OECD-Bericht: Bericht über Verstöße und Missbräuche des humanitären Völkerrechts, der Menschenrechte und des Strafrechts im Zusammenhang mit der Militarisierung und Indoktrinierung ukrainischer Kinder durch die Russische Föderation

Am 09.07.2026 legte die Expertenmission des Moskauer Mechanismus der OSZE (benannt nach einem der beiden Abkommen über vertrauens- und sicherheitsbildende Maßnahmen im Bereich der Menschenrechte) ihren »Bericht über Verstöße und Missbräuche des humanitären Völkerrechts, der Menschenrechte und des Strafrechts im Zusammenhang mit der Militarisierung und Indoktrinierung ukrainischer Kinder durch die Russische Föderation« vor. Nachfolgend sind die Bekanntgabe und die Zielsetzungen dieses Berichts in deutscher Übersetzung zu finden mit dem Verweis auf den 140-Seiten langen Bericht in englischer Sprache, der u. a. Themen wie die Deportation, Militarisierung, Umerziehung und Indoktrinierung ukrainischer Kinder sowie Maßnahmen von Zwang, denen sie ausgesetzt sind, behandelt.

Redaktion der Russland-Analysen

Experten legen dem Ständigen Rat der OSZE den Bericht des Moskauer Mechanismus über ukrainische Kinder vor

Die Expertenmission des Moskauer Mechanismus der OSZE legte dem Ständigen Rat der OSZE am 9. Juli 2026 in Wien die Ergebnisse ihres »Berichts über Verstöße und Missbräuche des humanitären Völkerrechts, der Menschenrechte und des Strafrechts im Zusammenhang mit der Militarisierung und Indoktrinierung ukrainischer Kinder durch die Russische Föderation« vor.

Die drei unabhängigen Experten – Professor Herve Ascensio, Dr. Elina Steinerte und Professor Stefan Wolff – wurden ausgewählt, nachdem 41 OSZE-Teilnehmerstaaten nach Rücksprache mit der Ukraine am 14. Mai 2026 den Mechanismus »im Zusammenhang mit der Militarisierung und Indoktrinierung ukrainischer Kinder durch die Russische Föderation« in Anspruch genommen hatten. Der vollständige Text des Berichts ist hier [https://odihr.osce.org/sites/default/files/documents/official_documents/2026/07/odgal0034c1%20ODIHR%20NV%20201-2026%20with%20MM%20Report.pdf – Anm. d. Red.].

Der Mechanismus, der 1991 von allen OSZE-Teilnehmerstaaten eingerichtet wurde, ermöglicht es einem oder mehreren Teilnehmerstaaten, das OSZE-Büro für demokratische Institutionen und Menschenrechte (ODIHR) zu ersuchen, »einen anderen Teilnehmerstaat zu befragen, ob er bereit wäre, eine Expertenmission einzuladen, um auf seinem Hoheitsgebiet eine bestimmte, klar definierte Frage im Zusammenhang mit der menschlichen Dimension [d. h. Menschenrechte, Grundfreiheiten sowie dem humanitären Völkerrecht und humanitärer Hilfe – Anm. d. Red.] zu klären«.

Der Ständige Rat ist eines der wichtigsten Entscheidungsgremien der OSZE und tagt jede Woche in Wien, um Entwicklungen im OSZE-Raum zu erörtern und Beschlüsse über künftige Aktivitäten zu fassen.

Die Experten wurden beauftragt, »auf früheren Erkenntnissen aufzubauen und:

  • 1. die Tatsachen und Umstände im Zusammenhang mit möglichen Verstößen gegen einschlägige OSZE-Verpflichtungen sowie Verstößen und Verletzungen der internationalen Menschenrechtsnormen (IHRL) und des humanitären Völkerrechts (IHL) zu ermitteln, die mit der Militarisierung und Indoktrinierung ukrainischer Kinder durch die Russische Föderation zusammenhängen, einschließlich in vorübergehend besetzten Gebieten der Ukraine und im Zusammenhang mit Zwangsumsiedlungen und/oder rechtswidrigen Deportationen;
  • 2. Informationen über diese Praktiken zu sammeln, zusammenzufassen und zu analysieren, einschließlich Muster von Nötigung, Einschüchterung, Unterdrückung, rechtswidrigem Freiheitsentzug, illegalen Adoptionen, Misshandlung und anderen Formen von Gewalt, von denen Kinder betroffen sind;
  • 3. ferner Informationen über den von Russland zu diesem Zweck verabschiedeten Rechtsrahmen sowie über die Lehrpläne, die ukrainischen Kindern in den vorübergehend besetzten Gebieten auferlegt werden, zu sammeln, zusammenzufassen und zu analysieren;
  • 4. zu beurteilen, ob solche Praktiken auf eine koordinierte und systematische Politik hindeuten, die unter anderem darauf abzielt, die ukrainische Identität von Kindern auszulöschen – unter anderem durch ihre illegalen Adoptionen sowie die Änderung ihrer Staatsangehörigkeit – und Kinder für den Dienst an der Besatzungsmacht zu konditionieren;
  • 5. die Auswirkungen dieser Praktiken auf die Rechte ukrainischer Kinder zu bewerten, einschließlich des Rechts auf Leben und Entwicklung, Gesundheit, Bildung, Familienleben, Gleichheit und Nichtdiskriminierung sowie des Rechts auf Schutz vor allen Formen von Gewalt, und Empfehlungen zu dringenden Schutzmaßnahmen, Prävention und Wegen zur Rechenschaftspflicht abzugeben;
  • 6. Empfehlungen zu einschlägigen Mechanismen der Rechenschaftspflicht abzugeben, einschließlich der Frage, wie die OSZE-Teilnehmerstaaten und OSZE-Institutionen die Dokumentation, den Kinderschutz, die Rückführung und Wiedereingliederung sowie die internationale Zusammenarbeit unterstützen können, um die Straflosigkeit bei Verbrechen gegen Kinder zu beenden.«

Übersetzung: Russland-Analysen

Quelle: OSCE Office for Democratic Institutions and Human Rights: Experts present Moscow Mechanism report on Ukrainian children to OSCE Permanent Council, News Item, 09.07.2026, https://odihr.osce.org/news/odihr/666413.

Zum Weiterlesen

Analyse

Wie »gute russische Patrioten« geformt werden: Erziehung, Indoktrinierung und die Jugend in Russland

Von Allyson Edwards
Eine der Prioritäten des russischen Staates besteht darin, bei jungen Russ:innen patriotische Gefühle zu stärken. Patriotismus bezieht sich hier nicht nur auf die Manifestierung eines Stolzes auf den Staat, sondern auch eine Vaterlandsliebe zu nähren, die so tief geht, dass sich das Kind dafür selbst opfern würde. Meist wird dieses Opfern in den Kontext von Krieg gesetzt. Die jungen Menschen werden in unterschiedlichen Bereichen indoktriniert: in den staatlichen Bildungseinrichtungen, in der populären Kultur, der natürlichen Umgebung, den Medien und im Rahmen von patriotischen Jugendorganisationen. Dieser Beitrag untersucht die Strategien der staatlichen Indoktrinierung, unter anderem durch die staatlich geförderte patriotische Jugendorganisation »Junarmija« (dt.: »Junge Armee«), deren Ziele und die Art und Weise, mit der das Konzept vom »guten Patrioten« in die alltäglichen Aktivitäten der Organisation eingebettet wird. (…)
Zum Artikel

Logo FSO
Logo DGO
Logo ZOIS
Logo DPI
Logo IAMO
Logo IOS