Einleitung
Die russische Doktrin der strategischen Abschreckung stellt westliche Entscheidungsträger vor ein anhaltendes Rätsel: Wie versteht Russland atomare Abschreckung tatsächlich, und warum unterscheidet sich dieses Verständnis so deutlich von westlichen Ansätzen? Diese Unterschiede zu verstehen, ist keine rein akademische Übung. Fehlwahrnehmungen zwischen Russland und dem Westen bergen die reale Gefahr von Missverständnissen und unbeabsichtigter Eskalation, insbesondere angesichts der anhaltenden Spannungen in den internationalen Beziehungen.
Dieser Beitrag basiert auf einer umfassenden Analyse russischer Militärdokumente aus sieben Jahrzehnten (wie etwa sowjetischen und russischen Militärdoktrinen sowie Aufsätzen in den russisch-sprachigen Fachzeitschriften »Militärisches Denken« (»Wojennaja Mysl«) und »Unabhängige Militärische Rundschau« (in »Nezawisimoje Wojennoje Obozrenije«). Er zeichnet die Entwicklung des russischen Denkens zu atomarer Abschreckung nach und erläutert, wie die strategische Kultur Effektivitätskriterien prägt, die sich grundlegend von westlichen Annahmen unterscheiden. Für politische Entscheidungsträger ergibt sich daraus als zentrale Erkenntnis: Die Konzeption von Abschreckung variiert je nach strategischem Kontext und erfordert daher eine entsprechende Anpassung der Strategien westlicher Staaten.
Phasen des russischen Verständnisses von atomarer Abschreckung
Das russische militärische Denken über atomare Abschreckung hat sich in sieben zeitlich abgrenzbaren Phasen entwickelt, die jeweils durch spezifische Herausforderungen und strategische Fragen gekennzeichnet waren, die zu jeweils unterschiedlichen Doktrinen führten.
Phase 1: Erwerb von Atomwaffen (1954–1959)
Mit dem Erwerb von Atomwaffen begann für die sowjetischen Streitkräfte eine tiefgreifende Transformation. Wie Marschall Sokolowski feststellte, führte das Aufkommen von Atomwaffen zu grundlegenden Veränderungen in der modernen Kriegsführung. Die zentrale Frage lautete: Wie lässt sich mit einem begrenzten Atomwaffenarsenal eine angemessene Abschreckung gewährleisten?
Phase 2: Wettrüsten (1960er–1970er Jahre)
Diese Phase ist geprägt von einem fieberhaften atomaren Wettrüsten zwischen der Sowjetunion und den USA. Es findet eine umfassende Umstrukturierung der Streitkräfte statt, die von differenzierteren Bewertungen der Rolle von Atomraketen im breiteren Kontext bewaffneter Konflikte geleitet wurde.
Phase 3: Nukleares Patt als Grundlage von Abschreckung (1970er–1991)
Die russische Militärdebatte geht davon aus, dass die Konfliktparteien das Potenzial erreicht haben, sich gegenseitig wiederholt zu vernichten und damit die menschliche Zivilisation zu bedrohen. Die Sicht auf strategische Atomwaffen wandelten sich von der Planung möglicher Kampfeinsätze zur Betonung der abschreckenden Wirkung. Die Planung für bewaffnete Konflikte verlagerte sich hin zum begrenzten Atomkrieg. Von 1970 bis 1973 führte die Sowjetunion vertrauliche Verhandlungen mit den Vereinigten Staaten über den Verzicht auf den Ersteinsatz von Atomwaffen, die 1982 in der einseitigen Erklärung der Sowjetunion zum Verzicht auf den Ersteinsatz von Atomwaffen gipfelten. Trotz dieser Entwicklungen waren die sowjetischen Militärführer weiterhin der Ansicht, dass die Fähigkeit, einen Atomkrieg zu führen, zur Abschreckung notwendig sei.
