Deutsche und Polen – eine Beziehung in Bewegung. Ergebnisse des Deutsch-Polnischen Barometers 2025

Von Agnieszka Łada-Konefał (Deutsches Polen-Institut, Darmstadt)

Zusammenfassung
Ein Rückgang der Sympathie der Polen gegenüber den Deutschen, eine Verschlechterung der polnischen Meinung über die deutsche Europapolitik und gleichzeitig ein Rekordniveau der Akzeptanz der Polen durch die Deutschen in verschiedenen sozialen Rollen – das geht aus den seit 25 Jahren in beiden Ländern durchgeführten regelmäßigen Umfragen »Deutsch-Polnisches Barometer« hervor. Diese Veränderungen sind einerseits überraschend, da besonders deutlich ist, dass sich eine Tendenz umkehrt: Aktuell ist nicht das schlechte oder eher unbestimmte Bild Polens in Deutschland besorgniserregend, sondern das Image Deutschlands und der Deutschen in Polen. Betrachtet man andererseits die Entwicklungen in der polnischen Gesellschaft und untersucht die öffentlichen Diskurse sowie den Stand der deutsch-polnischen Beziehungen in den letzten Jahren, waren und sind bestimmte Veränderungen vorhersehbar. Dieser Text fasst die Ergebnisse des Deutsch-Polnischen Barometers 2025 nicht vollständig zusammen – diese werden im ausführlichen Bericht zu den Umfragen dargestellt (siehe »Lesetipp«). Vielmehr werden hier ausgewählte Aspekte betrachtet, wobei es vor allem um die Frage geht, was aktuell die deutsch-polnische gegenseitige Wahrnehmung – insbesondere auf polnischer Seite – beeinflusst und wie man sie positiv gestalten kann.

Sympathie auf dem Tiefstand

Das »Deutsch-Polnische Barometer« ist ein Projekt, das seit dem Jahr 2000 regelmäßig die Meinungen von Polen und Deutschen über die gegenseitige Wahrnehmung, die deutsch-polnischen Beziehungen sowie deren aktuelle Herausforderungen erhebt und analysiert. Das Projekt ist eine Kooperation des Instituts für Öffentliche Angelegenheiten (Instytut Spraw Publicznych – ISP) in Warschau, des Deutschen Polen-Instituts, der Konrad-Adenauer-Stiftung in Polen und der Stiftung für deutsch-polnische Zusammenarbeit. Von Beginn an war die Frage nach dem Grad der Sympathie für die jeweils andere Gesellschaft ein Teil der Barometer-Umfragen. Die Antworten auf diese Frage ermöglichen es, die Atmosphäre zwischen den Deutschen und den Polen als Nachbarn zu erfassen (siehe Rubrik »Umfragen«).

Derzeit zeigt nur ein Drittel (32 Prozent) der befragten Polen Sympathie für die Deutschen. Nachdem die Sympathiewerte für den westlichen Nachbarn jahrelang angestiegen waren, hat sich die Stimmung nun schlagartig verschlechtert. Höhere Werte wurden selbst zu Beginn der Untersuchungen zur gegenseitigen deutsch-polnischen Wahrnehmung im Jahr 2000 verzeichnet, also in einer Zeit, als sich Polen und Deutschland vor dem EU-Beitritt Polens noch aneinander annäherten und gegenseitig kennenlernten. Einen vergleichbaren Rückgang der Sympathiewerte gab es lediglich im Jahr 2008. Dass jeder vierte der befragten Polen 2025 seine Abneigung gegenüber den Deutschen äußert, bedeutet wiederum den höchsten Wert seit 2000, also seit dem Anfang unserer Umfrage.

Auf deutscher Seite geben 42 Prozent der Befragten an, Sympathie für die Gesellschaft des Nachbarlandes zu hegen. Damit ist der Wert aus dem Jahr 2022 gleichgeblieben. Nach Jahren niedriger Sympathiewerte für Polen in der deutschen Gesellschaft und einem unerwarteten, schwer zu erklärenden radikalen Sprung im Jahr 2020 auf einen Wert von 55 Prozent scheint sich die Einstellung der Deutschen gegenüber den Polen auf dem derzeitigen Niveau stabilisiert zu haben. Gleichzeitig ist der Prozentsatz derjenigen, die Antipathie bekunden, deutlich auf gerade einmal neun Prozent gesunken.

Während die Frage nach der Sympathie für die Nachbargesellschaft auf Gefühle gegenüber einer bestimmten Gruppe zielt, das heißt einem unspezifischen Ganzen, das sich auch leicht in Beschreibungen und Bewertungen verallgemeinern lässt (»die Deutschen haben dieses und jenes getan«, »die Polen sind so und so«), spiegelt sich die Einstellung gegenüber ihren konkreten Vertretern in den Antworten auf die Frage nach deren Akzeptanz in ganz bestimmten, jedem im Alltag vertrauten Rollen (Chef, Schwiegersohn, Nachbar, Freund) wider. In der Regel ist der Grad dieser Akzeptanz höher als der Grad der Sympathie für die Gesellschaft als Ganzes.

Dieser Umstand zeigt sich erneut in den Ergebnissen der aktuellen Ausgabe des Deutsch-Polnischen Barometers. Polen und Deutsche akzeptieren Vertreter der jeweils anderen Gesellschaft in allen untersuchten sozialen Rollen. Dabei sind gleichwohl einige Trends deutlich erkennbar (siehe Rubrik »Umfragen«).

