In Abu Dhabi begann am 04.02.2026 eine weitere Runde direkter Verhandlungen zwischen einer russischen und ukrainischen Delegation unter Vermittlung US-amerikanischer Vertreter. Gegenstand der Gespräche waren ein mögliches Ende des russischen Angriffskriegs gegen die Ukraine, territoriale Fragen als auch humanitäre Maßnahmen. Im Ergebnis wurde eine Einigung auf einen Gefangenenaustausch erzielt, der am 05.02.2026 im direkten Anschluss an das Verhandlungsende umgesetzt wurde. Im Folgenden sind Reaktionen auf die Ereignisse um die Verhandlungen in Form von Zitaten nachgezeichnet sowie eine Vorstellung der beteiligten Personen und ihrer Verhandlungsführung.
Kommentare zum Ausgang der Verhandlungsrunde
Inoffizielle Übersetzungen ins Deutsche durch die Redaktion der Russland-Analysen
US-Finanzminister Scott Bessent bei der Anhörung des Bankenausschusses des Senats, 05.02.2026
»Ich werde Sanktionen gegen Russlands Schattenflotte in Erwägung ziehen. Wir werden sehen, wie die Friedensgespräche verlaufen.«
Zitiert nach Reuters https://www.reuters.com/world/treasurys-bessent-says-further-russian-sanctions-depend-peace-talks-2026-02-05/
Steve Witkoff, Sondergesandter des US-Präsidenten für Friedensmissionen, 05.02.2026
»Die Vereinigten Staaten und Russland vereinbarten außerdem die Einrichtung eines militärischen Dialogs unter der Leitung von General Alexus Grynkewich, dem Befehlshaber des Europäischen Kommandos der Vereinigten Staaten. Dieser Kommunikationskanal war vor Ausbruch des Konflikts unterbrochen und ist von entscheidender Bedeutung für die Erreichung und Aufrechterhaltung des Friedens.«
Via X https://x.com/SEPeaceMissions/status/2019463618857754744
Rustam Umerow, Sekretär des Nationalen Sicherheits- und Verteidigungsrates der Ukraine, 05.02.2026 – wortgleich auch Steve Witkoff
»Kommuniqué zum Ergebnis der trilateralen Friedensgespräche unter der Schirmherrschaft der Vereinigten Arabischen Emirate
Am 4. und 5. Februar führten Delegationen der Vereinigten Staaten von Amerika, der Ukraine und der Russischen Föderation in Abu Dhabi ihre zweiten trilateralen Gespräche, um die Bemühungen zur Beendigung des Krieges in der Ukraine voranzutreiben. Die Gespräche verliefen konstruktiv und konzentrierten sich auf die Schaffung der Voraussetzungen für einen dauerhaften Frieden. Die Delegationen erzielten eine Einigung über die gegenseitige Freilassung von 157 Kriegsgefangenen durch die Russische Föderation und die Ukraine – den ersten Gefangenenaustausch seit fünf Monaten.
Im Laufe von zwei Tagen erörterten die Delegationen ausführlich die verbleibenden offenen Fragen, darunter Methoden zur Umsetzung des Waffenstillstands und zur Überwachung der Einstellung der Kampfhandlungen. Die Delegationen vereinbarten, ihre jeweiligen Hauptstädte zu unterrichten und die trilateralen Gespräche in den kommenden Wochen fortzusetzen. Sie dankten den Vereinigten Arabischen Emiraten für die Ausrichtung der Gespräche. Die Ukraine dankt Präsident Donald Trump für sein Engagement bei den Bemühungen zur Beendigung des Krieges.«
Via Telegram https://t.me/umerov_rustem, via X https://x.com/SEPeaceMissions/status/2019463618857754744
Statement des Europäischen Kommandos der Vereinigten Staaten, 05.02.2026
»Der Dialog zwischen den Streitkräften ist ein wichtiger Faktor für globale Stabilität und Frieden, die nur durch Stärke erreicht werden können. Er bietet zudem die Möglichkeit für mehr Transparenz und Deeskalation.
Dieser Kanal wird einen kontinuierlichen militärischen Kontakt gewährleisten, während die Parteien weiterhin auf einen dauerhaften Frieden hinarbeiten.
