Aktuelle Ausgabe der Russland-Analysen
Neue Chronik-Einträge
| Russland | 14.05.2026 | Die Staatsduma wählt die 37 jährige Abgeordnete Jana Lantratowa zur neuen Menschenrechtsbeauftragten Russlands. Sie folgt auf Tatjana Moskalkowa, die das Amt seit 2016 innehatte und nach Ablauf von zwei Amtszeiten nicht mehr wiedergewählt werden kann. Lantratowa begann ihre politische Laufbahn in der Jugendorganisation von Einiges Russland, arbeitete später als Mitarbeiterin des ultra-konservativen Abgeordneten Witalij Milonow und war Mitglied des Menschenrechtsrates beim Präsidenten, bevor sie 2021 für die Partei Gerechtes Russland in die Staatsduma einzog. Sie ist für ihre Unterstützung eines verschärften Vorgehens gegen sogenannte „LGBT Propaganda“, für Forderungen nach Einschränkungen für Migrant:innen und für die Befürwortung repressiver Gesetze gegen politisch Verfolgte bekannt und wird von ukrainischen Behörden beschuldigt, an der erzwungenen Überführung von Kindern aus der besetzten Region Cherson beteiligt gewesen zu sein. Menschenrechtsverteidiger:innen bewerten ihre Ernennung als Ausdruck der weiteren Aushöhlung von Grundrechten in Russland und bezweifeln, dass sie das Amt nutzen wird, um die Lage von politisch Verfolgten oder marginalisierten Gruppen zu verbessern. |
| Russland | 15.05.2026 | Russland übergibt der Ukraine im Rahmen von Repatriierungsbemühungen die Leichname von 528 Personen, bei denen es sich nach Angaben der russischen Seite um gefallene ukrainische Soldat:innen handeln könnte. Die Rückführung der Leichname erfolgt einen Tag, nachdem Russland und die Ukraine jeweils 205 Kriegsgefangene austauschen. Der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj bezeichnet diesen als erste Phase eines groß angelegten Gefangenenaustauschs. Das russische Verteidigungsministerium bestätigt den Austausch und erklärt, die zurückgekehrten Soldat:innen würden nach Belarus gebracht, um sich körperlichen und psychologischen Untersuchungen zu unterziehen. |
| Russland | 17.05.2026 | In der Nacht greift die Ukraine mit einem massiven Drohnenangriff die Region Moskau an und trifft nach Angaben russischer Behörden mehrere Energieanlagen, einen Betrieb der Rüstungsindustrie und den Flughafen Scheremetjewo. Die russische Luftabwehr meldet die Abwehr von mehr als 500 Drohnen. Betroffen sind 14 Regionen, hauptsächlich rund um die Hauptstadt, so das Verteidigungsministerium. In der Oblast Moskau kommen mindestens drei Menschen ums Leben, zahlreiche weitere werden verletzt. In Belgorod trifft eine Drohne nach Angaben der örtlichen Behörden einen Lastkraftwagen und tötet dabei einen Menschen. Die ukrainische Seite erklärt, sie nehme militärische und energie wirtschaftliche Infrastruktur in Russland ins Visier, weil diese direkt zur Fortführung des Angriffskriegs gegen die Ukraine beitrage. Zuvor hatte ein ukrainischer Drohnenangriff in der Nacht zum 15. Mai die von Rosneft betriebene Erdölraffinerie bei Rjasan in Brand gesetzt und dabei mindestens vier Menschen getötet sowie Dutzende verletzt. Tage zuvor starben in Kyjiw mindestens 24 Menschen durch einen Luftangriff der russischen Seite. Staatsmedien berichten kaum über die Angriffe. Trotz eines Verbots, Bilder und Videos der Angriffe und Schäden zu veröffentlichen, werden sie in sozialen Medien geteilt. |