Die Deutschen zeigen eine deutlich höhere Akzeptanz gegenüber den Polen als die Polen gegenüber den Deutschen. Während die Akzeptanzwerte auf polnischer Seite höchstens drei Viertel der Befragten betragen, sind es auf deutscher Seite bis zu 90 Prozent. Derart große Unterschiede sind seit vielen Jahren nicht mehr gemessen worden. Traditionell genießen Deutsche auf polnischer Seite die höchste Akzeptanz in eher unverbindlichen Rollen (Kollege, Nachbar, Bewohner), weniger indessen in solchen, die mit dem privaten Bereich zu tun haben (Schwiegersohn/Schwiegertochter) oder ein Abhängigkeitsverhältnis suggerieren (Firmenchef, Ratsmitglied).

Einen Deutschen in jeder gesellschaftlichen Rolle akzeptieren 38 Prozent der Polen. Gleichzeitig erklären nur vier Prozent eine durchgängig fehlende Akzeptanz. Auf deutscher Seite wird die vollständige Akzeptanz fast doppelt so häufig (71 Prozent) angegeben, eine durchgängig fehlende Akzeptanz von nur einem Prozent.

Stand der deutsch-polnischen Beziehungen

Eine weitere Standardfrage des Deutsch-Polnischen Barometers, die in jeder Ausgabe gestellt wird, ist die Frage nach dem Zustand der deutsch-polnischen Beziehungen. Im Jahr 2025 bewerten Deutsche und Polen den Zustand der deutsch-polnischen Beziehungen sehr ähnlich (siehe Rubrik »Umfragen«). Jeweils etwa die Hälfte der Polen (51 Prozent) und der Deutschen (49 Prozent) halten sie für gut, ein Viertel für schlecht (26 Prozent bzw. 25 Prozent).

Auch die Tendenzen im Vergleich zur Umfrage von 2022 sind auf beiden Seiten der Grenze ganz ähnlich: ein Rückgang der positiven Bewertungen von zwei Dritteln auf die Hälfte der Befragten und ein mäßiger Anstieg der negativen Bewertungen. Dieser Wandel ist höchstwahrscheinlich auf das Fehlen von Initiativen in den deutsch-polnischen Beziehungen, die negative Rhetorik des rechten Spektrums der polnischen politischen Landschaft und die Meinungsverschiedenheiten zwischen beiden Ländern zurückzuführen, insbesondere in der Migrationspolitik, wobei die Einführung zweiseitiger Kontrollen an der gemeinsamen Grenze besonders zu Buche geschlagen sein dürfte. Andererseits gibt es auch Gründe dafür, dass sich die Hälfte der Befragten immer noch positiv über den Stand der Beziehungen äußert. Hier sind zu nennen die Zusammenarbeit im derzeit wichtigen Bereich der Sicherheit (insbesondere die Stationierung des deutschen Patriot-Systems zur Luftabwehr in Polen), die sich fortlaufend weiterentwickelnde wirtschaftliche und kommunale Zusammenarbeit, aber auch das allgemeine Fehlen von Spannungen oder Streitigkeiten, wie sie in den letzten Jahren vor 2024 überwogen.

Die Untersuchungen im Rahmen des Deutsch-Polnischen Barometers zeigen gleichzeitig seit Jahren, dass in den gegenseitigen Beziehungen der Umgang mit der gemeinsamen Vergangenheit Anlass zu Dissens ist. Die stets wiederkehrende Frage, ob sich die Beziehungen eher auf gegenwärtige und zukünftige Themen konzentrieren sollten, anstatt zunächst historische Fragen zu klären, zeitigt in diesem Jahr Ergebnisse, die auf eine sehr unterschiedliche Sichtweise in beiden Ländern hinweisen (siehe Rubrik »Umfragen«). Während die große Mehrheit der Deutschen der Meinung ist, dass aktuelle und künftige Themen im Mittelpunkt der deutsch-polnischen Beziehungen stehen sollten (70 Prozent), wird diese Ansicht von weniger als jedem zweiten Befragten in Polen geteilt (48 Prozent). Entsprechend verweisen doppelt so viele Polen (34 Prozent) wie Deutsche (16 Prozent) auf den Vorrang der Aufarbeitung der Vergangenheit. Es zeigt sich also, dass immer weniger Polen Gegenwarts- und Zukunftsfragen als prioritär in ihren Beziehungen zu Deutschland betrachten. Gleichwohl ist dieser Prozentsatz immer noch deutlich höher als der Prozentsatz derer, die angeben, dass zuerst die vergangenheitsbezogenen Probleme gelöst werden müssen, bevor man über andere Bereiche nachdenken kann. Dieser Anteil bleibt (wiederum mit der Ausnahme des Jahres 2021) mit einem Drittel der Befragten stabil. Klar erkennbar ist hier, dass eine Strömung der öffentlichen Debatte in Polen hier besondere Folgen hat, nämlich jene, die fortwährend eine Rückkehr zu Vergangenheitsthemen in den Beziehungen zu Deutschland forciert. So liegt der Schluss nahe, dass es nicht aus der Gesellschaft stammende Impulse sind, die das Handeln der Politiker beeinflussen, sondern gerade umgekehrt die Narrative eines Teils der Politiker sowie »public intellectuals«, Historiker, erinnerungskulturelle Akteure, Journalisten, Influencer, einen Wandel der öffentlichen Meinung herbeiführen. Denn der schwindenden Überzeugung, dass die Gegenwart und die Zukunft im Umgang mit Deutschland maßgeblich sind, gingen offensichtlich die Parolen der Partei Recht und Gerechtigkeit (Prawo i Spraiwedliwość PiS) in Sachen Reparationsforderungen voraus.