General Grynkewich ist in seiner Funktion als Oberbefehlshaber der NATO-Streitkräfte in Europa befugt, den militärischen Dialog mit dem Chef des Generalstabs der Russischen Föderation, General Waleri Gerassimow, aufrechtzuerhalten, um Fehlkalkulationen zu vermeiden und eine unbeabsichtigte Eskalation auf beiden Seiten zu verhindern.«
https://www.eucom.mil/pressrelease/44261/the-us-and-russian-federation-agreed-to-reestablish-high-level-military-to-military-dialog
Kirill Dmitrijew, Sonderbeauftragter des Präsidenten für außenwirtschaftliche Zusammenarbeit und Investitionen und Geschäftsführer des staatlichen Direktinvestitionsfonds zu TV-Journalisten, 05.02.2026
»Gemeinsam mit der Trump-Administration arbeiten wir aktiv an der Wiederherstellung der russisch-amerikanischen Wirtschaftsbeziehungen, unter anderem im Rahmen der Russisch-Amerikanischen Wirtschaftskooperationsgruppe. Wir haben uns heute getroffen, und die Gespräche verlaufen positiv.«
[Angesprochen auf die Friedensgespräche mit der Ukraine:]
»Kriegstreiber aus Europa und Großbritannien versuchten ständig diesen Prozess zu stören und sich einzumischen«. »Je mehr solcher Versuche es gibt, desto deutlicher wird der Fortschritt.« »Es ist schwer für sie [den Prozess zu stören], aber sie bemühen sich.«
Via RIA https://riamediabank.ru/media/9099228.html und bei Interfax https://www.interfax.ru/russia/1071197
(Zum Ende der Verhandlungen betonte die russische Seite in Kommentaren von Kirill Dmitrijew, Igor Kostjukow oder dem Sprecher des russischen Präsidenten Dmitrij Peskow den konstruktiven Charakter der Gespräche und deren Fortschritt.)
US-Außenminister Marco Rubio, 04.02.2026
»Zum ersten Mal seit langer Zeit treffen sich technische Militärteams aus der Ukraine und Russland in einem Forum, an dem auch wir beteiligt sein werden […] Fortschritte werden wahrscheinlich nicht bekannt werden, auch nicht durch Indiskretionen, bis wir wirklich einen Durchbruch erzielt haben. Unser Ziel ist es, engagiert zu bleiben.«
Via X https://x.com/StateDept/status/2019086280487821756?s=20
Militärexperte Nico Lange, 05.02.2026 zu den Verhandlungen in Abu Dhabi
»Bei den Gesprächen […] ist auffällig, dass auf beiden Seiten […] jetzt Militärs […] das Wort führen und das macht die Gespräche anders […], sondern es sind sehr pragmatische, praktische Gespräche. Die reden da über […] komplizierte Detailfragen, die müssen auch geklärt werden. Das löst aber die offenen politischen Fragen […] nicht. Das kann man […] von diesen Gesprächen auch nicht erwarten.«
»Ich glaube, dass die USA Putin nicht unter Druck setzten wollen. […] Dann werden diese ganzen Theaterstücke aufgeführt, mit Gipfeln und Treffen […] Es ist schon dann auch ein gehöriger Teil dieser Verhandlungen, dass keiner sich zum Gegner von Trump machen will. […] Das löst nur in der Sache das Problem nicht. […] Im Schatten dieser angeblichen diplomatischen Bemühungen intensiviert Putin den Krieg. […] Putin ist entschlossen, diesen Krieg fortzuführen, weil er glaubt, dass er politisch mit Hilfe der USA jetzt Dinge erreichen könnte, die er militärisch nicht geschafft hat.«
Bei ZDFheute live https://www.zdfheute.de/politik/ausland/diplomatie-waffenruhe-abu-dhabi-ukraine-krieg-russland-100.html
Präsident der Ukraine, Wolodymyr Selenskyj bei einem Pressegespräch, 07.02.2026
