Wie ukrainische Frauen die schwere Last des Krieges schultern

Von Hanna Hrytsenko (Kyjiw)

Zusammenfassung
Die russische Aggression gegen die Ukraine, die sich seit Februar 2022 intensivierte, hat verheerende Auswirkungen auf das Wohlergehen ukrainischer Frauen. Diese haben allerdings ihre Fähigkeit bewiesen, Rückgrat zu zeigen und leisten einen entscheidenden Beitrag zum ukrainischen Widerstand.

Ukrainische Frauen in Kriegszeiten: überlastet und unsicher, aber stark und entschlossen

Seit der Intensivierung der russischen militärischen Aggression gegen die Ukraine im Februar 2022 stehen Frauen in der Ukraine vor einer schwierigen Wahl. In der Zeit von 2014 bis 2022 beschränkte die Russische Föderation ihre Feindseligkeiten auf drei Regionen der Ukraine, was jedoch bereits zu fast 13.000 Toten und 1,4 Millionen Binnenflüchtlingen geführt hatte. Seit dem 24. Februar 2022, als Russland mit belarussischer Unterstützung eine großangelegte militärische Invasion begann, befanden sich einige Personen von den ersten Tagen an unter Besatzung, andere blieben in den Gebieten, in denen Kampfhandlungen stattfanden, noch andere wiederum wurden »filtriert« (siehe die Analyse zu dem Thema in dieser Ausgabe, Anm. d. Red.) und gewaltsam nach Russland verbracht, während weitere blieben oder in von der Ukraine kontrollierte Gebiete flohen, wo von Zeit zu Zeit Raketen einschlagen, um in der Bevölkerung Angst und Schrecken zu verbreiten. Und viele flohen ins Ausland. Unter den 7,6 Millionen ukrainischen Flüchtenden, die seit Februar in ganz Europa registriert wurden, sind die überwältigende Mehrheit Frauen und Kinder, während Männer, die einer möglichen Mobilmachung unterliegen, im Lande bleiben mussten.

Diese Bedingungen sorgen für die sehr unterschiedlichen Erfahrungen ukrainischer Frauen, doch ist es so, dass es keine Frau gibt, die nicht betroffen ist. Die Frauen in der Ukraine sind einerseits überlastet und unsicher. Gleichzeitig spielen sie eine Schlüsselrolle bei der Lösung humanitärer Probleme, aber auch bei der unmittelbaren Verteidigung, nämlich sowohl als Dienstleistende wie auch als Fundraiserinnen für den Nachschub. Jenseits der Kontexte, in denen sie Opfer sind, zeigen sie Stärke und die Fähigkeit, ihr eigenes Handeln zu entfalten.

Wenig Empathie im Ausland

Flüchtende Frauen nehmen ihre »Schützlinge« (vor allem Kinder, ältere Familienangehörige und Haustiere) mit ins Ausland und haben unfreiwillig – da ihre Männer zurückbleiben müssen – die gesamte Last der Versorgung zu tragen. Da der temporäre Schutzstatus, der in der EU eingeführt wurde, ihnen in den EU-Staaten eine Arbeitsmöglichkeit eröffnet, machen viele ukrainische Frauen hiervon Gebrauch. Viele von ihnen haben eine Hochschulausbildung und versuchen, qualifizierte Arbeit zu finden.

Gleichzeitig ist ihre Situation sehr vulnerabel. Ohne Kenntnisse der Landessprache, in der sie sich bei Unannehmlichkeiten an staatliche oder Polizeistellen zu wenden haben, und getrennt von ihrem sozialen Umfeld, das sie unterstützen würde, stehen sie in Gefahr, bei der Arbeit ausgebeutet, belästigt oder Opfer sexualisierter Gewalt oder gar von Menschenhandel zu werden. In vielen Fällen müssen flüchtende und binnenvertriebene Frauen und Kinder auf informellen Unterschlupf zurückgreifen und damit mögliche Sicherheitsrisiken eingehen. Einigen wird eine Unterkunft im Gegenzug für Sex oder häusliche Arbeit angeboten. Darüber hinaus erfahren ukrainische Frauen Belästigungen auf der Straße durch prorussische Bürger:innen in den jeweiligen EU-Ländern oder durch russische Tourist:innen, falls sie als Ukrainerinnen erkannt werden.