Sinkende Anerkennung für das deutsche Handeln auf europäischer Ebene

Seit der Zeit, als Polen der Europäischen Union beitrat, betrachtete die große Mehrheit der polnischen Öffentlichkeit Deutschland als ein Land, das sich für die europäische Zusammenarbeit einsetzte; der Anteil der Kritiker der deutschen Rolle in Europa war relativ gering (2005 – 16 Prozent), zumindest im Vergleich zum Anteil derjenigen, die die Politik Berlins positiv bewerteten (62 Prozent). Diese hohe Bewertung bekam zwischen 2010 und 2012 einen ersten Knick (58 Prozent), als Deutschland für sein Verhalten in der Eurokrise und insbesondere für seinen Umgang mit der griechischen Schuldenkrise kritisiert wurde. Danach erholte sich der Wert zwar noch einmal, doch nach 2015 zeigen die Messungen einen kontinuierlichen Rückgang des Prozentsatzes positiver Meinungen und eine ebenso stabile Zunahme der negativen Bewertungen. Die polnische Öffentlichkeit war in ihrer Bewertung der deutschen Flüchtlingspolitik gespalten und stand der russlandfreundlichen Politik, die durch den Bau des zweiten Strangs der Nord-Stream-Pipeline symbolisiert wurde, äußerst kritisch gegenüber, zumal nach der illegalen Annexion der Krim durch Russland und der Entfesselung militärischer Auseinandersetzungen in der Ostukraine durch Moskau im Jahr 2014. Begleitet wurde dies von der stark antideutschen Rhetorik der ab 2015 regierenden rechtspopulistischen PiS.

Mit Beginn des russischen Angriffskrieges gegen die Ukraine am 24. Februar 2022 wurde die polnische Kritik an der deutschen Außenpolitik noch lauter und kam aus allen politischen Lagern, am stärksten freilich von der Rechten. Der Machtwechsel in Polen im Dezember 2023 änderte an dieser Haltung gegenüber der deutschen Politik wenig, denn auch die Regierung von Ministerpräsident Donald Tusk wahrte eine kritische Distanz zur Berliner Politik. Infolgedessen ist die Zahl der positiven Bewertungen im Jahr 2025 erneut zurückgegangen (auf 35 Prozent), womit sie sich dem Prozentsatz der negativen Bewertungen angenähert hat (32 Prozent). Dies ist das schlechteste Ergebnis, seit wir diese Frage in der Umfrage stellen, also seit 2005.

Auch auf deutscher Seite ist in diesem Jahr ein Rückgang der positiven (33 Prozent) und ein Anstieg der negativen (31 Prozent) Bewertungen der Europapolitik des Nachbarlandes zu verzeichnen (siehe Rubrik »Umfragen«). Nach einem sprunghaften Anstieg der positiven Bewertungen zwischen 2022 (28 Prozent) und 2024 (40 Prozent), der sehr wahrscheinlich mit dem Sieg der proeuropäischen Koalitionsparteien im Oktober 2023 zusammenhängt, ist aktuell eine gegenläufige Entwicklung zu beobachten, das heißt ein Rückgang der positiven Bewertungen und, noch deutlicher, ein Anstieg der negativen Bewertungen. 2025 ist in der Umfrage etwa ein Drittel der Befragten der Meinung, dass Polen zur Verschärfung von Streitigkeiten und Spannungen in Europa beiträgt, während ein nur wenig höherer Anteil der Befragten der Aussage zustimmt, dass Polen ein Land ist, das sich für eine stärkere europäische Zusammenarbeit einsetzt.

Was beeinflusst die Meinungen?

Der Mehrwert des Deutsch-Polnischen Barometers liegt nicht nur darin, dass die Befragung bereits seit 25 Jahren durchgeführt wird, was es erlaubt, die Entwicklungsdynamiken im Zeitraum von einem Vierteljahrhundert zu analysieren. Er besteht ebenso darin, dass in der Untersuchung immer auch die demografisch-gesellschaftlichen Charakteristika der Befragten und weitere spezifische Merkmale mitberücksichtigt werden. Das ermöglicht es, die erhobenen Daten besser zu verstehen.

Auf der polnischen Seite haben das Geschlecht, das Alter, der Wohnort (Stadt – Land), die Region (die Woiwodschaft, hier auch die grenznahen Woiwodschaften) oder der Bildungsgrad selten oder nahezu nie Einfluss auf die Antworten. Was allerdings immer ein Unterscheidungsmerkmal ist, sind die Parteipräferenzen der Befragten. Personen, die hier Parteien des rechten (rechtsnationalen, nationalpopulistischen) politischen Spektrums angeben, sind häufiger kritischer gegenüber Deutschland, seinen Einwohnern und seiner Politik als die Wähler der aktuellen Regierungskoalition. Diese Tendenz ist auch erkennbar, wenn man die Antworten mit Blick auf die von den Befragten genutzten Fernsehsender analysiert (das gilt in hohem Maße auch für die gelesenen Zeitungen und Zeitschriften): Wer in erster Linie TV Republika oder TV Trwam schaut, äußert häufiger Abneigung den Deutschen gegenüber oder Skepsis gegenüber der deutschen Politik als diejenigen, die TVP, TVN oder Polsat schauen.