Phase 4: Abschreckung als Deeskalation (1990er–2000er Jahre)
Nachdem die USA bei Kriegseinsätzen ihre Luftüberlegenheit und die Fähigkeit zu Präzisionsschlägen demonstriert hatten, fragten sich russische Militärdenker, wie sich derartige Bedrohungen durch konventionelle Waffen mit atomarer Abschreckung verhindern lassen. Dies war besonders relevant, da Russlands konventionelle Fähigkeiten deutlich hinter den amerikanischen zurückblieben. Das Konzept der Deeskalation im russischen Verständnis – die Drohung mit einem begrenzten Atomschlag, um einen Gegner zum Rückzug auf die alte Position zu zwingen – entstand als Versuch, die nuklearen Fähigkeiten gegen einen konventionell überlegenen Gegner optimal einzusetzen.
Phase 5: Strategische Abschreckung (2000er–2010er Jahre)
Das russische militärische Denken beschäftigte sich zunehmend mit Möglichkeiten der kombinierten Nutzung von atomaren und konventionellen Waffen, um die Fähigkeit zur Abschreckung konventioneller und atomarer Angriffe zu verbessern. Der Begriff der »strategischen Abschreckung« wurde populär, der definiert wurde als die Fähigkeit, drei Bedrohungen zu generieren: garantierte Vernichtung (1) eines für Abschreckung ausreichenden Teils der gegnerischen Wirtschaft und Bevölkerung, (2) zentraler Verbände der gegnerischen Armee, und (3) eines großen Teils der gegnerischen politischen Elite. Die russische Militärdoktrin von 2010 betonte den frühzeitigen Einsatz von Desinformation, um politische Ziele ohne direkten Militäreinsatz zu erreichen.
Phase 6: Übergreifende Abschreckung (seit den 2010er Jahren)
In russischen Militärdiskussionen wurde zunehmend davon ausgegangen, dass die Wirksamkeit von Atomwaffen bei der Abschreckung konventioneller und nicht-traditioneller Sicherheitsbedrohungen begrenzt ist. Dies führte zur Entwicklung der domänenübergreifenden Abschreckung, die Russland Optionen jenseits nuklearer Fähigkeiten eröffnete. Domänenübergreifende Abschreckung umfasst atomare und konventionelle Waffen sowie Maßnahmen im Bereich der Desinformation. Die Militärdoktrin von 2014 etablierte einen umfassenden Rahmen für nicht-nukleare Abschreckung, der außenpolitische, militärische und militärtechnische Maßnahmen einschließt und gleichzeitig die zunehmend im Informationsbereich auftretenden Bedrohungen hervorhebt.
Phase 7: Hybride strategische Abschreckung (2020s–Gegenwart)
Dieses neue Konzept spiegelt Russlands Einsicht wider, wirtschaftlich nicht mit den USA mithalten zu können. Hybride Abschreckung, darunter politischer und militärischer Druck, Wirtschaftssanktionen und ideologische Subversion, werden als aktive, offensive Strategie konzipiert. Hybride Abschreckung wird im Vergleich zu atomaren oder konventionellen Präzisionswaffen als flexibler beschrieben. Beispiele hierfür sind Cyberangriffe auf kritische Infrastrukturen, Desinformationskampagnen zur Untergrabung des öffentlichen Vertrauens in staatliche Institutionen und wirtschaftlicher Zwang durch Manipulation der Energieversorgung.
Strategische Kultur und effektive Abschreckung
Die in russischen Militärdokumenten dargestellte Konzeption effektiver Abschreckung deckt sich jeweils weitgehend mit Schlüsselelementen der russischen strategischen Kultur, insbesondere mit dem Wechselspiel zwischen wahrgenommener Verwundbarkeit und Großmachtstatus. Die Betonung des eigenen Status als Atommacht spiegelt sowohl Russlands historisches Verständnis von militärischer Macht als Ausdruck staatlicher Handlungsfähgikeit als auch sein tief verwurzeltes Gefühl der Verwundbarkeit gegenüber externen Bedrohungen wider.