Gleichzeitig haben in vielen europäischen Ländern feministische Organisationen vor Ort es nicht eilig, ukrainischen Frauen aktive Hilfe zu gewähren. Fälle, in denen sich lokale feministische oder Frauenorganisationen für eine Hilfe für ukrainische Flüchtende engagieren, sind nur selten. Stattdessen haben zum Beispiel deutsche Feminist:innen mehrere offene Briefe geschrieben, in denen die Ukrainer:innen aufgerufen werden, ihren Widerstand und ihre Unabhängigkeit aufzugeben, wobei ukrainische Stimmen ignoriert werden und zu einem »Frieden« aufgerufen wird – was in Wirklichkeit eine Unterwerfung und die Aussicht auf Gräueltaten unter der Besatzung bedeutet, beispielsweise auf Folter, sexualisierte Gewalt und brutale Morde, wie wir in Butscha und Isjum sehen konnten. Selbst die 11th European Feminist Research Conference betrachtete ukrainische Frauen eher als »blauäugige blonde privilegierte Flüchtende« (was allein deshalb nicht der Fall ist, da sie in der Mehrheit dunkeläugig und -haarig sind), denn als Überlebende eines Völkermordes, die womöglich Hilfe bedürfen. Ukrainer:innen werden als »Weiße« und somit als privilegierte Menschen betrachtet, die künstlich den Flüchtenden aus dem Nahen und Mittleren Osten gegenübergestellt werden, wobei sie in Wahrheit eher »Scheinweiße« sind: Sie genießen nicht die Privilegien von Westeuropäer:innen, weder aus der Perspektive der Klassenzugehörigkeit, noch aufgrund der Staatsangehörigkeit.

Sexualisierte Gewalt durch russische Soldaten

Die meisten ukrainischen Frauen jedoch bleiben bewusst in der Ukraine oder sind nicht in der Lage zu gehen. In den besetzten Gebieten und dort, wo aktive Kämpfe stattfinden, sowie unter den Kriegsgefangenen kommt es zu sexualisierter Gewalt durch russische Soldaten. Vergewaltigungen sind ein Kriegsinstrument, das von den russischen Besatzern weithin eingesetzt wird, um ukrainische Frauen zu entmenschlichen und zu unterwerfen, oft nur aus Spaß. Das gab es bereits vor 2022, und zwar im berüchtigten Folterlager »Isoljazija« im besetzten Gebiet Donezk, das 2014 eingerichtet wurde und für den weitreichenden Einsatz von sexualisierter Gewalt bekannt ist. Der russischen Armee sind schon in früheren Kriegen Vergewaltigungen vorgeworfen worden, etwa bei den militärischen Interventionen in Tschetschenien und Georgien, ganz zu schweigen von den massenhaften Fällen sexualisierter Gewalt, die es durch das sowjetische Militär während des Zweiten Weltkrieges gegeben hat. In den befreiten ukrainischen Gebieten bezeugen Frauen, die Vergewaltigungen durch russische Soldaten erlitten haben, ihre Erfahrungen: »Er sagte mir, dass ich mich ausziehen soll. Dann vergewaltigten die beiden mich einer nach dem anderen. Ihnen war egal, dass mein Sohn im Heizungsraum war und weinte. Sie sagten mir, ich soll ihn ruhigstellen und zurückkommen«, wird ein Opfer in der britischen Zeitung The Times zitiert.

Zusätzliche Belastungen

In den besetzten Gebieten und in den aktuellen Kampfgebieten ist die humanitäre Lage verheerend (siehe Beitrag zur humanitären Krise in den Ukraine-Analysen Nr. 274). Den Ukrainer:innen mangelt es an medizinischer Versorgung, Nahrungsmitteln, mobilen Kommunikationsmöglichkeiten, Strom und anderen grundlegenden Elementen der Infrastruktur. Einige Frauen müssen sogar ihre Kinder in Kellern oder Schutzräumen zur Welt bringen. In den besetzten Gebieten und solchen, in denen die Kampfhandlungen stattfinden, ist oft die Wasserversorgung zusammengebrochen, oder das Wasser ist durch Raketentreibstoff oder andere Kampfmittelrückstände kontaminiert. In den von der Zentralregierung kontrollierten Gebieten ist die Versorgungslage zwar besser, doch die Menschen sind dem Terror der russischen Luftangriffe ausgesetzt. Die russischen Raketen, Luftwaffeneinheiten und »Kamikaze-Drohnen« greifen systematisch und gezielt Objekte der zivilen Infrastruktur an, z. B. Kraftwerke, Schulen, Kindergärten und medizinische Einrichtungen. Eines der markantesten Beispiele hierfür war der Angriff auf die Geburtsklinik in Mariupol. Die Stadt Mariupol hatte rund eine halbe Million Einwohner:innen und ist, wie eine Reihe kleinerer Städte wie Wolnowacha, Popasna und Schastja, dem Erdboden gleichgemacht worden, mit hohen Opferzahlen und Menschen, die entweder bleiben und Wasser aus Pfützen trinken müssen oder in Richtung Russland »filtriert« werden.