Ein Beispiel: Anhänger der Partei Recht und Gerechtigkeit (48 Prozent), der Konföderation (Konfederacja: 41 Prozent) sowie der Konföderation der Krone Polens (Konfederacja Korony Polskiej: 36 Prozent) unterscheiden sich in ihrer Abneigung gegenüber den Deutschen deutlich von den Wählern der Bürgerkoalition (Koalicja Obywatelska – KO: sieben Prozent), der Neuen Linken (Nowa Lewica: neun Prozent), der Partei Gemeinsam (Razem: 16 Prozent), Polen 2050 (Polska 2025: fünf Prozent) oder der Polnischen Volkspartei (Polskie Stronnictwo Ludowe – PSL: neun Prozent). Zudem gibt es einen engen Zusammenhang zwischen der Abneigung gegenüber den Deutschen und dem Medienkonsum der Befragten. Eine Abneigung zeigt jeder zweite Zuschauer von TV Republika, TV Trwam und wPolsce24 (49 Prozent), jeder vierte Zuschauer der öffentlich-rechtlichen Sender (24 Prozent) und von Polsat (25 Prozent) sowie lediglich 16 Prozent der Zuschauer von TVN.

Sehr relevant für deutliche Unterschiede sind die Parteipräferenzen auch im Fall der Akzeptanzfrage. Die Wähler der Bürgerkoalition zeigen in allen Fällen eine größere Zustimmung zu Deutschen in unterschiedlichen gesellschaftlichen Rollen als die Wähler von Recht und Gerechtigkeit und der Konföderation, wobei die Unterschiede mehr als zwanzig Prozentpunkte erreichen.

Auch der Besuch des Nachbarlandes nach 1990 hat Schlüsselbedeutung dafür, wie die Antworten ausfallen. Polen, die mindestens einmal in Deutschland waren, haben eine bessere Meinung über den Stand der deutsch-polnischen Beziehungen und die deutsche Politik und zeigen auch eine geringere Distanz gegenüber den Deutschen. Dieses Ergebnis ist neu in den Untersuchungen des Deutsch-Polnischen Barometers; eine solche Korrelation war in den vergangenen Jahren nicht festzustellen. Daraus lässt sich die These ableiten, dass die Befragten, die eigene Erfahrungen gemacht haben, resilienter gegenüber medial verbreiteten negativen Botschaften sind. Um ein paar Beispiele zu nennen: Bei Personen, die mindestens einmal im Nachbarland waren, ist Sympathie verhältnismäßig häufiger anzutreffen (38 Prozent) als bei Polen, die noch nie dort waren (25 Prozent). Polen, die das Nachbarland bereits besucht haben, erklären mit größerer Wahrscheinlichkeit als diejenigen, die nie in Deutschland waren, dass sie einen Deutschen in einer bestimmten gesellschaftlichen Rolle in allen genannten Fällen (mit Ausnahme des Ratsmitglieds) akzeptieren (die Unterschiede liegen zwischen zehn und 14 Prozentpunkten).

Zusammengefasst: Die viele Jahre bestehende Tendenz, nach der junge Polen prowestlich und offen gegenüber Deutschland eingestellt sind, weil sie in ihm den »Westen« und das »Europäertum« sahen, während sich die älteren Generationen eher an die schwierige gemeinsame Geschichte erinnern, gilt nicht mehr. Was trennt, sind die Parteipräferenzen und die Informationsquellen über Politik sowie die eigenen unmittelbaren Erfahrungen des Befragten.

Auf der deutschen Seite stellt sich die Situation anders dar. Die politischen Präferenzen und die Quellen, aus denen das Wissen über Politik stammt, spielen fast gar keine Rolle bei den unterschiedlichen Meinungen. Auch die demografisch-gesellschaftlichen Charakteristika sind nicht entscheidend. Ähnlich wie auf polnischer Seite besteht eine Abhängigkeit zwischen den Einstellungen und den Aufenthalten in Polen. Personen, die Polen nach 1989 mindestens einmal besucht haben, haben eine bessere Meinung über das Land und seine Einwohner. Da die Bewohner der ehemaligen DDR öfter als die Westdeutschen angeben, schon in Polen gewesen zu sein, ergibt sich daraus eine weitere Korrelation (die in Deutschland ebenfalls seit Jahren sichtbar ist): Die Ostdeutschen haben eine positivere Einstellung zu Polen und seinen Einwohnern als andere Befragte aus Deutschland, weil sie sie besser kennen.

Warum ist es so schlecht geworden?

Aus den angeführten Ergebnissen folgt die Frage, woher auf der polnischen Seite die deutliche Verschlechterung der Meinungen über die deutsche Gesellschaft und Politik kommt. Der Einfluss der politischen Lager ist offenkundig ein wichtiger Faktor. Die Jahre antideutscher Rhetorik, die in den Medien und von führenden Politikern verbreitet wurde, Kampagnen, die historische deutsche Verbrechen in Polen in Erinnerung riefen und auch aus öffentlichen Mitteln finanziert wurden, haben den Ansichten der Polen deutlich ihren Stempel aufgedrückt. Die Veränderungen traten nicht radikal und abrupt ein, sondern vollzogen sich nach dem Motto »steter Tropfen höhlt den Stein« über Jahre hinweg. Die Ergebnisse des Barometers legen also nahe: Es sind die von einem Teil der Politiker und ihrer Umgebung (Medien, Experten) gegenüber den Deutschen getätigten negativen Aussagen und Handlungen, die zu Veränderungen in der öffentlichen Meinung geführt haben, und es hat nicht, wie es manche Politiker gern darstellen, ein bei den Polen bestehendes Bedürfnis die politischen Akteure dazu gebracht hat, solche Aussagen und Maßnahmen zu treffen. Gleichzeitig ist hier auch die Tatsache des generellen Rechtsrucks der polnischen Gesellschaft wie auch eine größere Distanz zu anderen Nationen von Bedeutung.

