Das Schweigen nach der Ausreise: Warum die neuen russischen Migranten sich nicht mobilisieren

Von Liudmila Listrovaya (Weiser Center for Europe and Eurasia (WCEE), Universität Michigan)

Zusammenfassung
Seit Russlands groß angelegter Invasion der Ukraine im Februar 2022 sind fast eine Million Russen ins Ausland geflohen. Obwohl sie typischerweise ein Profil aufweisen, das mit hohem politischem Aktivismus gleichgesetzt wird, und entschiedene Antikriegseinstellungen vertreten, haben sich diese neuen Migranten noch nicht zu einer bedeutenden politischen Kraft zusammengeschlossen. Diese Analyse untersucht, wie die extraterritoriale Ausbreitung des Autoritarismus das politische Schweigen dieser Migranten erzwingt. Ich zeige, dass der Mangel an sichtbarem politischem Aktivismus der Migranten im Ausland eine kalkulierte, strategische Reaktion auf relationale und kontextuelle Zwänge ist, die mit dem transnationalen Autoritarismus Russlands verbunden sind.

1. Das Paradox der »Relokanty«

Der Exodus russischer Staatsbürger nach der Invasion der Ukraine im Februar 2022 und der anschließenden »Teilmobilisierung« im September stellt einen beispiellosen Verlust an Humankapital in der modernen russischen Geschichte dar. Diese Welle besteht nicht nur aus Einzelpersonen, sondern aus einer bestimmten sozialen Schicht, die oft als Relokanty bezeichnet wird. Aus soziologischer Sicht verfügen diese Migranten über eine hohe »biographical availability« [Verfügbarkeit durch fehlende Lebenszwänge ist vorhanden – Anm. d. Red.] – ein Profil, das in der Regel gleichbedeutend mit hohem politischem Aktivismus ist. Sie sind überproportional jung, urban und technikaffin; sie sind deutlich besser ausgebildet und wirtschaftlich widerstandsfähiger als der durchschnittliche russische Bürger (Outrush 2024). Am wichtigsten ist jedoch, dass sie sich überwiegend durch ihre Opposition gegen den Kreml und den Krieg auszeichnen und sie besitzen genau die liberalen Werte, die der russische Staat im Inland zu beseitigen versucht hat.

Als dieser Exodus begann, erwarteten viele Beobachter und Aufnahmegesellschaften die Entstehung eines mächtigen »Russlands im Ausland«: einer Diaspora, die ihre neu gewonnene Sicherheit nutzen würde, um das autoritäre Regime Russlands von außen herauszufordern. Historisch gesehen war ein solcher politischer Aktivismus der Diaspora ein Eckpfeiler von Widerstandsbewegungen. Nun, da der vollumfängliche Krieg Russlands in sein fünftes Jahr geht, hat sich jedoch ein auffälliger Widerspruch herauskristallisiert. Während diese Diaspora sich sehr aktiv für gegenseitige Hilfe und humanitäre Unterstützung für andere Exilanten einsetzt, bleibt ihre öffentliche politische Mobilisierung zurückhaltend. Der erwartete Widerspruch gegenüber dem russischen Staat – in Form von Massenprotesten, koordinierten Social-Media-Kampagnen oder organisierten Oppositionsbewegungen – ist weitgehend nicht in einer nachhaltigen, kollektiven Weise zustande gekommen.

Diese Analyse untersucht, warum diese Migranten, obwohl sie in einem demokratisch toleranten Umfeld leben, einen Weg der strategischen Vermeidung statt des Aktivismus wählen. Um dies zu verstehen, müssen wir über die einfache Dichotomie von Unterdrückung und Freiheit hinausblicken. Stattdessen können wir den »langen Arm« des russischen Staates, der seine Macht über die Grenzen hinweg durch drei verschiedene soziale Sphären ausübt, wie folgt darstellen: Er wirkt auf die Rolle des Migranten als russischer Staatsbürger, als Familienmitglied und als prekärer Einwohner in einem Aufnahmeland.