Während die Infrastruktur zerstört wird und viele Männer für die Streitkräfte rekrutiert werden, wird die Last der Arbeit für Frauen, die in der Ukraine geblieben sind, immer intensiver. Da Frauen die Mehrheit der Mitarbeiter:innen im Gesundheits- und im Bildungswesen stellen, fehlen den Kommunen jene Arbeitskräfte, die ins Ausland oder in andere Regionen abgewandert sind, was wiederum bedeutet, dass bei den verbliebenen Frauen und Müttern die Belastung noch stärker zunimmt. Bei Soldatenfamilien, in denen die Väter zuhause fehlen, bedeutet dies letztendlich, dass die gesamte unbezahlte alltägliche Routinearbeit zur Versorgung der Kinder von den Müttern (und Großmüttern) getragen wird. Da die Mittel- und Oberschulbildung vielfach in den Onlinebetrieb wechselt, müssen sie einen zusätzlichen Aufwand für die Organisation der Bildungsarbeit zuhause betreiben. Gleichzeitig sehen sich jene Mitarbeiterinnen im Gesundheitswesen, die in ihren Kommunen geblieben sind, einer größeren Arbeitsbelastung in ihrer Rolle als Fronthelferinnen gegenüber.

Frauen als Freiwillige

Viele Frauen haben beschlossen, Freiwilligenarbeit als Beitrag zur Verteidigung und zur Milderung der Kriegsfolgen zu leisten. Das bedeutet, dass sie dadurch noch mehr unbezahlte Arbeit auf sich nehmen und zusätzlich zu ihrer beruflichen Erwerbstätigkeit mitten in einer heftigen wirtschaftlichen Krise (die Arbeitslosigkeit hat 35 Prozent erreicht) und der Versorgung ihrer Familie noch eine »dritte Schicht« haben.

Für Ukrainer:innen gehört zur »dritten Schicht« nicht nur die Beschaffung der notwendigen Dinge zur Versorgung der Front (da der staatliche Militärhaushalt nicht in der Lage ist, die benötigten Gelder und Materialien rechtzeitig und in ausreichender Menge bereitzustellen) und die Hilfe für die bedürftigsten Bevölkerungsgruppen, etwa für Binnenvertriebene in der Region oder betagte Nachbarn, sondern auch die Versorgung von Haustieren, die vom Krieg betroffen sind. In der Ukraine haben immer vor allem Frauen als Freiwillige in der Tierpflege gearbeitet, und jetzt hat sich deren Belastung mit dem erhöhten Bedarf der Versorgung von Haustieren, weil viele Tiere durch die Kampfhandlungen von ihren Besitzer:innen getrennt wurden, erhöht. Das betrifft auch streunende Tiere aus den Kampfzonen und Tierheime aus umkämpften Gebieten, die Futter und tierärztliche Hilfe benötigen oder evakuiert werden müssen. Neue Tierheime werden eingerichtet und die bestehenden sind überfüllt.

Im Unterschied zu den internationalen feministischen und LGBTQ-Organisationen sind die lokalen Organisationen in der Ukraine höchst engagiert, wenn es um Hilfe und Unterstützung geht. Frauenorganisationen, die über eigene Schutzeinrichtungen für Opfer häuslicher Gewalt verfügen, wie die in Lwiw ansässige Organisation Frauenperspektiven, haben damit begonnen, zusätzlich weibliche Binnenvertriebene aufzunehmen. Die feministische und LGBTQ-Organisation Gender Stream hat es geschafft, in der Ukraine und der Slowakei zwei Schutzeinrichtungen für LGBTQ-Menschen zu öffnen.

Die verheerende Lage vor Ort wird dramatisch durch den Umstand verschärft, dass zwar die internationalen Hilfsorganisationen den Großteil der monetären internationalen Hilfszahlungen erhalten, die für humanitäre Hilfe in der Ukraine bereitgestellt werden, aber die meiste Arbeit tatsächlich von lokalen NGOs und nicht registrierten Initiativen und Einzelpersonen geschultert wird. Mit Stand von Ende Mai 2022 hatten lokale Organisationen in der Ukraine lediglich 0,003 Prozent der direkten Fördermittel erhalten, die bereitgestellt wurden, um die Folgen des Krieges abzumildern, obwohl praktisch die gesamte humanitäre Hilfe innerhalb der Ukraine von lokalen Akteuren organisiert und realisiert wurde. Dies gilt insbesondere für umkämpfte Gebiete, da internationale Organisationen dort zurückhaltend sind, da sie Angst haben, ihre Mitarbeiter:innen dorthin zu entsenden, und wo in der Regel lokale Aktivist:innen bereit sind, diese Risiken auf sich zu nehmen. Doch selbst dort, wo dies nicht der Fall ist, müssen bei der Verteilung der Fördermittel großer internationaler Organisationen langwierige Verfahren durchlaufen werden, während der Bedarf für Nahrungsmittel, Medikamente etc. oft drängt. Hieraus wiederum ergibt sich eine weitere Last für die lokalen Organisationen und insbesondere für Frauen. Gleichzeitig sind auch nicht rekrutierte Männer in der Freiwilligenarbeit engagiert; und interessanterweise sind hier die Genderrollen weniger starr als im Alltag.