Es wäre allerdings zu einfach, einem politischen Lager und dessen Rhetorik die gesamte Verantwortung zuzuschreiben, zumal die antideutsche Rhetorik in Polen auf keinen großen Widerstand in der politischen Mitte und im linken Spektrum stieß. Sie traf eher auf Schweigen und allenfalls in kleinen Expertenkreisen auf Besorgnis. Es kam weder zu größeren deutsch-polnischen Initiativen noch zu im Alltag sichtbaren Maßnahmen der Zusammenarbeit. Das änderte sich auch seit 2023 nicht, als die von Donald Tusk angeführte Koalition die Regierungsverantwortung übernahm. Der Ministerpräsident selbst umgeht »deutsche« Themen und vermeidet es, sich in Deutschland zu zeigen sowie Dinge zu unternehmen, die die Opposition in ihrer Rhetorik als Beweis für seine »Unterwürfigkeit gegenüber Deutschland« deuten könnte. Und da Beispiele Schule machen, ziehen es auch weitere Regierungsmitglieder und -beamte vor, sich in diesem Kontext nicht für die Intensivierung der Kontakte zu Deutschland zu engagieren. Seit Jahren gibt es in Polen keinen Politiker, der sich klar für die Notwendigkeit einer Zusammenarbeit mit Deutschland ausspricht und seinen Worten Taten folgen lassen würde. Umso positiver ist die Aussage Donald Tusks auf der Pressekonferenz zu Anfang der 17. Deutsch-Polnischen Regierungskonsultationen (Dezember 2025) zu bewerten, als er sich für eine Stärkung der Zusammenarbeit aussprach. Es bleibt zu hoffen, dass diesen Worten auch Taten folgen und die während der Konsultationen geplanten Maßnahmen tatsächlich umgesetzt und ihre Auswirkungen breit in die Öffentlichkeit kommuniziert werden.

Die Verantwortung liegt aber auch auf der deutschen Seite. Es lassen sich kaum Belege dafür finden, dass die sowohl von der Regierung von Olaf Scholz als auch unter Friedrich Merz gemachten Ankündigungen einer vertieften Zusammenarbeit realisiert wurden – wenngleich hier natürlich auch eine positive Reaktion von polnischer Seite notwendig gewesen wäre und diese wie gesagt fehlte. Das Hauptproblem ist, den Untersuchungen des Deutsch-Polnischen Barometers 2025 zufolge, dass konkrete Schritte beim Thema Wiedergutmachung im Zusammenhang mit der deutschen Besatzung während des Zweiten Weltkrieges fehlen (siehe Rubrik »Umfragen«). Die polnischen, vom rechten politischen Lager in Gang gesetzten Erwartungen, die sich auf die in einem Bericht von Arkadiusz Mularczyk und seiner Arbeitsgruppe genannten Reparationssumme stützen, stoßen auf deutsche Tatenlosigkeit. Hinzu kommt, dass die Kommunikation dieses Themas auf beiden Seiten typisch polnische bzw. deutsche Eigenschaften aufweist. Die emotionale Kommunikation der Polen und ihre Erwartung, dass die deutsche Seite Empathie zeigt, weil jene weiterhin das Gefühl eines zugefügten und nicht abgegoltenen Unrechts haben, kollidiert mit den pragmatischen Erklärungen der Deutschen (offizieller Art als auch von Einzelpersonen), dass die Frage der Reparationen abgeschlossen sei, das Geld dafür fehle, so viel Zeit bereits vergangen und man für die Taten der Vorfahren nicht verantwortlich sei. Offensichtlich bleibt das in der polnischen öffentlichen Meinung nicht folgenlos.

Hier ergibt sich die Frage, ob das Gefühl des von den Deutschen verübten Unrechts durch die Rhetorik des rechten politischen Spektrums »aufgebauscht« wurde (zumal es über Jahre hinweg nicht so deutlich zutage getreten war), oder ob es vielmehr wirklich so stark war, dass diese Rhetorik ihm leicht zum Ausbruch verholfen hat. Es scheint, als schließe das eine das andere nicht aus. Es ist daher berechtigt zu fragen, warum das polnische Leid erst mehrere Generationen nach dem Zweiten Weltkrieg so vehement herausgestellt wird und warum dies nicht bereits die Großväter und Väter gemacht haben. Eine Antwort könnte sein, dass sich die vorangegangenen Generationen auf den Kampf um ihre Existenz in der Nachkriegszeit, dann im kommunistischen System und schließlich im sich neu erfindenden demokratischen Polen konzentrierten. Wichtig war der Blick in die Zukunft, der ihnen Hoffnung und Motivation gab. Westdeutschland war in der Volksrepublik Polen zunächst der von der Propaganda ausgemachte Feind, mit dem man keinen Dialog führte, und später war das vereinte Deutschland ein wichtiger Unterstützer der polnischen Transformation. Hier konzentrierte man sich abermals auf die Gegenwart und Zukunftspläne. Heute führen die Zeitumstände und die Entwicklung des Lebensstandards (zumindest eines Teils) der Polen dazu, dass diese kritischer auf die Vergangenheit blicken. Wachsendes Selbstbewusstsein und zunehmendes Selbstwertgefühl ermöglichen es ihnen auch, Erwartungen klar zu formulieren. Für sozioökonomisch benachteiligte Gruppen in Polen mag die Suche nach einem Feind und Verantwortlichen für die schwächere Entwicklung des Landes eine einfache Lösung zur Verbesserung ihres Selbstbildes sein; schließlich profitieren nicht alle Polen gleichermaßen von der gegenwärtigen Entwicklung. Von Bedeutung ist auch die Entwicklung und Rolle der sozialen Medien – es sind Plattformen für emotionale Entlastung (und oft sind sie ein Ventil für individuelle Frustrationen) und vollkommen unkontrollierte Meinungsäußerungen, barrierefrei zugänglich für jeden. Die Untersuchungen des Barometers 2025 zeigen, dass sich Personen, die ihr Wissen über Deutschland aus den sozialen Medien schöpfen, kritischer über das Land äußern.

