Am 14. Februar 2006 erschien die erste Ausgabe der Ukraine-Analysen. Im einleitenden Vorwort schrieben die Gründungsredakteure Heiko Pleines und Matthias Neumann: »Die Ukraine steht derzeit politisch und wirtschaftlich an einem Wendepunkt.« Damals, gut ein Jahr nach der Orangen Revolution, kriselte es im Land, viele Menschen waren enttäuscht.
Im Editorial der Ausgabe zum zehnjährigen Jubiläum am 10. Februar 2016 hielt die damalige Redakteurin Katerina Bosko – nach Maidan, Krym-Annexion und dem Krieg im Donbas – treffend fest: »Niemand konnte alle diese Ereignisse vorhersehen. So schnell und unerwartet sind sie passiert. Die Ukraine-Analysen haben aber diese und andere Ereignisse für Sie systematisch und regelmäßig dokumentiert und analysiert.«
Die vorliegende Ausgabe markiert das zwanzigjährige Bestehen der Ukraine-Analysen, und beide Einschätzungen haben weiterhin Gültigkeit – allerdings unter deutlich verschärften Vorzeichen. Die Herausforderungen für die Ukraine sind größer geworden, gar existenziell. Der alles überschattende russische vollumfängliche Angriffskrieg, der im Februar 2022 in diesem Ausmaß auch für uns überraschend kam, prägt seither das politische, gesellschaftliche und wirtschaftliche Leben in der Ukraine und in ganz Europa.
Der vollumfängliche Krieg geht nun ins fünfte Jahr und die Ukraine steht mehr denn je vor einer ungewissen Zukunft: Kann die ukrainische Armee die Front halten? Wie lange sind die Menschen noch in der Lage, die Härten des Kriegsalltags zu ertragen? Lässt sich mit Putins Russland ein Waffenstillstand, gar ein dauerhafter Frieden erreichen?

Die Ukraine-Analysen verfolgen weiterhin die zentralen Themen und ordnen sie verständlich ein. Wir verfügen über keine Kristallkugel, um die Zukunft vorherzusagen. Was wir jedoch haben, ist ein breites, über zwei Jahrzehnte gewachsenes Netzwerk renommierter Expert:innen, die für unsere Leser:innen die Entwicklungen in und um die Ukraine kompetent, sachlich und fundiert analysieren. Bis heute haben mehr als 500 Autor:innen aus Wissenschaft und Praxis fast 850 Analysen und Kommentare für die Ukraine-Analysen verfasst, um unserem Ziel gerecht zu werden: »Die Ukraine-Analysen sollen das Wissen, über das die wissenschaftliche Forschung in reichem Maße verfügt, für Politik, Wirtschaft, Medien und eine interessierte Öffentlichkeit verfügbar machen.« Diesem Bestreben werden wir auch weiterhin nachkommen.
Dabei richten die Ukraine-Analysen den Blick nicht nur auf die »großen«, zentralen Entwicklungen der Innen-, Außen- und Sicherheitspolitik und Wirtschaft, sondern immer wieder auch auf medial weniger beachtete Aspekte, um das Wissen über die Ukraine zu vertiefen und die vielfältigen Facetten des Landes sichtbar zu machen.
Im Laufe der 20 Jahre hat sich bei den Ukraine-Analysen organisatorisch einiges verändert. Statt wechselnder und unsicherer Förderung werden wir heute von einer langfristigen institutionellen Kooperationspartnerschaft im Rahmen des Länder-Analysen-Konsortiums getragen und von einem wissenschaftlichen Beirat unterstützt. Das erleichtert Planung und redaktionelle Arbeit erheblich. Die erfolgreiche Zusammenarbeit mit der Bundeszentrale für politische Bildung (BpB) sorgt zudem dafür, dass die Inhalte einem breiten Publikum bis hinein in die Schulen zugänglich sind. Nicht zuletzt dadurch haben sich Reichweite und Zugriffszahlen der Ukraine-Analysen deutlich erhöht. Seit 2024 erscheint zudem mit dem Ukrainian Analytical Digest eine englischsprachige Schwesterpublikation, die viele Inhalte der Ukraine-Analysen auch einem internationalen Publikum zur Verfügung stellt.
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Mit zwanzig gilt man zwar als »erwachsen«, ist aber oft noch auf der Suche nach Orientierung, während die Zukunft ungewiss ist. In diesem Sinne nehmen wir unsere Leser:innen gerne mit auf diese offene Reise und werden weiterhin unser Bestes geben, die Entwicklungen rund um die Ukraine auch zukünftig sachlich, differenziert und verständlich für eine interessierte Öffentlichkeit einzuordnen und so Orientierung zu bieten.
Der Bedarf dafür ist größer denn je: Einerseits aufgrund der instabilen Weltlage und der oft schwer überschaubaren, rasanten Entwicklungen in der Ukraine. Andererseits wegen zunehmender Desinformation und russischer Propaganda, die insbesondere über soziale Medien schnell ein großes Publikum erreichen.
Deshalb werden wir die Ukraine-Analysen auch weiterhin kostenlos und in gewohnter Qualität anbieten – online auf den Seiten der Länder-Analysen, auf der Website der Bundeszentrale für politische Bildung sowie als PDF-Ausgabe.
Wir danken unseren Leser:innen für ihr anhaltendes Interesse und unseren Autor:innen für ihre Expertise, ihr Engagement und die vertrauensvolle Zusammenarbeit.
Bleiben Sie uns treu und empfehlen Sie uns gerne weiter – auch unseren Newsletter, um keine Ausgabe zu verpassen.
Die Redaktion der Ukraine-Analysen
Dr. Fabian Burkhardt, Dr. Eduard Klein, Matthias Neumann
06.02.2026, Regensburg/Bremen