Frauen in den Streitkräften

Auch in der unmittelbaren Landesverteidigung spielen Frauen eine wichtige Rolle. Vor der Eskalation des Konflikts im Jahr 2022 machten Frauen rund ein Fünftel der ukrainischen Streitkräfte aus. Das war möglich geworden, weil die Entwicklungen im Verteidigungsbereich dazu führten, dass Frauen sich ab 2014 den aktiven Kampftruppen anschlossen und 2015 die Frage der Gendergleichheit in der Armee aufgeworfen wurde. Die Frauen beschritten den langen Weg vom Eintritt in einen durchweg patriarchal strukturierten Militärapparat hin zu mehr Sichtbarkeit und Anerkennung. Das war aufgrund der starken und engagierten ukrainischen Zivilgesellschaft möglich, die zunächst die Kampagne »Unsichtbares Bataillon« für Gendergleichheit beim Militär ins Leben rief und sich dann für eine Rahmengesetzgebung einsetzte, die eine allgemeine Gendergleichheit beim Militär vorsieht und darüber hinaus 450 zivile Arbeitsstellen öffnete, die Frauen bis 2017 verschlossen waren.

Während sich seit Februar erheblich mehr Männer an den Kampfhandlungen beteiligen, ist die Zahl der Frauen im Großen und Ganzen gleichgeblieben und beläuft sich auf 50.000 Angestellte in den Ukrainischen Streitkräften, darunter nach Angaben der stellvertretenden Verteidigungsministerin Hanna Maljar 38.000 Soldatinnen. 5.000 von ihnen sind an der Front. Es ist schwer, aktuelle Daten zu den Erfahrungen von Frauen im Militärdienst zu erlangen, da die aktiven Soldatinnen kaum für eine Kommunikation zur Verfügung stehen. Bekannt ist aber der Umstand, dass es Frauen zwar bei der Infrastruktur immer noch an bequemen Uniformen, Stiefeln und Unterwäsche mangelt und sie sich mitunter patriarchalen Haltungen gegenübersehen, dass es jetzt allerdings normal und üblich ist, eine Frau in einer kämpfenden Position zu sehen. Der 14. Oktober, der »Tag des Verteidigers der Ukraine«, wurde jüngst in den »Tag des Verteidigers und der Verteidigerin der Ukraine« umbenannt. Es werden interne Mechanismen entwickelt, die das Verständnis für Gendergleichheit unter den Soldat:innen verbessern und sexuelle Belästigung verhindern sollen. Allerdings wird dieser Prozess durch den Krieg gebremst. Der aktive Militärdienst von Frauen hat insgesamt positive Auswirkungen auf die Gendergleichheit in der Armee. Frauen stellten sich dem Klischee entgegen, sie seien schwach und nicht fähig, Dienst zu leisten, und ermutigten ihre männlichen Kollegen, ihre stereotypen Haltungen zu überdenken.

Schlussfolgerungen

Im Unterschied zur Gesellschaft in Russland, die in allen Lebensbereichen zutiefst patriarchal und hierarchisch ist sowie politisch atomisiert und zurückhaltend, was den Widerstand gegen das autoritäre Regime anbelangt, zeigt die Gesellschaft in der Ukraine einen starken Zusammenhalt und eine große Entschlossenheit, die eigene Demokratie zu verteidigen. Eine Unterstützung der Ukraine mit Waffen, Investitionen und einen Wiederaufbau der vom Krieg betroffenen Gebiete sowie durch humanitäre Hilfe wird dazu beitragen, den Krieg möglichst schnell mit einem ukrainischen Sieg und einer Wiederherstellung ihrer international anerkannten Grenzen zu beenden. Das wiederum wird die Sicherheit in der gesamten Region erhöhen.

Ukrainische Frauen, die unter extrem schwierigen Bedingungen effektiv arbeiten, werden ein zentraler Bestandteil dieser Sicherheit sein. In den ersten acht Jahren dieses Krieges haben Frauen anhaltende Erfolge im Kampf für ihre Rechte erreicht. Ich erwarte, dass diese Entwicklung weitergeht, sobald der Krieg beendet ist.

Übersetzung aus dem Englischen: Hartmut Schröder

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