»Der [ukrainische] Geheimdienst hat mir das sogenannte ›Dmitrijew-Paket‹ gezeigt, das er [der russische Verhandlungsführer Dmitrijew] in den USA [beim Treffen mit Steve Witkoff in Florida am 30.1.2026] präsentiert hat – dort geht es um einen Betrag von etwa 12 Billionen Dollar. Es handelt sich dabei um ein Maßnahmenpaket zur wirtschaftlichen Zusammenarbeit zwischen den USA und Russland. Das heißt, wir erfahren, dass solche oder ähnliche bilaterale Absprachen zwischen Amerika und Russland wahrscheinlich sind.«
»Wir zeigen deutlich, dass die Ukraine solche Vereinbarungen der Parteien über uns ohne uns nicht unterstützen wird.«
Zitiert nach Ukrinform, https://www.ukrinform.ua/rubric-polytics/4088749-zelenskij-rozpoviv-so-ssa-ta-rosia-mozut-pidpisati-paket-ekonomicnih-dokumentiv-na-12-triljoniv.html
Phillips P. Obrien, Professor of Strategic Studies, Universität St. Andrews, 08.02.2026
»Die Tatsache, dass die Ukrainer öffentlich zugeben, dass sie wissen, dass Trump und Putin kurz davor stehen, eine Vereinbarung über die Ukraine ohne ukrainische Beteiligung zu treffen, zeigt, wie besorgt sie sind. Sie geben vor, dass sie den USA vertrauen, und suchen Hilfe für die bevorstehenden Gespräche. Und die Hilfe, die sie wollen, kommt aus Europa. Zelensky hat in seiner Abendansprache gestern Abend deutlich gemacht, dass die Ukrainer wollen, dass die Europäer eine wichtige Rolle in den bevorstehenden Verhandlungen spielen.«
Via Substack https://phillipspobrien.substack.com/p/weekend-update-171-the-week-trump?utm_source=substack&publication_id=1176440&post_id=187181424
Kommentare zur Feuerpause zwischen Russland und der Ukraine
Inoffizielle Übersetzungen ins Deutsche durch die Redaktion der Russland-Analysen
US-Präsident Donald Trump am Donnerstag den 29.01.2026 zu Journalisten bei einer Kabinettssitzung
»Ich habe Präsident Putin persönlich gebeten, eine Woche lang nicht auf Kiew und die umliegenden Städte und Gemeinden zu schießen, und er hat zugestimmt«, »Viele Leute sagten: Spar dir den Anruf. Das wird sowieso nichts bringen […] Und er hat es getan. Und wir sind sehr froh darüber.«
Mitschnitt bei AFP auf YouTube https://www.youtube.com/watch?v=q8RVeXFnk_8
Dmitrij Peskow, Sprecher des Präsidenten Wladimir Putin, zu Journalisten bei einem Pressebriefing, 30.01.2026
»Präsident Trump hat Präsident Putin persönlich gebeten, eine Woche lang, bis zum 1. Februar, von einem Angriff auf Kiew abzusehen, um günstige Bedingungen für Verhandlungen zu schaffen. Russland hat dem zugestimmt.«
Bei Meduza https://meduza.io/news/2026/01/30/kreml-tramp-poprosil-putina-ne-nanosit-udary-po-kievu-do-1-fevralya
Präsident Wolodymyr Selenskij, 02.02.2026
»Im Laufe des vergangenen Tages gab es neue russische Angriffe auf Energieanlagen in Grenzgebieten und an der Front, jedoch keine gezielten Angriffe russischer Raketen oder russischer Kämpfer auf die Energieinfrastruktur. Die russische Armee konzentriert sich wie schon in den vergangenen Tagen auf Angriffe gegen unsere Logistik, vor allem auf die Eisenbahn. Insbesondere in der Region Dnipro und in Saporischschja gab es Angriffe – gezielt auf Eisenbahnanlagen.«
Via Telegramm https://t.me/V_Zelenskiy_official/17822
Präsident Wolodymyr Selenskij, 03.02.2026
»Es gab einen weiteren gezielten Angriff auf Energieanlagen: Die Russen setzten eine beträchtliche Anzahl ballistischer Raketen in Kombination mit anderen Raketen ein – mehr als 70 – sowie 450 Kampfdrohnen. Die Regionen Sumy, Charkiw, Kiew und die Hauptstadt, Dnipropetrowsk, Odessa und Winnyzja wurden getroffen. […]
Russland scheint es wichtiger zu sein, die kältesten Wintertage auszunutzen, um die Bevölkerung zu terrorisieren, als auf Diplomatie zu setzen. […] Ohne Druck auf Russland wird dieser Krieg nicht enden. Moskau setzt nun auf Terror und Eskalation, weshalb maximaler Druck notwendig ist.«
