Ukraine
Kyrylo Budanow, Leiter des Präsidialamts
Kyrylo Budanow (geb. 1986 in Kyjiw, militärische Ausbildung am Odesa Institut für Heerwesen) kämpfte bereits ab 2014 im Krieg gegen Russland und wurde mehrfach verwundet. Seit 2020 leitete er den ukrainischen Militärgeheimdienst (HUR) und gilt als einer der wichtigsten Sicherheitsakteure des Landes. Unter seiner Führung gelangen dem HUR immer wieder spektakuläre Aktionen gegen Russland, weshalb er nicht nur in militärischen Kreisen geschätzt wird, sondern auch in der ukrainischen Öffentlichkeit als integres Symbol des Widerstands gesehen wird. In Russland besteht seit 2023 ein Haftbefehl gegen ihn.
Budanow wurde Anfang 2026 von Präsident Wolodymyr Selenskyj zum neuen Leiter des Präsidialamts ernannt explizit mit dem Auftrag, den Friedensverhandlungen mit Russland einen neuen Impuls zu verleihen. Budanow bringt in seiner neuen Rolle als Chefunterhändler nicht nur militärische Expertise mit, sondern verfügt durch frühere Geisel- und Gefangenenaustausche auch über direkte Kontakte mit Russland und wird in Moskau als glaubwürdiger und sachkundiger Gesprächspartner auf Augenhöhe angesehen. Ein weiterer Grund, weshalb Selenskyj ihn eingesetzt haben dürfte, sind seine guten Kontakte zu sicherheitspolitischen Entscheidungsträger:innen in den USA; während seinem Vorgänger Andrij Jermak zuletzt nachgesagt wurde, dass er eher eine Belastung für die Beziehungen zwischen Kyjiw und Washington sei.
Rustem Umjerow, Sekretär des Nationalen Sicherheits- und Verteidigungsrates der Ukraine
Rustem Umjerow (geb. 1982 in Bulungʻur, Usbekistan) ist ein ukrainischer Politiker krymtatarischer Herkunft, der von 2023 – 2025 Verteidigungsminister der Ukraine war und seit Juli 2025 Sekretär des Nationalen Sicherheits- und Verteidigungsrates der Ukraine ist. Er hat in den letzten Jahren als Mitglied ukrainischer Delegationen immer wieder mit Russland verhandelt, z. B. im Rahmen von Gefangenenaustauschen, und gilt vielen als pragmatischer und erfahrener Vermittler. In der Ukraine selbst gibt es hingegen regelmäßig Kritik an Umjerow, unter anderem an seinem Führungsstil und Missmanagement im Verteidigungsministerium.
Umjerow war Ende 2025 entscheidend an der Überarbeitung eines Friedensplans mit den USA beteiligt und gilt in Washington als einer der wichtigsten ukrainischen Ansprechpartner für die Friedensgespräche. Er sieht dabei seine Aufgabe darin, eine Friedenslösung zu finden ohne territoriale Zugeständnisse der Ukraine zu erreichen, wobei ihm bewusst ist, dass die territoriale Frage zu den komplexesten gehört.
Andrij Hnatow, Leiter des Generalstabs der Streitkräfte der Ukraine
Generalleutnant Andrij Hnatow (geb. 1980) hat seine militärische Ausbildung am Charkiwer Militärinstitut für Panzer absolviert. Er verfügt über mehr als 30 Jahre militärische Erfahrung und ist seit 2025 Chef des Generalstabs der Streitkräfte der Ukraine. 2014 zählte Hnatow zu den ukrainischen Militärs auf der Krym, die sich loyal zur Ukraine verhielten und nicht zu Russland überliefen. 2022 war er an der Verteidigung von Mykolajiw und 2023 in der Schlacht um Bachmut beteiligt.
Hnatow ist in der Öffentlichkeit weniger bekannt als Budanow und Umjerow und soll in den Verhandlungen vor allem seine lange militärische Erfahrung einbringen. So weist er z. B. die russische Forderung nach einer Höchstgrenze bzw. der Reduzierung der ukrainischen Streitkräfte auf 800.000 Soldat:innen klar zurück.
