Sperrung des Messenger-Dienstes »Telegram«

Der Messenger-Dienst »Telegram« ist vergleichbar mit einem Kurznachrichtendienst wie WhatsApp, mit dem Nachrichten, Bilder, Videos, etc. unter Nutzern über das Internet per Smartphone ausgetauscht werden können. »Telegram« fiel 2017 unter das »Gesetz über die Bereitstellung von Dechiffrierschlüsseln zur Entschlüsselung von Nachrichten«. Der Nachrichtendienst wird als Internetportal interpretiert, das sich bei einer Besucherzahl von mehr als 3.000 Besuchern täglichen bei der Medienaufsichtsbehörde »Roskomnadsor« zu registrieren hat und gesetzlich verpflichtet ist, die Daten seiner Nutzer ein halbes Jahr lang auf russischen Servern zu speichern. Der Zugang und die Speicherung der Daten soll russische Sicherheitsdienste bei der Terrorabwehr und bei Strafverfolgung unterstützen. Nach der Weigerung des Unternehmens Nutzerdaten auf russische Server zu speichern und Dechiffrierschlüssel für Nachrichten von »Telegram«-Nutzern an den russischen Inlandsgeheimdienst FSB zu übergeben, begann »Roskomnadsor« massenweise IP-Adressen zu sperren, über die die Nachrichten des Dienstes verschickt werden. Damit soll der Dienst der App eingestellt werden. Einem Bericht der Menschenrechtsorganisation Agora zufolge, blockierten russische Behörden 2017 jeden Tag durchschnittlich 244 Webseiten in Russland.

Die folgenden Umfragen wurden am 20. – 24. April 2018 vom Lewada-Zentrum durchgeführt und repräsentieren die öffentliche Meinung zum Thema.

Zum Weiterlesen

Analyse

Internetnutzung und Internetsicherheit in Russland

Von Keir Giles
Die intensive Nutzung der sozialen Medien durch eine wachsende Population von Internetnutzern löst bei den Sicherheitsstrukturen Russlands heftigen Sorgen aus. Das vollzieht sich im Nachhall zum arabischen Frühling, bei dem in einigen Fällen ein Regimewechsel durch den Einsatz sozialer Medien befördert wurde. Gleichzeitig sind sowohl die Auswirkungen des Online-Engagements als auch das Ausmaß der Maßnahmen, mit denen Regierung dieses abzufedern versucht, überzeichnet worden. Die Meinungen zum Wesen und der Rolle der Internetsicherheit, ja selbst dazu, wie sie zu benennen ist, variieren innerhalb der Führung Russlands beträchtlich. Die Veröffentlichung der angekündigten Strategie zur Internetsicherheit könnte etwas Klarheit schaffen. (…)
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Analyse

Zukunftstechnologien ohne Zukunft? 
Russlands Gesetzgebung und Importsubstitution im IT-Bereich

Von Alena Epifanova
Obwohl Russland seit zwei Jahrzehnten Strategien zur Informationssicherheit und dem Ausbau der IT-Branche proklamiert, sind Erfolge bisher kaum erkennbar. Aufgrund der geopolitischen Lage setzt Russland allerdings verstärkt auf Importsubstitutionen im IT-Bereich und baut an einem eigenen »souveränen Internet«. Damit isoliert sich Russland zunehmend selbst und riskiert die Chance auf technologischen Fortschritt.
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