Via Telegramm https://t.me/V_Zelenskiy_official/17837
Präsident Wolodymyr Selenskij in einer Stellungnahme bei einer gemeinsamen Pressekonferenz mit dem NATO-Generalsekretär Mark Rutte, 03.02.2026
»Es gab eine Bitte des US-Präsidenten, während der Treffen unserer Verhandlungsteams auf Angriffe auf Energieanlagen und kritische Infrastruktur zu verzichten – das wissen Sie. Der US-Präsident sagte, die Angriffe sollten für eine Woche ausgesetzt werden. […] In der Praxis begann dies in der Nacht von Donnerstag auf Freitag, und gestern Abend haben die Russen, unserer Ansicht nach, ihr Versprechen gebrochen. Entweder glaubt Russland nun, eine Woche sei weniger als vier statt sieben Tage, oder sie setzen tatsächlich nur auf Krieg und haben einfach die kältesten Tage dieses Winters abgewartet, wenn die Temperaturen in weiten Teilen der Ukraine unter −20 °C fallen.
Heute hat Russland einen Rekordangriff durchgeführt – zweifellos einen verheerenden –, was den Einsatz ballistischer Raketen betrifft. Einen Rekord der schlimmsten Art […] Es handelte sich um 28 Marschflugkörper sowie weitere 43 Raketen verschiedener Typen, die ihre Ziele auf einer ballistischen Flugbahn anfliegen und nur von Patriot-Systemen abgefangen werden können.
Russlands Handeln offenbart stets seine Absichten. Wir sind überzeugt, dass dieser russische Angriff die mit den USA getroffenen Vereinbarungen eklatant verletzt und dafür Konsequenzen haben muss. Jeder kann die Wetterlage beobachten – wir erleben gerade die härtesten und schwierigsten Tage des Winters – und Angriffe auf die Infrastruktur, insbesondere auf unser Energiesystem, mit dem Ziel, die Bevölkerung von Strom und Wärme abzuschneiden und Stromausfälle zu verursachen, spiegeln Russlands wahre Haltung wider.
Wir werden in dieser Angelegenheit weiterhin mit den USA in Kontakt bleiben, und ich erwarte von unseren Partnern, dass sie zu den Geschehnissen nicht schweigen. […] Und ich bin Mark für seine wertvolle Unterstützung in diesem Bestreben sehr dankbar.«
Webseite des Präsidenten der Ukraine https://www.president.gov.ua/en/news/zayava-prezidenta-ukrayini-pid-chas-spilnogo-z-generalnim-se-102693
US-Präsident Donald Trump zu Journalisten im Oval Office, 03.02.2026
»Er hat Wort gehalten. Es war – es ist eine Menge, wissen Sie, eine Woche. Wir nehmen alles, was geht, denn es ist wirklich sehr, sehr kalt dort drüben, aber es war am Sonntag, und es ging von Sonntag bis Sonntag.« »Ich habe mit ihm gesprochen. Ich möchte, dass er den Krieg beendet.«
Mitschnitt https://www.youtube.com/watch?v=EPM-Y_q1Xeo
Kremlsprecher Dmitrij Peskow zu Journalisten, 04.02.2026
»Russland setzt seine Spezialoperation fort. Die Tür zu einer friedlichen Lösung ist offen, Russland bleibt offen. Doch solange entsprechende Entscheidungen nicht vom Kiewer Regime getroffen werden, wird die Spezialoperation fortgesetzt.«
Via TASS https://tass.ru/politika/26343187
Phillips P. Obrien, Professor of Strategic Studies, Universität St. Andrews, 08.02.2026
»Putin sammelte lediglich Waffen für den größten Doppelschlag des Krieges, und Trump sprach davon, als handele es sich um eine humanitäre Geste. Und Trump log schamlos. Er wiederholte diese Lüge am Montag dieser Woche (wenige Stunden vor dem ersten Angriff) und tat so, als sei Putins humanitäre Waffenruhe noch in Kraft.«