Verhandlungsführung der ukrainischen Seite
Die Ukraine will Frieden, aber nicht zu jedem Preis – so könnte man die ukrainische Position zusammenfassen. Der ukrainischen Delegation und insbesondere Chefunterhändler Kyrylo Budanow ist dafür wichtig, dass die Ukraine aus einer »Position der Stärke« verhandelt. Das bedeutet, die Ukraine braucht verlässliche und robuste Sicherheitsgarantien der USA und Europas, da aus ukrainischer Sicht Verhandlungen mit Russland ohne eine starke Verteidigungsposition oder ohne wirksame militärische Unterstützung zum Scheitern verurteilt seien. Rustem Umjerow spielt in den Verhandlungen für die diplomatischen Beziehungen zu den USA eine wichtige Rolle, während Andrij Hnatow seine langjährige militärische Expertise einbringt – die es auch im neuen Verhandlungsteam auf der russischen Seite gibt. Ziel scheint die Klärung technischer und praktischer militärischer Details zu sein, die ein Waffenstillstandsabkommen und dessen Überwachung ermöglichen, in den Verhandlungen zu berücksichtigen. Der am 5. Februar 2026 ausgehandelte Gefangenenaustausch – der erste seit Monaten – soll dabei vermutlich beiden Seiten Vertrauen demonstrieren, das vor allem auf ukrainischer Seite nicht zuletzt durch die massiven russischen Luftschläge gegen die ukrainische Energieversorgung bei eisigen Temperaturen verloren gegangen war.
Russland
Igor Kostjukow, Leiter der Hauptverwaltung des Generalstabs der Streitkräfte der Russischen Föderation (GRU)
Igor Olegowitsch Kostjukow wurde am 21. Februar 1961 in der Siedlung Seryschewo im Gebiet Amur geboren. Er absolvierte eine Ausbildung an einer Marinehochschule sowie an der Militärdiplomatischen Akademie des russischen Verteidigungsministeriums. Seine Karriere ist eng mit der militärischen Aufklärung verbunden. So diente er unter anderem als Militärattaché in Griechenland (2004). Nach dem Tod seines Vorgängers Igor Korobow übernahm er im Dezember 2018 offiziell die Leitung der Hauptverwaltung des Generalstabs der Streitkräfte der Russischen Föderation, die auch als GRU bekannt ist. Kostjukow ist der erste Marineoffizier an der Spitze dieses Geheimdienstes und trägt seit 2019 den Rang eines Admirals. Für seine Beteiligung an der Leitung der Militäroperation in Syrien wurde ihm im Jahr 2017 der Titel »Held der Russischen Föderation« verliehen. Aufgrund verschiedener Vorwürfe, darunter die Einmischung in US-Wahlen, Cyberangriffe auf den Bundestag und die Vergiftung von Sergej Skripal, steht er auf den Sanktionslisten der USA, der EU und weiterer westlicher Staaten.
Kostjukow wird bei den Verhandlungen in Abu Dhabi als »Gesicht der russischen Diplomatie« beschrieben, obwohl er der Öffentlichkeit kaum bekannt ist. Sein Auftreten gilt als lakonisch. Auf die Frage nach dem Verlauf der Gespräche antwortete er kurz angebunden, sie seien »konstruktiv« gewesen, und fügte hinzu: »Alle verstehen alles.« Seine Haltung gegenüber der Ukraine scheint von demonstrativem Selbstbewusstsein geprägt zu sein. So äußerte er sich, angesprochen auf die Bereitschaft der Delegation zu einem Treffen, im Januar 2026 gegenüber Journalisten: »Die Ukrainer sind traurig gestimmt … Wir gut.« Politisch gilt er als Hardliner, der die USA und ihre Verbündeten offen als geopolitische Rivalen und potenzielle militärische Gegner bezeichnet hat, die ihre Hegemonialstellung mit allen Mitteln verteidigen wollten. Analysten werten die Übergabe der Verhandlungsleitung an Militärspezialisten wie Kostjukow als Zeichen dafür, dass nun konkrete Fragen der Demarkation und des Kampfgeschehens von Fachleuten besprochen werden, statt sich auf rein politische Rhetorik und historische Lektionen zu beschränken.
Kirill Dmitrijew, Sonderbeauftragter des russischen Präsidenten für Investitions- und Wirtschaftszusammenarbeit
Kirill Alexandrowitsch Dmitrijew wurde 1975 in Kyjiw (damals UdSSR, heute Ukraine) als Sohn von Wissenschaftlern geboren. In den 1990er Jahren zog er in die USA, wo er zunächst am Foothill College studierte und später einen Bachelor an der Stanford University sowie einen MBA mit Auszeichnung an der Harvard Business School absolvierte. Seine berufliche Laufbahn begann er im US-Investmentbanking bei Goldman Sachs und bei der Beratungsfirma McKinsey & Company, bevor er nach Moskau zurückkehrte. Nach leitenden Positionen bei den Private-Equity-Fonds Delta Private Equity und Icon Private Equity wurde er im Jahr 2011 zum CEO des neu gegründeten Russian Direct Investment Fund (RDIF) ernannt. Dmitrijew verfügt über enge persönliche Verbindungen zur russischen Machtelite und zu Wladimir Putin: Seine Ehefrau Natalja Popowa ist die Stellvertreterin von Katerina Tichonowa, der mutmaßlichen jüngeren Tochter Putins, in deren Stiftung »Innopraktika«.