Die Bedeutung von Atomwaffen durchdringt dabei alle Diskussionen. Die russischen Militärdoktrinen von 2000 und 2010 betonen, dass Atomwaffen dazu dienen, sowohl nukleare als auch konventionelle Angriffe abzuschrecken, und eine wichtige Rolle bei der Verhinderung großer regionaler Kriege spielen. Etliche Zitate zeigen dies: »Russland muss Atommacht bleiben solange die Welt bewaffnet ist.« »Solange es große Waffenarsenale in der Welt gibt, können Russlands Atomwaffen als Sicherheitsgarantie durch nichts ersetzt werden, einschließlich Hochpräzisionswaffen.« »Für die Russische Föderation ist die Erhaltung und Ausweitung der strategischen Atomstreitkräfte der einzige sichere Weg die eigene Souveräntät zu garantieren.«
Die Betonung asymmetrischer Reaktionen verdeutlicht, was Covington (2016) als »strategische Einzigartigkeit« der russischen Strategiekultur bezeichnet hat – die Entwicklung spezifischer militärischer Ansätze zur Maximierung von Chancen. Russische Dokumente befürworten flexible, regionale Kommandostrukturen und asymmetrische Abschreckungsprinzipien, um wahrgenommene eigene Schwächen auszugleichen. Die Begründung: Unzureichende Stärke einer Komponente kann durch andere kompensiert werden, beispielsweise die Schwäche konventioneller Waffen zur Abschreckung durch atomare. Dies ist das Prinzip der »asymmetrischen Abschreckung«, das aktuell das militärische Denken in Russland prägt.
Auch der strategischen konventionellen Abschreckung wird große Aufmerksamkeit geschenkt. Im Gegensatz zur atomaren Abschreckung muss sie nicht zentral erfolgen, sondern kann von regionalen Kommandos in strategischen Richtungen aus erfolgen, was Flexibilität und Effektivität erhöht.
Eine wirksame Abschreckung erfordert nach russischem Verständnis drei Dinge: ein klares Verständnis davon, wo rote Linien gezogen werden, die nicht überschritten werden dürfen; die Fähigkeit, so zu reagieren, dass die Verluste des Angreifers seine erwarteten Vorteile überwiegen; und eine überzeugende Entschlossenheit, Drohungen wahr zu machen.
Bei der Diskussion der Effektivität von Abschreckung benennen russische Militärtheoretiker mehrere Herausforderungen. Atomare Abschreckung wirkt nur gegen geopolitische Großmächte. Sie ist nicht immer wirksam bei der Verhinderung externer bewaffneter Konflikte und völlig wirkungslos bei der Verhinderung interner Konflikte. Im Kampf gegen neue Bedrohungen wie die Weiterverbreitung von Atomwaffen, internationalen Terrorismus, ethnische und religiöse Konflikte, Drogenhandel und grenzüberschreitende Kriminalität gilt atomare Abschreckung ebenfalls als völlig wirkungslos. Entscheidend für die Einschätzung der geopolitischen Lage ist die Wahrnehmung, dass die Wirksamkeit der eigenen atomaren Abschreckung aufgrund der Stationierung eines globalen Raketenabwehrsystems durch die USA weiter abnimmt.
Russische und westliche Perspektive im Vergleich
Es bestehen mehrere wesentliche Unterschiede im Verständnis und der Herangehensweise Russlands und der USA an das Thema Abschreckung, was zu Spannungen und Fehlwahrnehmungen beiträgt.
Russland setzt im Vergleich zu den USA stärker auf Atomwaffen, um die regionale Abschreckung aufrechtzuerhalten und Schwächen in seinen konventionellen militärischen Fähigkeiten auszugleichen. In diesem Zusammenhang betreibt Russland häufig aggressive »Atomwaffen-Rhetorik«, um sich als unvorhersagbar und eskalationsbereit darzustellen und die NATO damit zur Zurückhaltung zu veranlassen. Die USA hingegen senden zurückhaltendere Signale, um Entschlossenheit und die Bereitschaft zur Verteidigung der verbündeten Staaten zu zeigen.
Russland misst dem nuklearen Patt mit den USA weiterhin große Bedeutung bei, während die USA nukleare Abschreckung global ausweiten ohne auf genaue zahlenmäßige Gleichheit fixiert zu sein. Gleichzeitig sieht Russland die amerikanischen Raketenschutzsysteme als potentielle Bedrohung für die atomare Abschreckung, da die Fähigkeit zu einem atomaren Zweitschlag eingeschränkt wird. Die USA hingegen erklären, dass die Ziele ihrer Raketenabwehr rein defensiver Natur sind und sich nur gegen begrenzte Angriffe richten.