Via Substack https://phillipspobrien.substack.com/p/weekend-update-171-the-week-trump?utm_source=substack&publication_id=1176440&post_id=187181424
Die wichtigsten Verhandlungsführer im Kurzportrait
Russland
Igor Kostjukow, Leiter der Hauptverwaltung des Generalstabs der Streitkräfte der Russischen Föderation (GRU)
Igor Olegowitsch Kostjukow wurde am 21. Februar 1961 in der Siedlung Seryschewo im Gebiet Amur geboren. Er absolvierte eine Ausbildung an einer Marinehochschule sowie an der Militärdiplomatischen Akademie des russischen Verteidigungsministeriums. Seine Karriere ist eng mit der militärischen Aufklärung verbunden. So diente er unter anderem als Militärattaché in Griechenland (2004). Nach dem Tod seines Vorgängers Igor Korobow übernahm er im Dezember 2018 offiziell die Leitung der Hauptverwaltung des Generalstabs der Streitkräfte der Russischen Föderation, die auch als GRU bekannt ist. Kostjukow ist der erste Marineoffizier an der Spitze dieses Geheimdienstes und trägt seit 2019 den Rang eines Admirals. Für seine Beteiligung an der Leitung der Militäroperation in Syrien wurde ihm im Jahr 2017 der Titel »Held der Russischen Föderation” verliehen. Aufgrund verschiedener Vorwürfe, darunter die Einmischung in US-Wahlen, Cyberangriffe auf den Bundestag und die Vergiftung von Sergej Skripal, steht er auf den Sanktionslisten der USA, der EU und weiterer westlicher Staaten.
Kostjukow wird bei den Verhandlungen in Abu Dhabi als »Gesicht der russischen Diplomatie« beschrieben, obwohl er der Öffentlichkeit kaum bekannt ist. Sein Auftreten gilt als lakonisch. Auf die Frage nach dem Verlauf der Gespräche antwortete er kurz angebunden, sie seien »konstruktiv« gewesen, und fügte hinzu: »Alle verstehen alles.« Seine Haltung gegenüber der Ukraine scheint von demonstrativem Selbstbewusstsein geprägt zu sein. So äußerte er sich, angesprochen auf die Bereitschaft der Delegation zu einem Treffen, im Januar 2026 gegenüber Journalisten: »Die Ukrainer sind traurig gestimmt … Wir gut.« Politisch gilt er als Hardliner, der die USA und ihre Verbündeten offen als geopolitische Rivalen und potenzielle militärische Gegner bezeichnet hat, die ihre Hegemonialstellung mit allen Mitteln verteidigen wollten. Analysten werten die Übergabe der Verhandlungsleitung an Militärspezialisten wie Kostjukow als Zeichen dafür, dass nun konkrete Fragen der Demarkation und des Kampfgeschehens von Fachleuten besprochen werden, statt sich auf rein politische Rhetorik und historische Lektionen zu beschränken.
Kirill Dmitrijew, Sonderbeauftragten des russischen Präsidenten für Investitions- und Wirtschaftszusammenarbeit
Kirill Alexandrowitsch Dmitrijew wurde 1975 in Kyjiw (damals UdSSR, heute Ukraine) als Sohn von Wissenschaftlern geboren. In den 1990er Jahren zog er in die USA, wo er zunächst am Foothill College studierte und später einen Bachelor an der Stanford University sowie einen MBA mit Auszeichnung an der Harvard Business School absolvierte. Seine berufliche Laufbahn begann er im US-Investmentbanking bei Goldman Sachs und bei der Beratungsfirma McKinsey & Company, bevor er nach Moskau zurückkehrte. Nach leitenden Positionen bei den Private-Equity-Fonds Delta Private Equity und Icon Private Equity wurde er im Jahr 2011 zum CEO des neu gegründeten Russian Direct Investment Fund (RDIF) ernannt. Dmitrijew verfügt über enge persönliche Verbindungen zur russischen Machtelite und zu Wladimir Putin: Seine Ehefrau Natalja Popowa ist die Stellvertreterin von Katerina Tichonowa, der mutmaßlichen jüngeren Tochter Putins, in deren Stiftung »Innopraktika«.