Dmitrijew fungiert als zentraler »Backchannel« zwischen dem Kreml und westlichen Gesprächspartnern, insbesondere im Umfeld von Donald Trump. Im Februar 2025 wurde er offiziell zum Sonderbeauftragten des russischen Präsidenten für Investitions- und Wirtschaftszusammenarbeit ernannt. Er ist maßgeblich an der Ausarbeitung neuer Friedensvorschläge beteiligt und hat an hochrangigen Verhandlungen in Riad und Washington teilgenommen, bei denen er unter anderem mit Trumps Gesandten Steve Witkoff und Jared Kushner zusammentraf. Neben politischen Fragen umfasst sein Mandat auch wirtschaftliche Aspekte wie die Wiederherstellung von Geschäftsbeziehungen, die Zusammenarbeit in der Arktis und den Handel mit seltenen Erden. Zudem war er in humanitäre Angelegenheiten wie den Gefangenenaustausch von Mark Fogel involviert.
Wladimir Medinskij
Wladimir Rostislawowitsch Medinskij wurde am 18. Juli 1970 in Smila im Gebiet Tscherkassy (damals Ukrainische SSR) geboren und entstammt einer Militärfamilie. Sein Vater Rostislaw war sowjetischer Offizier und nahm unter anderem an der Niederschlagung des Prager Frühlings teil. Aufgrund einer Sehschwäche konnte er seine Pläne für eine militärische Laufbahn nicht verwirklichen. Stattdessen studierte er am Staatlichen Moskauer Institut für Internationale Beziehungen (MGIMO), wo er Komsomol-Mitglied war. 1992 schloss er die Fakultät für internationalen Journalismus mit Auszeichnung ab und promovierte später an dieser Universität. Seine Karriere begann er in der PR-Branche als Gründer der Agentur »Korporazija Ja«, die Kunden wie Tabakfirmen und das Finanzpyramiden-System MMM betreute. Über die Partei »Einiges Russland« stieg er politisch auf, war Duma-Abgeordneter und von 2012 bis 2020 Kulturminister der Russischen Föderation. Seit Januar 2020 ist er Berater von Wladimir Putin in der Präsidialverwaltung. Medinskij habilitierte sich im Jahr 2000 im Fach Politikwissenschaft und 2011 im Fach Geschichtswissenschaft. Seine geschichtswissenschaftliche Dissertation löste im Jahr 2016 aufgrund von Plagiatsvorwürfen und methodischen Mängeln einen öffentlichen Skandal aus.
Wladimir Medinskij leitete wiederholt die russische Delegation bei den Friedensgesprächen mit der Ukraine. Bereits bei den ersten direkten Verhandlungen im Frühjahr 2022 in Belarus und Istanbul führte er die Delegationen an. Im Februar 2026 wurde bekannt gegeben, dass er bei den anstehenden trilateralen Gesprächen in Genf mit den USA und der Ukraine erneut die Leitung übernehmen und damit Igor Kostjukow ablösen wird, der die vorangegangene Runde in Abu Dhabi leitete. Auch bei den vorherigen Verhandlungsrunden im Mai und Juni 2025 in Istanbul stand Medinskij der russischen Gruppe vor. Seine erneute Ernennung für die Genfer Runde im Februar 2026 wird von Beobachter:innen als Signal für eine Verhärtung der russischen Position gewertet, da Medinskij als Hardliner und ideologischer Vertrauter Putins gilt, dessen geschichtsrevisionistisches Weltbild Medinskij teilt.
Verhandlungsführung der russischen Seite
Die Zusammensetzung der russischen Delegation mit hochrangigen Vertretern des Militärgeheimdienstes und des Verteidigungsministeriums deutet darauf hin, dass der Fokus der Gespräche primär auf militärischen Aspekten liegt, beispielsweise auf der aktuellen Lage an der Front, dem Rückzug von Truppen und Technik sowie Sicherheitsgarantien. Seit den Gesprächen im Mai 2025 ist Kostjukows Stellvertreter General Alexander Sorin, der als erfahrener militärischer Unterhändler aus dem Syrien-Konflikt gilt und im Mai 2022 die Kapitulation der ukrainischen Truppen in Asowstal in Mariupol verhandelt hatte.