| Russland | 17.05.2026 | Präsident Wladimir Putin unterzeichnet einen Erlass, der Einwohner:innen der abtrünnigen moldauischen Region Transnistrien den Zugang zur russischen Staatsbürgerschaft deutlich erleichtert. Künftig können Menschen ab 18 Jahren einen russischen Pass erhalten, ohne die bisher übliche fünfjährige Wohnsitzpflicht in Russland zu erfüllen, Sprachprüfungen in Russisch abzulegen oder Kenntnisse über Geschichte und Staatsbürgerkunde nachzuweisen. Nach Schätzungen besitzen bereits jetzt rund 200.000 bis 250.000 der etwa 450.000 Einwohner:innen Transnistriens die russische Staatsbürgerschaft. Mit dem Dekret verstärkt Moskau den politischen Druck auf die Republik Moldau und folgt einem Muster, das zuvor bereits in anderen von Russland beeinflussten Konfliktregionen wie dem Donbass, Abchasien und Südossetien angewandt wurde. In Reaktion darauf kritisiert die Präsidentin der Republik Moldau, Maia Sandu, den Erlass scharf und stellt einen Zusammenhang zur Rekrutierung von Soldat:innen für den Krieg gegen die Ukraine her. Sie warnt, dass die Maßnahme die Sicherheitslage in Moldau weiter verschärfe und verweist darauf, dass Russland in der Vergangenheit wiederholt den Schutz eigener Staatsbürger:innen als Begründung für militärische Schritte in anderen Ländern angeführt hat. |
| Russland | 18.05.2026 | Russland und Belarus beginnen gemeinsame militärische Übungen, bei denen der Kampfeinsatz taktischer Atomwaffen geprobt wird. Nach Angaben des belarussischen Verteidigungsministeriums liegt der Schwerpunkt der Ausbildung auf Maßnahmen zur Tarnung, auf weiträumigen Verlegungen sowie auf der Berechnung des Einsatzes von Kräften und Mitteln. Die belarussische Seite betont, die Übung sei planmäßig, richte sich nicht gegen Drittstaaten und stelle keine Bedrohung für die regionale Sicherheit dar. Das russische Verteidigungsministerium äußert sich zunächst nicht zu dem Manöver. |
Über die Russland-Analysen
Die Russland-Analysen bieten regelmäßig kompetente Einschätzungen aktueller politischer, wirtschaftlicher, sozialer und kultureller Entwicklungen in Russland. Sie machen das Wissen, über das die wissenschaftliche Forschung in reichem Maße verfügt, für Politik, Wirtschaft, Medien und die interessierte Öffentlichkeit verfügbar. Autoren sind internationale Fachwissenschaftler und Experten.
Die Redaktion der Russland-Analysen freut sich, dekoder als langfristigen Partner für die Bereitstellung von Übersetzungen russischer journalistischer Analysen gewonnen zu haben. Auf diesem Wege möchten wir helfen, die Zukunft eines wichtigen Projektes zu sichern und dem russischen Qualitätsjournalismus eine breitere Leserschaft zu ermöglichen. dekoder.org verbindet zwei Content-Typen, die sich gegenseitig ergänzen: übersetzte Originalbeiträge russischer Medien und Erklärtexte von Wissenschaftlern aus europäischen Universitäten. Beide greifen auf dekoder.org ineinander und stellen so ein Instrument zur Verfügung, um „Russland zu entschlüsseln“ und ein direktes Eintauchen in die Debatten des Landes zu ermöglichen.
Die Russland-Analysen werden gemeinsam von der Forschungsstelle Osteuropa an der Universität Bremen, dem Zentrum für Osteuropa- und internationale Studien, der Deutschen Gesellschaft für Osteuropakunde, dem Deutschen Polen-Institut, dem Leibniz-Institut für Agrarentwicklung in Transformationsökonomien und dem Leibniz-Institut für Ost- und Südosteuropaforschung herausgegeben.
Frühere Ausgaben der Russland-Analysen ab 2003 finden Sie im Archiv.