Dmitrijew fungiert als zentraler »Backchannel« zwischen dem Kreml und westlichen Gesprächspartnern, insbesondere im Umfeld von Donald Trump. Im Februar 2025 wurde er offiziell zum Sonderbeauftragten des russischen Präsidenten für Investitions- und Wirtschaftszusammenarbeit ernannt. Er ist maßgeblich an der Ausarbeitung neuer Friedensvorschläge beteiligt und hat an hochrangigen Verhandlungen in Riad und Washington teilgenommen, bei denen er unter anderem mit Trumps Gesandten Steve Witkoff und Jared Kushner zusammentraf. Neben politischen Fragen umfasst sein Mandat auch wirtschaftliche Aspekte wie die Wiederherstellung von Geschäftsbeziehungen, die Zusammenarbeit in der Arktis und den Handel mit seltenen Erden. Zudem war er in humanitäre Angelegenheiten wie den Gefangenenaustausch von Mark Fogel involviert.
Verhandlungsführung der russischen Seite
Derzeit (Stand: Februar 2026) leitet Igor Kostjukow die russische Delegation bei den trilateralen Verhandlungen mit der Ukraine und den USA in Abu Dhabi. Er löste in dieser Funktion den Präsidentenberater Wladimir Medinskij ab, der die Delegation seit den Istanbuler Verhandlungen 2022 bis Mai 2025 angeführt hatte. Die Zusammensetzung der russischen Delegation mit hochrangigen Vertretern des Militärgeheimdienstes und des Verteidigungsministeriums deutet darauf hin, dass der Fokus der Gespräche primär auf militärischen Aspekten liegt, beispielsweise auf der aktuellen Lage an der Front, dem Rückzug von Truppen und Technik sowie Sicherheitsgarantien. Seit den Gesprächen im Mai 2025 ist Kostjukows Stellvertreter General Alexander Sorin, der als erfahrener militärischer Unterhändler aus dem Syrien-Konflikt gilt und im Mai 2022 die Kapitulation der ukrainischen Truppen in Asowstal in Mariupol verhandelt hatte.
Dmitrijew wird als pragmatischer und geschäftsorientierter Verhandler beschrieben, der eher wie ein Investmentbanker als wie ein klassischer Diplomat agiert (»Straight-to-Business«). Laut Analysten versteht er die Denkweise der »Trump-Amerikaner«, die auf Deals und Profite fokussiert sind, besonders gut. Europäische Akteure sieht er hingegen kritisch und spöttisch. So bezeichnete er im Dezember 2025 die Skepsis des deutschen Kanzlerkandidaten Friedrich Merz gegenüber dem US-Friedensplan öffentlich als »dickköpfige Dummheit« und sprach ihm jegliche Relevanz ab (»Sie sind nicht einmal im Spiel«). Er positioniert sich als effektiver Technokrat, der direkte Kanäle nutzt, um politische Blockaden durch wirtschaftliche Anreize zu lösen.
Ukraine
Kyrylo Budanow, Leiter des Präsidialamts
Kyrylo Budanow (geb. 1986 in Kyjiw, militärische Ausbildung am Odesa Institut für Heerwesen) kämpfte bereits ab 2014 im Krieg gegen Russland und wurde mehrfach verwundet. Seit 2020 leitete er den ukrainischen Militärgeheimdienst (HUR) und gilt als einer der wichtigsten Sicherheitsakteure des Landes. Unter seiner Führung gelangen dem HUR immer wieder spektakuläre Aktionen gegen Russland, weshalb er nicht nur in militärischen Kreisen geschätzt wird, sondern auch in der ukrainischen Öffentlichkeit als integres Symbol des Widerstands gesehen wird. In Russland besteht seit 2023 ein Haftbefehl gegen ihn.
