Analyse Von Theodore P. Gerber
Russlands großangelegte Invasion in der Ukraine hat sowohl das Ausmaß als auch die Muster der sozioökonomischen Ungleichheit innerhalb Russlands selbst beeinflusst. Die Strategie des »militärischen Keynesianismus«, die auf massive Militärausgaben setzt, um militärische und wirtschaftliche Bedürfnisse gleichzeitig zu decken, kam den Haushalten und Gebieten zugute, die direkt in die Kriegsanstrengungen eingebunden waren, was zu einer gewissen Umverteilung von Ressourcen geführt hat. Die indirekten Folgen dieser Strategie haben jedoch das allgemeine Ausmaß der Ungleichheit verschärft, wodurch diese Umverteilungseffekte zunichte gemacht wurden und die zunehmende Ungleichheit hinsichtlich der Belastung durch die negativen Folgen des Krieges in Zukunft zu einer Quelle sozialer Spannungen in Russland zu werden droht.
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Analyse Von Svetlana Erpyleva
Dieser Beitrag untersucht, wie Bewohner:innen der Oblast Kursk, einer Grenzregion, die direkt vom Krieg gegen die Ukraine betroffen ist, den Krieg interpretieren und damit umgehen. Gestützt auf ethnografische Feldforschung im Herbst 2024, als Teile der Oblast kurzzeitig von ukrainischen Truppen besetzt wurden und es täglich Luftangriffe gab, arbeitet die Studie heraus, dass die Bewohner:innen sich weder hinter ihren Staat stellten noch sich gegen ihn wandten. Trotz des Umstandes, dass sie unmittelbar von Gewalt und Vertreibung betroffen waren, gingen sie bei politischen Bewertungen und Werturteilen über den Krieg auf Distanz. In den seltenen Fällen, in denen sie den Krieg beurteilten, wechselten sie flexibel zwischen Kri- tik und Rechtfertigung, je nach dem Kontext der Unterhaltung. Faktoren wie ein Gefühl der Hilflosigkeit, sich widersprechende Narrative in den Medien und der Versuch des russischen Staates, in Kriegszeiten eine Normalisierung der Lage zu erreichen, haben zu dieser Distanzierung beigetragen.
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