Aktuelle Ausgabe der Russland-Analysen
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Russland-Analysen Nr. 484 vom 24.06.2026


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Neue Chronik-Einträge
Russland11.06.2026Russland — 11.06.2026
Die russischen Behörden haben im Verfahren gegen den Unternehmer Wadim Moschkowitsch Vermögenswerte im Wert von 550 Milliarden Rubel (etwa 6,5 Milliarden Euro) eingezogen und verstaatlicht. Betroffen ist auch der Agrarkonzern „Rusagro“, einer der größten Lebensmittelproduzenten des Landes. Gegen Moschkowitsch wird unter anderem wegen Betrugs, Geldwäsche und Bestechung ermittelt. Die Konfiszierung gilt als bislang größter Fall der laufenden Verstaatlichungswelle in Russland.
Russland12.06.2026Russland — 12.06.2026
Der Internationale Schachverband FIDE hat den russischen Schachverband mit sofortiger Wirkung vorläufig suspendiert. Hintergrund ist die Nichtumsetzung eines Urteils des Internationalen Sportgerichtshofs CAS, der Russland verpflichtet hatte, Schachaktivitäten in den besetzten ukrainischen Gebieten innerhalb von 90 Tagen einzustellen. Die Suspendierung gilt für bis zu drei Jahre oder bis die Vorgaben erfüllt werden. Russische Mannschaften können jedoch weiterhin unter neutraler Flagge an Wettbewerben teilnehmen.
Russland12.06.2026Russland — 12.06.2026
Ukrainische Streitkräfte greifen in der Nacht mehrere große Industrieanlagen in Russland an, darunter petrochemische und ölverarbeitende Betriebe in der Republik Tatarstan und der Oblast Samara. Nach Angaben regionaler Behörden werden in der Oblast Samara „mehrere Industrieunternehmen“ beschädigt; drei Menschen werden verletzt. Präsident Wolodymyr Selenskyj erklärt, dass die ukrainische Armee die von Rosneft betriebene Kuibyschew Raffinerie in Samara getroffen habe, die bereits mehrfach Ziel früherer Angriffe gewesen ist. In Tatarstan werden ebenfalls Industrieanlagen attackiert, wobei die Behörden Schäden an „mehreren Infrastrukturobjekten“ melden. Parallel dazu werden in weiteren Regionen – darunter die Oblaste Wladimir, Tscheljabinsk, Swerdlowsk, Pensa sowie das Autonome Gebiet der Jamal Nenzen – Drohnenangriffe registriert. In der Oblast Wladimir kommt es nach Einschlägen zu Bränden an zwei Infrastruktureinrichtungen. Die Moskauer Stadtverwaltung teilt mit, dass zwölf Drohnen auf dem Anflug zur Hauptstadt abgeschossen worden seien. Das russische Verteidigungsministerium meldet insgesamt die Abwehr von 326 ukrainischen Drohnen über 19 Regionen und der Krim. Bereits zuvor waren die betroffenen Raffinerien und Industrieanlagen mehrfach Ziel von Drohnen und Raketenangriffen gewesen.
Russland13.06.2026Russland — 13.06.2026
Mehrere russische Regionen führen Beschränkungen für den Kraftstoffverkauf ein. Betroffen sind unter anderem Tatarstan, Moskau, St. Petersburg und Uljanowsk. Die Limits reichen von 20 Litern Benzin bis zu 100 Litern Kraftstoff pro Kunde. Nach Medienberichten leiden inzwischen mindestens 25 russische Regionen unter Treibstoffengpässen oder Lieferproblemen. Gleichzeitig sind die Kraftstoffpreise seit Anfang Juni deutlich gestiegen. Nach Angaben der russischen Statistikbehörde „Rosstat“ stieg der Preis für Benzin innerhalb von einer Woche um 0,9 Prozent, seit Jahresbeginn bereits um insgesamt 5,6 Prozent. Als Hauptursache gelten anhaltende ukrainische Angriffe auf russische Öl- und Transportinfrastruktur. Besonders kritisch ist die Versorgungslage auf der Krim.
Russland14.06.2026Russland — 14.06.2026
In Berlin gründen im Exil lebende russische Oppositionspolitiker eine neue Partei mit dem Namen „Mirnaja Rossija“ (dt. „Friedliches Russland“), deren Vorsitzender Ilja Jaschin wird. Auf dem zweitägigen Gründungsparteitag verabschieden die Delegierten Manifest, Satzung und Leitungsstruktur. In den zentralen Politischen Rat ziehen 25 Personen ein, darunter der frühere FBK-Manager Wladimir Aschurkow und der Unternehmer Sergej Petrow. Jaschin betont, die Partei gründe sich auf die drei Prinzipien Frieden, Freiheit und Gerechtigkeit, strebe einen Machtwechsel in Russland an und wolle zugleich die Interessen der gegen den Krieg eingestellten Russ:innen international vertreten; eine Registrierung in Russland ist vorerst nicht geplant.
Über die Russland-Analysen

Die Russland-Analysen bieten regelmäßig kompetente Einschätzungen aktueller politischer, wirtschaftlicher, sozialer und kultureller Entwicklungen in Russland. Sie machen das Wissen, über das die wissenschaftliche Forschung in reichem Maße verfügt, für Politik, Wirtschaft, Medien und die interessierte Öffentlichkeit verfügbar. Autoren sind internationale Fachwissenschaftler und Experten.

Die Redaktion der Russland-Analysen freut sich, dekoder als langfristigen Partner für die Bereitstellung von Übersetzungen russischer journalistischer Analysen gewonnen zu haben. Auf diesem Wege möchten wir helfen, die Zukunft eines wichtigen Projektes zu sichern und dem russischen Qualitätsjournalismus eine breitere Leserschaft zu ermöglichen. dekoder.org verbindet zwei Content-Typen, die sich gegenseitig ergänzen: übersetzte Originalbeiträge russischer Medien und Erklärtexte von Wissenschaftlern aus europäischen Universitäten. Beide greifen auf dekoder.org ineinander und stellen so ein Instrument zur Verfügung, um „Russland zu entschlüsseln“ und ein direktes Eintauchen in die Debatten des Landes zu ermöglichen.

Die Russland-Analysen werden gemeinsam von der Forschungsstelle Osteuropa an der Universität Bremen, dem Zentrum für Osteuropa- und internationale Studien, der Deutschen Gesellschaft für Osteuropakunde, dem Deutschen Polen-Institut, dem Leibniz-Institut für Agrarentwicklung in Transformationsökonomien und dem Leibniz-Institut für Ost- und Südosteuropaforschung herausgegeben.

Frühere Ausgaben der Russland-Analysen ab 2003 finden Sie im Archiv.


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