdings ist keine der beiden Gruppen auf einen wahrscheinlichen außerordentlichen Machtwechsel vorbereitet.
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