Solche Stimmen rufen in Deutschland den Vorwurf der Undankbarkeit hervor. Man erinnert daran, was Deutschland als Land für Polen gemacht habe, aber auch an konkrete Menschen, die zum Beispiel in der Zeit des Kriegsrechts (1981–83) Pakete geschickt haben. Erinnert wird auch daran, dass Polen in den 1990er Jahren durch das Engagement zahlreicher Organisationen und Stiftungen im Bereich des wirtschaftlichen, gesellschaftlichen oder politischen Austauschs auf seinem Weg in die Europäische Union unterstützt wurde. Damals war oft das Argument bemüht worden, dass Deutschland angesichts der deutsch-polnischen Vergangenheit zu einer solchen Unterstützung verpflichtet sei. Mit Blick auf die aktuelle Situation herrscht in Deutschland wiederum Unverständnis, dass die Polen es nicht wertschätzen, wie sehr die europäischen Geldtöpfe die Entwicklung des Landes ermöglichen und dass Deutschland als größter Nettozahler des EU-Haushaltes de facto die Modernisierung Polens mitfinanziert.

Die Perspektive eines Teils der polnischen öffentlichen Meinung ist zurzeit jedoch eine andere. Die Frage nach Wiedergutmachung für Schäden und Verluste infolge des Krieges sowie jene nach dem deutschen Anteil an der Entwicklung Polens sind im polnischen Diskurs voneinander getrennt und Verbindungen werden hier selten hergestellt. Die Polen meinen, dass die deutsche Unterstützung für die wirtschaftliche Transformation und Strukturreformen in Polen sowie für den Beitritt zur EU und zur NATO im direkten Interesse Deutschlands gelegen habe, sowohl in wirtschaftlicher als auch politischer Hinsicht (da sich die Grenzen der EU und der NATO von Deutschland nach Osten verschoben haben). Die Bilanz auf beiden Seiten der Grenze ist mit Sicherheit positiv, jedoch ihre Kontextualisierung in der Regel subjektiv, da hier viele Lebensbereiche betroffen sind.

Wichtig ist auch der Entwicklungssprung, den Polen gemacht hat. Das Ungleichgewicht in den deutsch-polnischen Beziehungen hat sich deutlich reduziert. Die geringer werdenden Unterschiede bewirken, dass Deutschland für die Polen nicht mehr das Land der unerfüllbaren Träume, des Wohlstands und der Stabilität ist, umso mehr als in direkten Kontakten sichtbar wird, dass in Deutschland nicht alles so läuft, wie es sollte, und dass der Lebensstandard in Polen häufig gar nicht schlechter ist. Man kann also sagen, dass das Bild von Deutschland realistischer geworden ist, jedenfalls ist es nicht mehr so verklärt (über das Image von Deutschland ausführlicher im Deutsch-Polnischen Barometer 2024). Das hat zur Folge, dass es den Polen leichter fällt, Deutschland zu kritisieren, sowohl objektiv in Bezug auf negative Veränderungen und Tendenzen als auch durch den Einsatz negativer Rhetorik.

Die Polen ihrerseits sind in den letzten Jahren sehr viel selbstbewusster geworden, sie glaubten an ihre Möglichkeiten und haben immer weniger Komplexe gegenüber Deutschland und den Deutschen, wobei sie auch eine partnerschaftliche Behandlung erwarten. Deutschland ist für die Polen nicht mehr ein Vorbild, ein Bezugspunkt, der angestrebt werden muss, denn in manchen Bereichen ist das Entwicklungsniveau in Polen mittlerweile höher. Das »I-Tüpfelchen« war das Jahr 2022, als sich die Polen nach der russischen Vollinvasion in die Ukraine darin bestätigt sahen, dass die eigene Haltung und nicht die deutsche Einstellung zum Vorgehen Russlands sowie zur Energie- und Sicherheitspolitik richtig gewesen waren. Umso weniger wollen sie sich gegenwärtig von den Deutschen belehren lassen. Unterdessen bereitet es beiden Seiten manchmal Probleme, aus der langjährig praktizierten Lehrer-Schüler-Beziehung, in der Aufgaben und Möglichkeiten klar verteilt waren, herauszutreten. So wie sich ein Lehrer daran gewöhnen muss, dass der Schüler eine andere Meinung und auch Rechte haben kann, muss der Schüler, der Gleichbehandlung einfordert, seine kindische, oftmals auf Komplexen basierende Haltung ablegen. Und obwohl wir schon viel gemeinsam erreicht haben, gibt es im Bereich der Politik immer noch Beispiele für dieses lang eingeübte Verhalten und/oder Beispiele für die Deutung der Kommunikation der anderen Seite entsprechend dem einst funktionierenden Schema.

