Die Presselandschaft in Polen. Strukturelle Rahmenbedingungen und zentrale Konfliktlinien

Von Johanna Möller

Zusammenfassung
Seit dem Zusammenbruch des kommunistischen Systems hat sich die polnische Presselandschaft außerordentlich dynamisch entwickelt. Trotz konzentrierter Besitzstrukturen im Bereich der politischen Tages- und Wochenpresse – diese befindet sich zu einem großen Teil in den Händen deutscher Medienkonzerne – hat sich ein vielfältiges Medienangebot etabliert. Auch die politisch-rechtlichen Rahmenbedingungen für journalistisches Arbeiten sind im Großen und Ganzen als positiv zu beurteilen – der Zugang zu Informationen ist ebenso gewährleistet wie der Schutz der Meinungsvielfalt. Probleme wie zurückgehende Leserzahlen, Boulevardisierung der Medieninhalte und zunehmender finanzieller Druck auf Journalisten sind auch für westeuropäische Medien gut bekannt. Darüber hinaus sind für die polnische Presselandschaft spezifische Konflikte prägend , die um ideologische Lagerbildung und politische Einflussnahme seitens der Journalisten kreisen und das Vertrauen der Gesellschaft in die Presse als kritischer Politikbegleiter immer wieder erschüttern.

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Artikel

Zweieiige Zwillinge. PiS und Fidesz: Genotyp und Phänotyp

Von Kai-Olaf Lang
Die regierenden Parteien in Polen und Ungarn haben vieles gemeinsam. Beide streben einen neotraditionalistischen Umbau von Staat und Gesellschaft an. Demokratie verstehen sie als Mehrheitsherrschaft, das Mandat, das sie vom Volk an den Wahlurnen erhalten haben, soll nicht durch „checks and balances“ beschränkt werden. In der EU setzen PiS und Fidesz auf die Sicherung und den Ausbau nationalstaatlicher Hoheitsbereiche. Aufgrund außen- und europapolitischer Differenzen – insbesondere in der Sicherheits- und Russlandpolitik – ist allerdings keine nationalkonservative Achse in Ostmitteleuropa entstanden. (…)
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Analyse

Neuere Entwicklungen im Hochschulsektor

Von Sonja Steier
Die Wiederherstellung der Hochschulautonomie sowie die Aufwertung der Hochschulen gegenüber der Polnischen Akademie der Wissenschaften mit einhergehender Studienreform gehörten zu den bedeutendsten Reformschritten zu Beginn der postkommunistischen Ära, wie Sonja Steier darstellt. Für die Hochschulen bedeutete die neue Hochschulpolitik auch eine ausgeprägte Differenzierung und Konkurrenz untereinander. Zugleich kam es zu einer Gründungswelle nichtstaatlicher Hochschulen unterschiedlichster Qualität. Infolge einer in den 1990er Jahren einsetzenden Bildungsexpansion konnten die Hochschulen die Studierendenzahlen innerhalb weniger Jahre vervierfachen; die Zahl der Hochschulen stieg ebenfalls um ungefähr denselben Faktor. Seit 1999 wird die Entwicklung des polnischen Hochschulsystems auch vom Bologna-Prozess gesteuert, der zu einer neuen Diversifizierung der Studiengangstrukturen führt. (…)
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