Die russischen Militärdokumente beschreiben einen grundlegenden Unterschied in der Militärorganisation. Das US-amerikanische Militär wird als aggressiv beschrieben. Es sei an einer globalen Präsenz interessiert und an der Möglichkeit, ohne Folgen Staaten angreifen zu können, die die Hegemonie der USA bedrohen. Die eigene russische strategische Abschreckung wird dagegen als Eindämmung von Bedrohungen der nationalen Sicherheit beschrieben. Ein russisches Dokument argumentiert so, dass eine weitreichende Reduzierung von Atomwaffen durch Russland und die USA das Kriegsrisiko nicht reduzieren würde, sonderm im Gegenteil aggressive US-amerikanische Pläne bestärken würde, die die globale Sicherheit gefährden würden. Der Abbau von Atomwaffen bei gleichzeitiger Existenz einer fortgeschrittenen Raketenabwehr auf Seiten der USA würde nur potentiellen Aggressoren nutzen, da so die Fähigkeit der Opfer zu effektiven atomaren Gegenschlägen minimiert würde. Als Schlussfolgerung für Russland ergibt sich die Beibehaltung des starken Arsenals an Atomwaffen. Aus dieser Einschätzung ergeben sich auch unterschiedliche Auffassungen bezüglich des Zwecks strategischer Waffen. Ein russisches Dokument argumentiert, dass strategische Waffen nicht einfach als offensiv oder defensiv, sondern entweder als stabilisierend oder destabilisierend beschrieben werden sollten. Aus dieser Perspektive wird das US-Raketenabwehrsystem nicht als defensiv, sondern als gefährliche und destabilisierende Komponente der offensiven Fähigkeiten Washingtons betrachtet. Sein Hauptzweck ist die Neutralisierung der Bedrohung durch einen russischen Vergeltungsschlag nach einem ersten amerikanischen Angriff.
Russlands Konzentration auf Raketenabwehrsysteme und das strategische Gleichgewicht zeigt, was Götz und Staun (2022) als tiefsitzendes Unsicherheitsgefühl Russlands im Kampf gegen den Westen beschrieben haben. Dieses Unsicherheitsgefühl manifestiert sich in russischen Militärdokumenten, die die Besorgnis äußern, dass die US-Raketenabwehr die strategische Stabilität gefährden und potenziell Erstschläge ermöglichen könnte.
Politische Relevanz
Die oben aufgeführten Punkte zeigen deutlich die unterschiedlichen Vorstellungen Russlands und des Westens von Abschreckung. Daraus erwächst die Gefahr von Fehlwahrnehmungen und unkontrollierter Eskalation in den angespannten Beziehungen. Unsere Analyse unterstreicht Russlands starke Fixierung auf seinen Status als Atommacht. Defizite in konventionellen militärischen Fähigkeiten haben zu der Überzeugung geführt, dass der Erhalt der atomaren Kampfkraft für den eigenen Großmachtstatus unerlässlich ist. Dies erklärt Russlands Zurückhaltung bei der Reduzierung seiner Atomwaffen. Stattdessen setzt Russland auf die Entwicklung innovativer Abschreckungsstrategien, die kosteneffiziente, über traditionelle Waffensysteme hinausgehende Instrumente nutzen, wie die Anwendung domänenübergreifender und hybrider Abschreckungsansätze zeigt.
Russland setzt weiterhin auf Abschreckung durch Atomwaffen, um in regionalen Konflikten, die sein Überleben gefährden, eine Eskalation zu verhindern. Russische Strategen sind sich ihrer konventionellen Unterlegenheit in größeren Auseinandersetzungen mit Gegnern wie der NATO weiterhin bewusst. Deshalb werden nukleare Drohungen oder der Einsatz von Atomwaffen zu wichtigen Instrumenten der Eskalationssteuerung, wenn konventionelle Optionen ausgeschöpft sind. Dies impliziert die Bereitschaft, eine Eskalation bewusst in Kauf zu nehmen, anstelle der Überzeugung, dass eine Eskalation vermieden werden kann.
