In der Linken der Wodka, in der Rechten der Koran. Zum Phänomen des Volksislam im postsowjetischen Zentralasien

Von Bahodir Sidikov

Zusammenfassung
Wie der Begriff Zentralasien ist die zusammenfassende Bezeichnung zentralasiatischer Islam ein Hilfskonstrukt. Der Islam ist auch in Zentralasien kein Monolith, sondern er äußert sich in so vielfältigen Erscheinungsformen, dass man mit einiger Berechtigung von einem kasachischen, kirgisischen, usbekischen, turkmenischen und tadschikischen Islam oder auch vom Islam der ehemaligen Nomaden und dem der urbanen Bevölkerung sprechen kann. Damit würde man auch den großen Unterschieden zwischen (sub)ethnischen und lokalen Ausprägungen des Islam in der Region Rechnung tragen. Doch lassen sich auch Gemeinsamkeiten ausmachen. Hierzu zählt die Fähigkeit der zentralasiatischen Ausprägungen des Islam zur Einbeziehung von Verhaltensweisen, die mit klassischen Lehren nicht vereinbar sind. Auch lässt sich, wie in anderen Teilen der islamischen Welt, ein ausgeprägter Radikalismus beobachten, der jedoch eine andere Genese hat. Zudem ist die Struktur des religiösen Fatalismus (Glaube an die absolute Vorherbestimmung des Schicksals durch Gott) eine andere. Nicht zuletzt ist ein »Sonderweg« in den Gleichheitsidealen und einer einmaligen Ritualgläubigkeit zu sehen, die mancherorts den »wahren« Glauben zu ersetzen scheint.

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Analyse

Interne Migration in Kasachstan: Ein Motor ökonomischer und sozialer Entwicklung?

Von Barbara Dietz
Obwohl interne Migrationsbewegungen von politischer und wirtschaftlicher Bedeutung für Kasachstan sind, wurde im letzten Jahrzehnt vor allem die Rolle internationaler Wanderungsbewegungen untersucht. Eine Haushaltsbefragung, die zwischen Oktober und Dezember 2010 in vier Städten Kasachstans – Almaty, Astana, Karaganda und Pawlodar – durchgeführt wurde, wirft erstmals Licht auf die Hintergründe, Motivationen und Konsequenzen interner Wanderungen in diesem Land. Die Ergebnisse der Umfrage machen deutlich, dass es unter den internen Migranten, die seit 2002 umgezogen sind, überdurchschnittlich viele besser ausgebildete Personen gab und dass Kasachen stärker an den Wanderungen partizipierten als Russen. Das wichtigste Wanderungsmotiv war die Arbeit, gefolgt von Ausbildung und familiären Gründen. Insgesamt gesehen spricht vieles dafür, dass die internen Migranten in Kasachstan von ihrem Umzug profitierten: Durch die Wanderung erhöhte sich sowohl ihr Lohn als auch ihr sozialer Status
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Analyse

Der Alltag der »revolutionären« Jugend Kirgistans

Von Philipp Schröder
Vor dem Hintergrund der jüngeren politischen Ereignisse der Jahre 2005 und 2010 steht Kirgistans Jugend in der Gefahr, vor allem mit »Revolutionen« und gewaltsamen Unruhen assoziiert zu werden. Jenseits dieser medial einprägsamen Ereignisse stellt sich die Frage nach der Alltagsrealität junger Menschen in dieser zentralasiatischen Republik. Aus dem Zusammenspiel von Staat, Verwandtschaft, internationaler Gebergemeinschaft und Globalisierung ergeben sich spezifische Einschränkungen und Chancen in den wichtigen Bereichen Bildung und Arbeit, Familie und Freizeit. Unter diesen Einflüssen gestalten Jugendliche in Kirgistan multiple Lebensstile und verbinden dabei traditionelle Erwartungen mit »moderner« Individualität
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