2. Der lange Arm des Staates: extraterritoriale Ausbreitung

Um dieses Schweigen zu verstehen, müssen wir über den traditionellen Rahmen von »Exit, Voice und Loyalty« hinausblicken, auf den Sozialwissenschaftler so oft Bezug nehmen. In der klassischen politischen Theorie gewinnen Bürger, wenn sie aus einem repressiven System »austreten«, die »Stimme«, um es zu kritisieren. Bei der neuen russischen Diaspora ist es dem russischen Staat jedoch gelungen, seine autoritären Zwänge durch die extraterritoriale Ausbreitung des Autoritarismus zu exportieren.

Die extraterritoriale Ausbreitung manifestiert sich nicht immer in Form von hochkarätigen Attentaten oder Entführungen, über die die Medien schnell berichten, wie beispielsweise die Ermordung des saudischen Dissidenten Jamal Khashoggi in einem Konsulat in Istanbul im Jahr 2018 oder die Vergiftung von Sergej und Julia Skripal im Vereinigten Königreich im selben Jahr. Vielmehr wirkt er durch diffuse und nicht zielgerichtete Effekte, die ein ständiges Gefühl der Unruhe und Unsicherheit erzeugen. Wenn wir die drei oben genannten Rollen untersuchen, die die russischen Migranten nach 2022 einnehmen, sehen wir, dass Landesgrenzen keinen klaren Bruch mit dem Autoritarismus darstellen. Stattdessen gelingt es dem russischen Staat, seine Zwänge zu exportieren und etwas zu schaffen, was ich als »Schweigen nach der Ausreise« bezeichne. Dies ist kein Zeichen von Apathie, sondern eine aktive, kalkulierte Reaktion auf ein Regime, das die rechtliche, emotionale und physische Sicherheit seiner Untertanen auch nach deren physischer Ausreise aus dem Staatsgebiet weiterhin bedroht.

a) Die Rolle des Bürgers: Verbrechen und Strafe

Migranten sind sich nach wie vor sehr bewusst, dass das russische Rechtssystem durch die Einführung drakonischer Anklagen wie »Diskreditierung der Streitkräfte«, »Verbreitung falscher Informationen« und »Unterstützung extremistischer Organisationen« zu einer Waffe gemacht wurde. Diese Gesetze sind speziell darauf ausgerichtet, eine »lange Hand« der Kontrolle aufrechtzuerhalten, da sie für russische Staatsbürger unabhängig von ihrem geografischen Standort gelten. Die Sichtbarkeit extremer Haftstrafen – zwischen sechs und fünfundzwanzig Jahren für gewöhnliche Bürger – wirkt als starkes Abschreckungsmittel (Amnesty International 2025; Memorial 2025). Dies schafft ein psychologisches Umfeld, in dem die wahrgenommenen Kosten für den eigenen Widerspruch unerschwinglich hoch sind. Das Ergebnis ist ein kalkulierter Rückzug aus dem politischen Handeln; selbst in der Sicherheit eines Aufnahmelandes verzichten viele Relokanty darauf, sich an Protesten zu beteiligen, Petitionen zu unterzeichnen oder Ein-Mann-Demonstrationen zu organisieren, aus Angst vor den rechtlichen Konsequenzen, sollten sie jemals zurückkehren müssen.

Während soziale Medien einst als befreiender Raum für die Stimme der Diaspora angesehen wurden, zeigen Untersuchungen nun, dass viele Migranten digitalen Aktivismus als strategische Falle betrachten. Sie sind sich der unauslöschlichen digitalen Spuren, die sie hinterlassen, sehr bewusst. Die Angst, dass ein jahrealter Like, ein Repost oder eine kleine Spende von den Sicherheitsdiensten entdeckt werden könnte, wirkt als primäres Hindernis für ein Engagement.