In den angespannten Beziehungen Russlands zu den USA und dem Westen zeichnet sich ein klares Muster ab. Russland stellt die USA als negative Kraft auf der internationalen Bühne dar. Die Entwicklung von Raketenabwehrsystemen bereitet Russland Sorgen und bestärkt die Annahme, die USA könnten in ihrer globalen Rolle noch unberechenbarer und rücksichtsloser agieren.
In dieser Situation muss das Verständnis von Abschreckung neu definiert werden. Die alleinige Konzentration auf atomare Abschreckung ist nicht länger sinnvoll. Vielmehr ist es unerlässlich, Abschreckung als vielschichtige Herausforderung zu begreifen, die nicht nur atomare und konventionelle Waffensysteme umfasst, sondern auch eine breite Palette nichtmilitärischer Ansätze und neuer Technologien.
Zentral ist es, das gegenseitige Verständnis zu verbessern und das Risiko von Missverständnissen und unbeabsichtigter Eskalation zu verringern. Diese Studie soll politischen Entscheidungsträgern helfen zu verstehen, dass das Konzept der Abschreckung nicht universell ist und je nach kulturellem Kontext in verschiedenen strategischen Gemeinschaften variiert. Daher sollten die Abschreckungsstrategien der verschiedenen Akteure an diese Unterschiede angepasst werden.
Das Auslaufen des New-START-Vertrags am 5. Februar 2026 verleiht diesen Erkenntnissen besondere Dringlichkeit. Erstmals seit den frühen 1970er-Jahren operieren die USA und Russland ohne rechtsverbindliche Beschränkungen ihrer strategischen Atomwaffenarsenale. Das Ende des Vertrags – als Folge von Russlands Aussetzung der Vor-Ort-Inspektionen und des Datenaustauschs im Jahr 2023 im Kontext der eskalierenden Spannungen um die Ukraine – hat eine Debatte über die Zukunft der bilateralen Rüstungskontrolle ausgelöst. Zwar schlug der russische Präsident Wladimir Putin im September 2025 eine einjährige freiwillige Verlängerung der zentralen Beschränkungen von New START vor, und Vertreter der USA signalisierten Interesse an einer fortgesetzten informellen Einhaltung während der Verhandlungen über ein Nachfolgeabkommen, doch konnte bisher kein verbindlicher Rahmen geschaffen werden. Die Trump-Regierung sprach sich für einen »neuen, verbesserten und modernisierten Vertrag« aus, der auch China einschließen würde, doch Experten warnen davor, dass die chinesische Beteiligung als Vorbedingung jeglichen Fortschritt behindern könnte.
Die gegenwärtige Pattsituation verdeutlicht genau die Gefahren, die diese Studie aufzeigt: Ohne ein gegenseitiges Verständnis der jeweiligen Auffassungen von strategischer Stabilität und Abschreckung bleiben die Aussichten auf eine wirksame Rüstungskontrolle düster. Angesichts der bevorstehenden Überprüfungskonferenz des Atomwaffensperrvertrags 2026 sendet das Fehlen bilateraler Beschränkungen zwischen den USA und Russland ein beunruhigendes Signal hinsichtlich des Engagements der Atomwaffenstaaten für Abrüstung und Risikoreduzierung.
Förderhinweis
Die diesem Beitrag zugrundeliegende Forschung wurde von NSI, Inc. im Rahmen des Projekts »Rahmenbedingungen strategischer Abschreckung im 21. Jahrhundert« gefördert. Die Autoren danken den Studierenden Campbell Clark, Shahariar Khan Nobel und Kris Gilmore von der Oklahoma State University für ihre Unterstützung.
Dieser Beitrag basiert auf einer zuerst im Journal of Slavic and Military Studies veröffentlichten Studie: Cooley, A., Cooley, S., & Shin, S. (2026). From Nuclear Proliferation to Hybridity: The Evolution of Russian Understandings of Strategic Deterrence. The Journal of Slavic Military Studies, 39(1), 1–25. https://doi.org/10.1080/13518046.2026.2618361