Gesellschaftliche Unternehmensverantwortung abseits der gewohnten Pfade: Wie Staat und Wirtschaft in Russland zusammenarbeiten

Von Ulla Pape (Freie Universität Berlin), Stanislav Klimovich (Freie Universität Berlin)

Zusammenfassung
Die großen Herausforderungen der Zukunft – Klimawandel, nachhaltiges Wachstum und soziale Gerechtigkeit – können nur in Zusammenarbeit mit der Wirtschaft gemeistert werden. Die Debatten um die gesellschaftliche Verantwortung von (Groß-)Unternehmen sind inzwischen auch in Russland angekommen. Russische Unternehmen sind Teil globaler Wertschöpfungsketten und beteiligen sich an internationalen Netzwerken zur sozialen und ökologischen Unternehmensverantwortung (in der englischen Fachliteratur: Corporate Social Responsibility, CSR). In diesem Beitrag untersuchen wir, wie Staat und Wirtschaft auf dem Gebiet der gesellschaftlichen Unternehmensverantwortung in Russland zusammenarbeiten. Hierbei zeigt sich, dass russische Firmen besonders in den Regionen auf sowjetische und vorsowjetische Traditionen der Unternehmensverantwortung und Wohltätigkeit zurückgreifen können. Daneben lässt sich ein zunehmender Druck internationaler Märkte beobachten, der Unternehmen auf die Einhaltung menschenrechtlicher und ökologischer Standards verpflichtet. Warum sich russische Unternehmen im Bereich CSR engagieren und wie sich ihre Zusammenarbeit mit dem Staat in diesem Bereich entwickelt, bleibt jedoch weiterhin Gegenstand der Debatte.

PDF-Datei in neuem Fenster anzeigen

Lesetipps

  • Crotty, J. (2016). Corporate Social Responsibility in the Russian Federation: A Contextualized Approach. Business & Society, 55(6), 825–853.
  • Crotty, J., & Hall, S. (2014). Environmental Awareness and Sustainable Development in the Russian Federation.Sustainable Development, 22(5), 311–320.
  • Fifka, M. S., & Pobizhan, M. (2014). An Institutional Approach to Corporate Social Responsibility in Russia.Journal of Cleaner Production, 82, 192–201.
  • Hale, H. (2010). Eurasian Polities as Hybrid Regimes: The Case of Putin’s Russia. Journal of Eurasian Studies, 1(1),33–41.
  • Mizobata, S. (2011): Business Society and Corporate Social Responsibility: Comparative Analysis in Russia and Japan. Hg. v. Kyoto University. Kyoto Institute of Economic Research, http://www.kier.kyoto-u.ac.jp/DP/DP774.pdf.
  • Polishchuk, L. (2009). Corporate Social Responsibility vs. Government Regulation: Institutional Analysis with an Application to Russia, HSE Working paper Series 1, Moscow: Higher School of Economics.
  • Schuhmann, J., Bluhm, K.; Kropp, S. (2017). Osobennosti raswitija korporatiwnoj otwetstwennosti w Rossijskoj Federazii, in: Krylow, A. (ed.). Jewropejskaja bisnes-etika. Nastalnaja kniga. Moskwa: Ikar (i. E.).

Zum Weiterlesen

Artikel

Antirevolutionäre Revolutionserinnerungspolitik: Russlands Regime und der Geist der Revolution

Von Il’ja Kalinin
Russlands Führung steht im Jahr 2017 vor einer Herausforderung: Sie muss Erinnerung an die Oktoberrevolution in ein Geschichtsbild verpacken, das Revolutionen als solche ablehnt. Ihre zentrale Botschaft lautet: Versöhnung. Doch es geht nicht um den Bürgerkrieg 1917–1920. Die Vergangenheit ist nur vorgeschoben. Es geht darum, jede Form von Kritik am heutigen Regime als Bedrohung des gesellschaftlichen Friedens zu diffamieren und mit dem Stigma zerstörerischer revolutionärer Tätigkeit zu belegen. (…)
Zum Artikel auf zeitschrift-osteuropa.de
Analyse

Die sozialpolitische Konzeption Putins: Wirtschaftsliberalisierung als Sozialpolitik

Von Jakob Fruchtmann
Die sozialpolitische Konzeption Putins ist als Flankierung einer entschieden markt- und wachstumsorientierten allgemeinen Strategie zu werten. Ein wesentliches Ziel dieser Politik besteht in der Sicherung von Bestand und Loyalität der russischen Bevölkerung. Dazu strebt Putin eine Zusammenführung der de jure bestehenden sozialen Rechte und ihrer tatsächlichen materiellen Gewährleistung an. Gleichzeitig bemüht er sich um eine Eliminierung nicht marktwirtschaftskonformer Elemente sozialpolitischer Steuerung (Monetarisierung) und orientiert auch die weitere Gestaltung des sozialpolitischen Instrumentariums v.a. auf eine Förderung des nationalen Wachstums. (…)
Zum Artikel

Logo FSO
Logo DGO
Logo ZOIS
Logo DPI
Logo IAMO
Logo IOS