Diese Angst wird durch die Realität der russischen Grenzverfahren noch verstärkt. Es ist mittlerweile gängige Praxis, dass zurückkehrende Bürger befragt, festgenommen und gezwungen werden, ihre Mobilgeräte zur Überprüfung vorzulegen. Jede Vorgeschichte politischer Kommentare oder Unterstützung für »unerwünschte« Organisationen erhöht das Risiko einer strafrechtlichen Verfolgung erheblich. Infolgedessen hat sich die digitale Aktivität der Diaspora von öffentlichkeitswirksamen politischen Herausforderungen zu eher privaten Kanälen der gegenseitigen Hilfe verlagert. Migranten nutzen kleine, verschlüsselte Chats für logistische Unterstützung und das Überleben der Community, vermeiden jedoch weitgehend öffentlich sichtbaren politischen Aktivismus im Internet. Diese Strategie gewährleistet zwar die Sicherheit und das Überleben der Community, versäumt es jedoch, die Narrative des Kremls auf sinnvolle, öffentlich sichtbare Weise in Frage zu stellen.

b) Der private Bereich: Die Familie bewahren

Die vielleicht schmerzhafteste Einschränkung des politischen Engagements findet im privaten Bereich der familiären Beziehungen statt. In vielen russischen Familien hat sich eine tiefe ideologische Kluft aufgetan, die oft durch ihre primären Informationsquellen verursacht wird. Während Migranten in der Regel auf unabhängige digitale Medien und soziale Netzwerke zurückgreifen, sind ihre in Russland lebenden Eltern und Großeltern oft stark von den Narrativen des staatlich kontrollierten Fernsehens beeinflusst. Diese Divergenz führt zu einer Situation, in der Familien in zwei sich gegenseitig ausschließenden Realitäten leben, was einen sinnvollen politischen Dialog nahezu unmöglich macht.

In diesem Zusammenhang ist Schweigen kein Zeichen von Apathie, sondern eine aktive Schutzmaßnahme, eine Form des strategischen Schweigens, um die letzten Brücken zu ihrem früheren Leben zu erhalten. Für viele Relokanty ist die Entscheidung zu schweigen das Ergebnis intensiver emotionaler Anstrengungen. Interviews zeigen, dass das Vermeiden politischer oder auch nur »politiknaher« Themen zu einer Voraussetzung für die Aufrechterhaltung des Familienkontakts geworden ist. Wenn diese Grenzen überschritten werden, sind die Folgen oft explosiv. Migranten berichten, dass sie als »Sorosjata« (ein abwertender Begriff, der impliziert, dass sie Marionetten westlicher liberaler Interessen sind) bezeichnet oder beschuldigt werden, »das Vaterland verraten« und ihre militärischen Pflichten verletzt zu haben.

Der Druck wird durch die psychologische Verzerrung durch Propaganda noch verstärkt. Viele Verwandte in Russland bestehen darauf, dass »nichts Schlimmes passiert« und dass ihre Kinder nach Hause zurückkehren sollten, und ignorieren dabei die Realität der Unterdrückung und Mobilisierung. In extremen Fällen führen diese ideologischen Gräben dazu, dass Eltern ihre Kinder offen verleugnen oder die Kommunikation über Jahre hinweg vollständig einstellen.

Wenn politische Meinungsäußerungen durch Migranten sogar in der Intimität eines Telefonats zwischen Mutter und Sohn unterdrückt werden, wird die Möglichkeit einer breiteren öffentlichen Mobilisierung effektiv neutralisiert. Der »lange Arm« des russischen Staates reicht somit bis in die privatesten Bereiche hinein und fragmentiert die primären sozialen Bindungen der Diaspora. Indem das Regime Familienmitglieder zu Vollstreckern staatlicher Narrative macht, sorgt es dafür, dass die Kosten des Widerspruchs selbst für diejenigen, die physisch aus seinem Territorium geflohen sind, unerschwinglich hoch bleiben.

c) Leben in der Schwebe: Die Erfahrung als Migrant im Ausland

Die dritte Säule der politischen Nichtbeteiligung ist die inhärente Unsicherheit des Lebens im Gastland. Viele russische Migranten leben in einem Zustand »eingefrorener Identität« – einer psychologischen und rechtlichen Schwebe, in der sie nicht in der Lage sind, für die Zukunft zu planen, da sie nicht wissen, ob ihr Aufenthalt Monate oder Jahrzehnte dauern wird. Dieser Mangel an langfristiger Rechtssicherheit, wie beispielsweise einer dauerhaften Aufenthaltsgenehmigung oder einem klaren Weg zur Staatsbürgerschaft, hält Migranten in einem Zustand permanenter Verletzlichkeit.