Einer der Bereiche, in denen es den Deutschen immer noch schwer fällt, die polnische Perspektive anzuerkennen, ist die Bewertung Russlands und der Vereinigten Staaten. In Polen war, ist und bleibt Russland mit Wladimir Putin eindeutig ein Feind und eine potentielle Gefahr für die polnische Sicherheit. Die Angriffe auf Georgien (2008) und die Ukraine sowie das Eindringen russischer Drohnen in den polnischen Luftraum, Angriffe auf die Bahninfrastruktur und Cyberattacken in Polen bestätigen diese ohnehin feste Überzeugung noch weiter. In Deutschland, wo man die russische Bedrohung natürlich auch klar erkennt, betont man gleichzeitig auch die Unsicherheit und Unvorhersehbarkeit, die von der US-Administration Donald Trumps ausgehen. Und obwohl Trumps Vorgehen auch in Polen von immer breiteren Kreisen als fragwürdig und sogar schädlich angesehen wird, bleiben die USA der Wunschpartner, zwar ein zunehmend unsicherer, aber weiter der einzige, der in der Lage ist, die Sicherheit Europas und auch Polens zu garantieren. Viel stärker beunruhigt die Polen die Möglichkeit, dass Deutschland zur Politik des »business as usual« gegenüber Russland zurückkehren könnte. Meinungen deutscher Experten, Politiker und Diplomaten, die dies verneinen, werden in Polen stets in Zweifel gezogen, sobald sich in Deutschland jemand prorussisch äußert. Dann wird diese Meinung, und kommt sie auch von einem weniger bekannten Politiker oder Unternehmer, in Polen weit verbreitet. Das wiederum stört das Vertrauen zwischen Polen und Deutschen erneut.

Kann es sich ändern und was kann man tun?

Die Veränderungen der polnischen Einstellungen gegenüber Deutschland und den Deutschen haben – so zeigen es die Untersuchungen des Deutsch-Polnischen Barometers der letzten Jahre – ihre Gründe und es wird schwer werden, ihnen entgegenzuwirken. Bekanntermaßen ist es einfacher, etwas zu beschädigen, als es später zu reparieren und wieder aufzubauen. Mit Sicherheit wird es nicht die Lösung sein, allein auf werbende, Öffentlichkeit heischende Maßnahmen zu setzen. Zuallererst sollten Politiker beider Seiten konkrete deutsch-polnische Initiativen starten sowie den Wert der beiderseitigen Beziehungen unterstreichen und die Aufmerksamkeit auf ihre konkreten Effekte lenken.

Zudem sollten sich beide Seiten bemühen, das Abhängigkeitsverhältnis von Lehrer und Schüler hinter sich zu lassen. In Deutschland würde das bedeuten anzuerkennen, dass die polnische Sicht nicht nur anders als die deutsche sein darf, sondern die polnische Perspektive auch richtig sein kann, weshalb es sinnvoll sein könnte, sich ihr anzuschließen. Gleichzeitig sollte das Wissen über Polen vertieft werden, denn viele Fehler wurden aus Unkenntnis gemacht.

In Polen sollte davon Abstand genommen werden, manche Worte und Gesten in Deutschland als gegen Polen gerichtet zu interpretieren, denn oftmals ist eine solche Deutung nicht zutreffend, zumal das Thema Polen häufig nicht in den deutschen Diskursen und Entscheidungsforen präsent ist – im Gegensatz zum Thema Deutschland in Polen.

Auf deutscher Seite ist es wichtig zu verstehen, dass historische Themen des Zweiten Weltkrieges in Zusammenhang mit Wiedergutmachung im polnischen Mainstream angekommen sind und Aktivitäten auf diesem Feld nicht nur vom rechten politischen Lager in Polen erwartet werden. Eine »humanitäre Geste« gegenüber den noch lebenden 50.000 polnischen Opfern des Nationalsozialismus wäre hier sowohl in symbolischer als auch praktischer Hinsicht (in Anbetracht des Alters der Betroffenen) ein dringender Schritt. Allerdings treffen hier wieder die unterschiedlichen Sichtweisen der beiden Gesellschaften aufeinander. Die Polen verstehen nicht, dass Deutschland, das viele Milliarden Euro aus den öffentlichen Haushalten für verschiedene Aufgabenbereiche einplant, sich nicht dazu durchringen kann, den polnischen Opfern eine gewisse Summe auszuzahlen. Gleichzeitig verzerren die vom polnischen rechten Spektrum eröffneten Diskussionen über Reparationen das Bild, um was für Zahlungen es geht. Die Deutschen fragen daher berechtigterweise, ob die Entschädigungen nicht schon stattgefunden haben. Folglich sollte erklärt werden, dass die betreffenden Personen in den vergangenen Jahrzehnten (zuletzt vor 20 Jahren) tatsächlich Mittel aus verschiedenen deutschen und österreichischen Quellen erhalten haben. Nach der Wiedervereinigung Deutschlands leistete die Bundesrepublik Anfang der 1990er Jahre ex gratia individuelle Zahlungen an ehemalige NS-Opfer u. a. aus Polen mit Hilfe der eigens gegründeten Stiftung Polnisch-Deutsche Aussöhnung. 600.000 Personen erhielten insgesamt 500 Millionen DM. Weitere individuelle finanzielle Unterstützung wurde im Jahr 2000 veranlasst. Dabei gewährte man den noch lebenden polnischen NS-Opfern insgesamt 1,812 Milliarden DM (vgl. und mehr dazu: Barcz; Ruchniewicz, S. 61, siehe »Lesetipp«). Von ihnen leben heute noch ca. 50.000 Personen. Nach Erhalt der erwähnten Zahlungen haben die Betroffenen auf die Geltendmachung künftiger Entschädigungsansprüche verzichtet und signalisieren auch heute keinen Rechtsanspruch auf weitere Entschädigungen. Heute handelt es sich nicht um Entschädigungen (das wird oft falsch so bezeichnet), sondern um eine »humanitäre Geste«, die als Unterstützung für die letzten Lebensjahre der noch lebenden Opfer gelten soll. Die vom damaligen Bundeskanzler Olaf Scholz während der deutsch-polnischen Regierungskonsultationen 2024 vorgeschlagene Summe belief sich auf 200 Millionen Euro, was damals eine Einmalzahlung von ca. 3.300 Euro pro Person bedeutet hätte. Zurzeit sind die Summen, über die gesprochen wird, nicht bekannt, wobei eine angemessene Lösung eher zu sein scheint, eine monatliche, lebenslange Unterstützung zu zahlen, die für die betreffenden Personen aufgrund ihrer Regelmäßigkeit und Planbarkeit eine zuverlässige Unterstützung wäre.