Budanow wurde Anfang 2026 von Präsident Wolodymyr Selenskyj zum neuen Leiter des Präsidialamts ernannt explizit mit dem Auftrag, den Friedensverhandlungen mit Russland einen neuen Impuls zu verleihen. Budanow bringt in seiner neuen Rolle als Chefunterhändler nicht nur militärische Expertise mit, sondern verfügt durch frühere Geisel- und Gefangenenaustausche auch über direkte Kontakte mit Russland und wird in Moskau als glaubwürdiger und sachkundiger Gesprächspartner auf Augenhöhe angesehen. Ein weiterer Grund, weshalb Selenskyj ihn eingesetzt haben dürfte, sind seine guten Kontakte zu sicherheitspolitischen Entscheidungsträger:innen in den USA; während seinem Vorgänger Andrij Jermak zuletzt nachgesagt wurde, dass er eher eine Belastung für die Beziehungen zwischen Kyjiw und Washington sei.
Rustem Umjerow, Sekretär des Nationalen Sicherheits- und Verteidigungsrates der Ukraine
Rustem Umjerow (geb. 1982 in Bulungʻur, Usbekistan) ist ein ukrainischer Politiker krimtatarischer Herkunft, der von 2023 – 2025 Verteidigungsminister der Ukraine war und seit Juli 2025 Sekretär des Nationalen Sicherheits- und Verteidigungsrates der Ukraine ist. Er hat in den letzten Jahren als Mitglied ukrainischer Delegationen immer wieder mit Russland verhandelt, z. B. im Rahmen von Gefangenenaustauschen, und gilt vielen als pragmatischer und erfahrener Vermittler. In der Ukraine selbst gibt es hingegen regelmäßig Kritik an Umjerow, unter anderem an seinem Führungsstil und Missmanagement im Verteidigungsministerium.
Umjerow war Ende 2025 entscheidend an der Überarbeitung eines Friedensplans mit den USA beteiligt und gilt in Washington als einer der wichtigsten ukrainischen Ansprechpartner für die Friedensgespräche. Er sieht dabei seine Aufgabe darin, eine Friedenslösung zu finden ohne territoriale Zugeständnisse der Ukraine zu erreichen, wobei ihm bewusst ist, dass die territoriale Frage zu den komplexesten gehört.
Andrij Hnatow, Leiter des Generalstabs der Streitkräfte der Ukraine
Generalleutnant Andrij Hnatow (geb. 1980) hat seine militärische Ausbildung am Charkiwer Militärinstitut für Panzer absolviert. Er verfügt über mehr als 30 Jahre militärische Erfahrung und ist seit 2025 Chef des Generalstabs der Streitkräfte der Ukraine. 2014 zählte Hnatow zu den ukrainischen Militärs auf der Krim, die sich loyal zur Ukraine verhielten und nicht zu Russland überliefen. 2022 war er an der Verteidigung von Mykolajiw und 2023 in der Schlacht um Bachmut beteiligt.
Hnatow ist in der Öffentlichkeit weniger bekannt als Budanow und Umjerow und soll in den Verhandlungen vor allem seine lange militärische Erfahrung einbringen. So weist er z. B. die russische Forderung nach einer Höchstgrenze bzw. der Reduzierung der ukrainischen Streitkräfte auf 800.000 Soldat:innen klar zurück.
Verhandlungsführung der ukrainischen Seite
Die Ukraine will Frieden, aber nicht zu jedem Preis – so könnte man die ukrainische Position zusammenfassen. Der ukrainischen Delegation und insbesondere Chefunterhändler Kyrylo Budanow ist dafür wichtig, dass die Ukraine aus einer »Position der Stärke« verhandelt. Das bedeutet, die Ukraine braucht verlässliche und robuste Sicherheitsgarantien der USA und Europas, da aus ukrainischer Sicht Verhandlungen mit Russland ohne eine starke Verteidigungsposition oder ohne wirksame militärische Unterstützung zum Scheitern verurteilt seien. Rustem Umjerow spielt in den Verhandlungen für die diplomatischen Beziehungen zu den USA eine wichtige Rolle, während Andrij Hnatow seine langjährige militärische Expertise einbringt – die es auch im neuen Verhandlungsteam auf der russischen Seite gibt. Ziel scheint die Klärung technischer und praktischer militärischer Details zu sein, die ein Waffenstillstandsabkommen und dessen Überwachung ermöglichen, in den Verhandlungen zu berücksichtigen. Der am 5. Februar 2026 ausgehandelte Gefangenenaustausch – der erste seit Monaten – soll dabei vermutlich beiden Seiten Vertrauen demonstrieren, das vor allem auf ukrainischer Seite nicht zuletzt durch die massiven russischen Luftschläge gegen die ukrainische Energieversorgung bei eisigen Temperaturen verloren gegangen war.