In diesem Zustand der Ungewissheit verlagert sich der Fokus von politischer Meinungsäußerung hin zu grundlegender individueller Stabilität. Die immense kognitive und physische Energie, die erforderlich ist, um bürokratische Hürden zu überwinden (einen Arbeitsplatz zu finden, ein Bankkonto in einem Klima hoher Regelkonformität zu eröffnen und Aufenthaltsdokumente zu erhalten), lässt wenig Raum für das nachhaltige Engagement, das für politische Organisation erforderlich ist. Für die Mehrheit der Relokanty verdrängt die durch ihren Migrantenstatus bedingte Überlebensmentalität effektiv die Rolle des Aktivisten, was im Allgemeinen auch für viele andere Diasporagemeinschaften gilt.

Darüber hinaus spielen das politische Regime des Aufnahmelandes und dessen Beziehung zum Kreml eine entscheidende Rolle bei der Unterdrückung der Stimme der Diaspora. Es gibt eine klare geografische und politische Kluft in der Mobilisierungsfähigkeit der Diaspora. Warum agieren die meisten prominenten russischen Oppositionspolitiker, Aktivisten und im Exil lebenden Menschenrechtsorganisationen heute von Deutschland aus und nicht von Georgien oder Kasachstan? Deutschland und andere westliche EU-Staaten bieten einen schützenden Rahmen: Sie kooperieren in der Regel nicht mit russischen Sicherheitskräften, lassen Anti-Kriegs-Journalisten frei arbeiten und erlauben keine Rückführung politischer Dissidenten.

Im Gegensatz dazu befinden sich viele andere Länder, in denen die größte Konzentration russischer Migranten zu finden ist – darunter Armenien, Kasachstan, Kirgisistan, Georgien, Serbien und die Türkei – in einem eher zweideutigen oder ausgrenzenden politischen Raum. Diese Staaten unterhalten oft Sicherheitskooperationen oder gegenseitige Auslieferungsabkommen mit der Russischen Föderation. Für Migranten in diesen Regionen ist der Selbsterhaltungstrieb ein rationales Abschreckungsmittel. Jüngste Fälle von Schikanen, Inhaftierungen und Auslieferungen sind deutliche Warnsignale dafür, dass der »lange Arm« des russischen Staates in illiberalen Staaten besonders wirksam ist (Coalson 2023; Burakova 2025).

3. Fazit: Die Zukunft der »stillen« Diaspora

Das »Schweigen nach der Ausreise«, das unter der neuen russischen Diaspora zu beobachten ist, ist weder ein Zeichen der Unterstützung für das Regime noch ein Zeichen allgemeiner politischer Apathie. Es ist eine rationale, kalkulierte Reaktion auf ein System extraterritorialer Autorität, das Menschen bestrafen und die sozialen Bindungen der Migranten zerstören kann. Indem er ihre Identität als Bürger, ihre Pflichten als Familienmitglieder und ihren prekären Einwandererstatus ins Visier nimmt, ist es dem russischen Staat gelungen, seine lautstärksten Kritiker zum Schweigen zu bringen, selbst nachdem sie seine Grenzen verlassen haben.

Diese Situation wird durch den ausgrenzenden populistischen Diskurs in mehreren EU-Staaten noch verschärft, die ihre Grenzen für Russen physisch geschlossen haben, Visumsanträge – einschließlich humanitärer und Asylanträge – ablehnen und nun versuchen, das Recht auf Beantragung von Mehrfach-Schengen-Visa für ungültig zu erklären (Walker 2025). Es ist wichtig zu erkennen, dass diese restriktiven Maßnahmen diejenigen unverhältnismäßig stark benachteiligen, die nicht über das finanzielle Kapital verfügen, um sich durch Investitionsprogramme, die Immatrikulation an Eliteuniversitäten oder den Erwerb von Immobilien den Weg in den Westen zu »erkaufen«. Genau diese Personen mussten oft kurzfristig fliehen und verfügen über das größte Potenzial für demokratisches Engagement. Solche ausgrenzenden Maßnahmen führen zu einer tiefgreifenden Asymmetrie der Mobilität: Sie halten die schutzbedürftigsten Kritiker des Regimes gefangen, während sie denen, die über das nötige Vermögen verfügen, um die üblichen Visabestimmungen und umfassendere Wirtschaftssanktionen zu umgehen, die Türen offen lassen.