Dmitrijew wird als pragmatischer und geschäftsorientierter Verhandler beschrieben, der eher wie ein Investmentbanker als wie ein klassischer Diplomat agiert (»Straight-to-Business«). Laut Analysten versteht er die Denkweise der »Trump-Amerikaner«, die auf Deals und Profite fokussiert sind, besonders gut. Europäische Akteure sieht er hingegen kritisch und spöttisch. So bezeichnete er im Dezember 2025 die Skepsis des deutschen Kanzlerkandidaten Friedrich Merz gegenüber dem US-Friedensplan öffentlich als »dickköpfige Dummheit« und sprach ihm jegliche Relevanz ab (»Sie sind nicht einmal im Spiel«). Er positioniert sich als effektiver Technokrat, der direkte Kanäle nutzt, um politische Blockaden durch wirtschaftliche Anreize zu lösen.
Medinskij trat in früheren Verhandlungsrunden mit kompromissloser Rhetorik auf. Sein Stil wird von ukrainischen Delegationsmitgliedern als aggressiv und unkonstruktiv beschrieben. Sein Auftreten zielt eher auf psychologischen Druck und die Legitimierung des Krieges durch historische Narrative ab. So spricht er der Ukraine etwa eine eigenständige Identität ab.
USA
Steve Witkoff, Sondergesandter des Präsidenten
Steven Charles (Steve) Witkoff (geb. 1957 in New York) arbeitete nach seinem Studium als Anwalt für eine auf Immobilienrecht spezialisierte Kanzlei, bei der er seit 1986 auch für Donald Trump tätig wurde. In den 1990er Jahren wechselt Witkoff vom Anwaltsberuf ins Immobiliengeschäft. Mit seiner eigenen Firma ist er bis heute an prominenten Großimmobilien beteiligt. Seine Söhne wurden 2024 Mitgründer des Kryptowährungsunternehmens der Trump-Familie. Witkoff unterstützte Trumps Wahlkämpfe als Großspender und gilt als enger Vertrauter des Präsidenten. Seite Ende 2024 ist Witkoff Sondergesandter des Präsidenten für Verhandlungen im Nahen Osten und zwischen Russland und der Ukraine.
Jared Kushner, inoffizieller außenpolitischer Berater des Präsidenten
Jared Kushner (geb. 1981 in Livingston, New Jersey) studierte an den Universitäten Harvard und New York, jeweils nachdem sein Vater an die Universitäten einen Millionenbetrag gespendet hatte. Nachdem sein Vater wegen illegaler Wahlkampffinanzierung, Steuerhinterziehung und unerlaubter Zeugenbeeinflussung zu einer Haftstrafe verurteilt worden war, übernahm er 2005 die Leitung seines Immobilienunternehmens, das prominente Großimmobilien betreibt. 2009 heiratete er Ivanka Trump und wurde damit zum Schwiegersohn von Donald Trump.
2015/16 war Kushner ein leitendes Mitglied des Wahlkampfteams von Donald Trump und fungierte ab 2017 als offizieller Chefberater des Präsidenten. Kushner geriet im Zuge der Ermittlungen zu Russlands Einmischung in den US-Wahlkampf in die Schlagzeilen, da gegen ihn wegen Kontakten mit Vertretern Russlands ermittelt wurde. Anklage wurde aber nicht erhoben. Bereits in Trumps erster Amtszeit betreute Kushner unter anderem die diplomatische Initiative der USA im Nahen Osten. 2025 kehrte er ohne offizielle Position als außenpolitischer Berater zurück, zuerst für die Verhandlungen im Nahen Osten, ab Dezember auch bei den Verhandlungen mit Russland und der Ukraine.
Verhandlungsführung der US-amerikanischen Seite
Bei der Einschätzung der US-Verhandlungsführung zum russischen Eroberungskrieg gegen die Ukraine werden regelmäßig drei zentrale Merkmale genannt. Erstens hat die Leitung des US Teams keine diplomatische Ausbildung. Zweitens fehlen den US-Repräsentanten Grundkenntnisse zum Konflikt. So werden zentrale Fakten zu Verhandlungspartnern, Kriegsverlauf oder Geographie der Ukraine immer wieder falsch wiedergegeben. Dies wird auch darauf zurückgeführt, dass Witkoff als Trumps »Allzweck-Sonderbotschafter« viele Konflikte parallel bearbeitet. Drittens hat das US-Team eine große Nähe zu Putin. So erklärte Witkoff, dass er »eine Freundschaft« zu Putin entwickelt habe.
Zusammengestellt von Fabian Burkhardt, Eduard Klein, Heiko Pleines und Anastasia Stoll