Analyse Von Alexander Cherkassov
Die Geiselnahme von Beslan (1.–3. September 2004) ist in Russland – ebenso wie frühere Geiselnahmen bisher nicht angemessen aufgearbeiter worden. Die Fragen, die in der Öffentlichkeit gestellt werden, greifen zu kurz. Die gerichtliche Untersuchung ist von Interessenkonflikten belastet, da man die Sicherheitskräfte nicht kritisch hinterfragen will. Doch auch die parlamentarische Untersuchungskommission, die ihren Bericht immer noch nicht vorgelegt hat, hält sich an eine „Generallinie“, die es vermeidet nach dem Kontext der Geiselnahme – den Tschetschenienkrieg und seinen Ursachen zu fragen. (…)
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Analyse Von Alexey Gunya
Radikalisierung steht in einem engen Zusammenhang mit Mobilisierung und Sozialisierung. Im Nordkaukasus begünstigen folgende Faktorengruppen der modernen Sozialisation und Mobilisierung eine Radikalisierung: 1) kulturelle und geographische Faktoren; 2) das historische Erbe und verschleppte Kränkungen; 3) ein drastischer Wandel der politischen Institutionen; 4) intensive Informationsflüsse; 5) mangelhafte Beziehungen zwischen Staat und Gemeinschaft; 6) das Entstehen neuer Sozialisierungsräume für junge Menschen. Es bestehen große regionale Unterschiede bei der Mobilisierungsaktivität und dem Einsatz von Gewalt. Sie reichen von unterdrückter Mobilisierung in Tschetschenien bei hohem Gewaltniveau bis zu sehr starker Mobilisierung bei einem relativ niedrigen Niveau der Gewalt in Karatschai-Tscherkessien. Zu den allgemein im Nordkaukasus bestehenden Voraussetzungen für eine Radikalisierung gehören die ungünstigen Bedingungen für die Sozialisierung junger Menschen und für deren Integration in das Geflecht gesellschaftlicher und wirtschaftlicher Beziehungen sowie das fehlende Vertrauen in die Sicherheits- und Justizbehörden.
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