USA
Steve Witkoff, Sondergesandter des Präsidenten
Steven Charles (Steve) Witkoff (geb. 1957 in New York) arbeitete nach seinem Studium als Anwalt für eine auf Immobilienrecht spezialisierte Kanzlei, bei der er seit 1986 auch für Donald Trump tätig wurde. In den 1990er Jahren wechselt Witkoff vom Anwaltsberuf ins Immobiliengeschäft. Mit seiner eigenen Firma ist er bis heute an prominenten Großimmobilien beteiligt. Seine Söhne wurden 2024 Mitgründer des Kryptowährungsunternehmens der Trump-Familie. Witkoff unterstützte Trumps Wahlkämpfe als Großspender und gilt als enger Vertrauter des Präsidenten. Seite Ende 2024 ist Witkoff Sondergesandter des Präsidenten für Verhandlungen im Nahen Osten und zwischen Russland und der Ukraine.
Jared Kushner, inoffizieller außenpolitischer Berater des Präsidenten
Jared Kushner (geb. 1981 in Livingston, New Jersey) studierte an den Universitäten Harvard und New York, jeweils nachdem sein Vater an die Universitäten einen Millionenbetrag gespendet hatte. Nachdem sein Vater wegen illegaler Wahlkampffinanzierung, Steuerhinterziehung und unerlaubter Zeugenbeeinflussung zu einer Haftstrafe verurteilt worden war, übernahm er 2005 die Leitung seines Immobilienunternehmens, das prominente Großimmobilien betreibt. 2009 heiratete er Ivanka Trump und wurde damit zum Schwiegersohn von Donald Trump.
2015/16 war Kushner ein leitendes Mitglied des Wahlkampfteams von Donald Trump und fungierte ab 2017 als offizieller Chefberater des Präsidenten. Kushner geriet im Zuge der Ermittlungen zu Russlands Einmischung in den US-Wahlkampf in die Schlagzeilen, da gegen ihn wegen Kontakten mit Vertretern Russlands ermittelt wurde. Anklage wurde aber nicht erhoben. Bereits in Trumps erster Amtszeit betreute Kushner unter anderem die diplomatische Initiative der USA im Nahen Osten. 2025 kehrte er ohne offizielle Position als außenpolitischer Berater zurück, zuerst für die Verhandlungen im Nahen Osten, ab Dezember auch bei den Verhandlungen mit Russland und der Ukraine.
Verhandlungsführung der US-amerikanischen Seite
Bei der Einschätzung der US-Verhandlungsführung zum russischen Eroberungskrieg gegen die Ukraine werden regelmäßig drei zentrale Merkmale genannt. Erstens hat die Leitung des US Teams keine diplomatische Ausbildung. Zweitens fehlen den US-Repräsentanten Grundkenntnisse zum Konflikt. So werden zentrale Fakten zu Verhandlungspartnern, Kriegsverlauf oder Geographie der Ukraine immer wieder falsch wiedergegeben. Dies wird auch darauf zurückgeführt, dass Witkoff als Trumps »Allzweck-Sonderbotschafter« viele Konflikte parallel bearbeitet. Drittens hat das US-Team eine große Nähe zu Putin. So erklärte Witkoff, dass er »eine Freundschaft« zu Putin entwickelt habe.
Zusammengestellt von Fabian Burkhardt, Eduard Klein, Heiko Pleines und Anastasia Stoll