Analyse Von Anna Veronika Wendland
Am 26. April 2026 jährt sich der Unfall im ukrainischen Kernkraftwerk Tschornobyl zum vierzigsten Mal. Voraussichtlich wird dieser Jahrestag in der Ukraine ohne größere Gedenkveranstaltungen verstreichen, da im fünften Kriegsjahr das Überleben des ukrainischen Staates alle anderen Probleme überschattet. Stand Tschernobyl als zentraler Erinnerungsort einst für die größte nationale Katastrophe der Nachkriegszeit in der Ukraine, ist es heute, mit dem neuen »Großen Krieg« gegen Russland, nur eines der vielen Glieder in einer Kette nationaler Katastrophen, die aus ukrainischer Sicht unverbrüchlich mit russischer Vorherrschaft und imperialer Überformung verbunden sind – vom Holodomor über die Säuberungen der Stalinzeit bis zu den als genozidal empfundenen aktuellen russischen Gewaltpraktiken in den besetzten Gebieten.
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