Im krassen Gegensatz dazu bleibt ein bedeutender Teil der kriegsbefürwortenden Elite weitgehend unberührt. Dazu gehören die Kinder von Parlamentariern, die für militärische Aggressionen und repressive Gesetze gestimmt haben, sowie Medienpersönlichkeiten, Sportler und Militärinvestoren, die sich offen für die territoriale Expansion aussprechen. Während der durchschnittliche Migrant, der gegen das Regime ist, in einer rechtlichen Grauzone gefangen ist, nutzen diese Mitglieder der reichen Elite weiterhin bestehende Genehmigungen für Freizeit- und Shopping-Reisen in europäische Hauptstädte. Anstatt pauschale Verbote zu verhängen, die unbeabsichtigt die demokratischsten Teile der Diaspora bestrafen, sollten internationale Entscheidungsträger die Bewegungsprivilegien derjenigen Personen überdenken, die militärische Aggressionen und legalen Revanchismus aktiv unterstützen. Die Einstufung aller Russen im Ausland als »gefährliche Migrantengruppe« ist ein strategisch fehlerhafter Ansatz, der den Interessen des Kremls dient. Er bestätigt die staatliche Darstellung eines »russophoben Westens« und signalisiert Dissidenten, dass sie außerhalb der Grenzen Russlands keine Verbündeten haben, wodurch ihre Isolation noch verstärkt wird.

Zwar beginnen die europäischen Institutionen, dieses Potenzial zu erkennen. Die Schaffung der Plattform für den Dialog mit den demokratischen Kräften Russlands in der Parlamentarischen Versammlung des Europarates (PACE) Anfang 2026 ist ein entscheidender Schritt zur Institutionalisierung der Stimme der Exilgemeinde. Eine hochrangige politische Vertretung in Straßburg hat jedoch wenig Bedeutung, wenn die einfachen Aktivisten, die diese Vertreter unterstützen, nicht in die EU einreisen oder ihre Aufenthaltsgenehmigungen verlängern können – Bedingungen, die es ihnen ermöglichen, zu leben, zu arbeiten, zu reisen und ihre tägliche Organisations-, Lobby- und Medienarbeit von den wenigen Orten aus fortzusetzen, an denen solche Aktivitäten noch möglich sind. Die symbolische Anerkennung muss mit rechtlichen Maßnahmen einhergehen, die demokratische Solidarität nicht nur erklären, sondern auch umsetzen.

Für die Aufnahmegesellschaften reicht es nicht aus, allgemeine Erklärungen zur Meinungsfreiheit abzugeben, um eine pro-demokratische Diaspora zu fördern. Um das Schweigen zu brechen, müssen die strukturellen, psychologischen und rechtlichen Belastungen, denen Migranten ausgesetzt sind, angegangen werden. Vor allem müssen die Aufnahmeländer glaubwürdige Schutzgarantien, Unterstützung bei der Erlangung von Aufenthaltsgenehmigungen und einen robusten Schutz vor Auslieferung bieten. Solange diese Bedingungen nicht erfüllt sind, werden die russischen Migranten eine stille Diaspora bleiben: physisch im Westen präsent, aber politisch abwesend im Ringen um die Zukunft Russlands.


Diese Analyse basiert auf Forschungsergebnissen, die ursprünglich in der Fachzeitschrift Social Forces veröffentlicht wurden. Die Autorin bittet darum beim wissenschaftlichen Zitieren auf die ursprüngliche Arbeit zu verweisen: Listrovaya, L. (2025). Strategic non-engagement: new Russian political migrants and the effects of extraterritorial spillover of authoritarianism, Social Forces, Volume 104, Issue 2, Pages 619–639, https://doi.org/10.1093/sf/soaf076.

Lesetipps / Bibliographie

  • Hasan, M., & Ruud, A. E. (2025). The Long Reach of the Strong Arm: Evolving Forms of Transnational Authoritarianism
  • Listrovaya, L. (2025). Strategic non-engagement: new Russian political migrants and the effects of extraterritorial spillover of authoritarianism, Social Forces, Volume 104, Issue 2, Pages 619–639, https://doi.org/10.1093/sf/soaf076

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