Die vom Bundestag im Dezember 2025 beschlossene Errichtung eines Denkmals für die polnischen Opfer des Zweiten Weltkrieges in Berlin sollte möglichst reibungslos vonstattengehen und dem Willen des Parlaments entsprechend polnische Experten einbeziehen. Auch sollte die Idee, ein Deutsch-Polnisches Haus in Berlin zu errichten, nicht verschoben werden, denn die Ergebnisse des Deutsch-Polnischen Barometers zeigen eindrücklich, dass eine solche Einrichtung, die in Deutschland über Polen informieren und als Ort der Begegnung dienen soll, notwendig ist. Mit Sicherheit ist es auch wichtig, die Rückgabe historischer Kulturgüter an Polen fortzusetzen. Die Übergabe eines Teils von ihnen im Rahmen der deutsch-polnischen Regierungskonsultationen in Berlin im Dezember 2025 ist ein guter Neuanfang nach einer langen Pause.

Hier drängt sich die Frage auf, ob die deutschen Schritte imstande sind, die Polen zufrieden zu stellen. Der Hintergrund sind berechtigte Vermutungen, dass das Polen-Denkmal auch auf Kritik stoßen wird, oder dass Zahlungen und Kulturgüter-Rückführungen, egal wie hoch und wie groß sie sind, von bestimmten Kreisen in Polen immer als zu gering erachtet werden. Allerdings sollte man diesen Befürchtungen nicht erliegen, denn im Wesentlichen geht es hier um die Anerkennung des polnischen Leids und nicht um Zahlen. Natürlich werden manche Gruppen nicht zufrieden sein und versuchen, Deutschland weiter anzugreifen und zu diskreditieren. Ein bedeutender Teil der polnischen Gesellschaft erwartet aber weiterhin eine konstruktive Zusammenarbeit mit Deutschland und versteht das Ausmaß der Herausforderungen, vor denen wir gemeinsam stehen.

Gleichzeitig muss festgestellt werden, dass die Ära der großen Projekte und bahnbrechenden Gesten zu Ende ist. Heute sollte man auf kleinere gemeinsame Initiativen setzen und Gefahren eindämmen. Auf dem Weg der deutsch-polnischen Zusammenarbeit gibt es keinen Platz für Fehler, nicht abgeschlossene Projekte und Misserfolge, kleinere Ambitionen sind überdies leichter zu verwirklichen. Wesentlich ist hier allerdings, die gemeinsamen kleineren Schritte und ihre Ergebnisse und Erfolge effektiv zu kommunizieren.

Was sich letztlich klar aus den Erhebungen des Deutsch-Polnischen Barometers ergibt, ist, dass bilaterale Kontakte die Resilienz gegenüber antideutscher Rhetorik in Polen erhöhen. Das ist ein sehr konkreter Hinweis darauf, wo und wie in jedem Bereich der Zusammenarbeit investiert werden sollte – von der Erhöhung der Mittel für den deutsch-polnischen Jugendaustausch über Unterstützung für Projekte der Zivilgesellschaft sowie in Kunst und Kultur bis hin zu Kontakten auf höchster Ebene.

Übersetzung aus dem Polnischen: Silke Plate

Teile des Textes, hier leicht redaktionell bearbeitet, sind bereits veröffentlicht in:

Jacek Kucharczyk, Agnieszka Łada-Konefał: Gemeinsame Herausforderungen, unterschiedliche Sichtweisen. Deutsch-Polnisches Barometer 2025, Deutsches Polen-Institut/Instytut Spraw Publicznych, Darmstadt/Warszawa 2025. https://www.deutsches-polen-institut.de/veroeffentlichungen/einzelveroeffentlichungen/gemeinsame-herausforderungen-unterschiedliche-sichtweisen-deutsch-polnisches-barometer-2025

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Tadeusz Mazowiecki – Politik und Werte

Von Thomas Behrens
Mit Tadeusz Mazowiecki ist in Polen einer der Gründerväter der Dritten Republik gestorben. Er wurde 86 Jahre alt. Als hervorragender Vertreter der jüngeren Generation der katholischen Intelligenz im kommunistischen Polen seit den 1950er Jahren und geistiger Vordenker der Solidarność war er einer der Hauptakteure bei der Moderation des Systemwechsels am Ende der 1980er Jahre. Anschließend legte er als Ministerpräsident der Jahre 1989/90 die Fundamente für ein freies Polen und machte sich maßgeblich um die Versöhnung und Verständigung mit Deutschland im europäischen Einigungsprozess verdient.
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