Einleitung
Die öffentlichen Finanzen der Ukraine sind unter dem extremen Druck des russischen Angriffskrieges funktionsfähig geblieben. Seit 2022 muss der Staatshaushalt die Verteidigung finanzieren, zentrale öffentliche Dienstleistungen aufrechterhalten, Menschen in Not unterstützen und gleichzeitig die makrofinanzielle Stabilität wahren. Dies gelang dank einer handlungsfähigen Regierung, anpassungsfähiger Unternehmen, einer widerstandsfähigen Bevölkerung und umfangreicher externer Finanzhilfen.
Die Haushaltslage der Ukraine bleibt jedoch vulnerabel. Die inländischen Einnahmen sind nach wie vor durch kriegsbedingte Verluste, demografische Veränderungen, beschädigte Vermögenswerte und eine verringerte Wirtschaftstätigkeit eingeschränkt. Gleichzeitig ist die Schattenwirtschaft erheblich, was die Regierung dazu veranlasst hat, Gegenmaßnahmen zu ergreifen (die auch vom IWF und anderen internationalen Partnern gefordert werden), um die Steuerbasis zu verbreitern. Der fiskalische Spielraum ist begrenzt, da Verteidigungs- und Sicherheitsausgaben den Haushalt mit 56 % dominieren. Für Investitionen und Wiederaufbau sind wenig Mittel vorhanden und diese werden größtenteils durch spezielle internationale Programme finanziert. Indessen spiegelt das jährliche Haushaltsdefizit der Ukraine den tatsächlichen Finanzierungsbedarf nicht vollständig wider, da ein Teil der Finanzierung für Verteidigung, Humanitäres und Wiederaufbau außerhalb des regulären Haushaltsrahmens liegt und schwer zu schätzen ist.
Die zentrale Herausforderung für die Ukraine besteht daher nicht nur darin, das laufende Defizit zu finanzieren, sondern eine Fiskalpolitik zu entwickeln, die die Kriegsanstrengungen unterstützt, wesentliche Sozialausgaben schützt, die Schuldentragfähigkeit sichert und die wirtschaftliche Erholung sowie den EU-Beitritt vorbereiten kann. Dies erfordert eine planbare externe Finanzierung, eine schrittweise Steigerung inländischer Einnahmen, eine bessere Ausgabensteuerung, ein stärkeres öffentliches Investitionsmanagement sowie die dauerhafte Notwendigkeit von Zuschüssen und günstigen Darlehen.
Wirtschaftliche Entwicklung seit der Vollinvasion
Trotz der verheerenden Auswirkungen des russischen Angriffs hat die Ukraine durch eine funktionierende Regierung, anpassungsfähige Wirtschaft, resiliente Bevölkerung und umfangreiche internationale Unterstützung bemerkenswerte Widerstandsfähigkeit bewiesen. Diese »Formel der Resilienz« ermöglichte es dem Staat, funktionsfähig zu bleiben, während die Unternehmen sich anpassten, um beispiellose Herausforderungen zu bewältigen, darunter physische Zerstörung, Arbeitskräftemangel und Energiedefizite.
Obwohl die Wirtschaft im Jahr 2022 einen massiven BIP-Einbruch von 28,8 % verzeichnete, erholte sie sich 2023 um 5,5 %, angetrieben durch einen sich erholenden Agrarsektor und die Herausbildung einer Kriegswirtschaft. Im Jahr 2024 wuchs das reale BIP um 3,2 %. Aufgrund schwerer russischer Drohnen- und Raketenangriffe auf die Energieinfrastruktur und Logistik stieg das reale BIP im Jahr 2025 jedoch nur um 1,8 %. Damit liegt die Wirtschaft nach wie vor fast 20 % unter dem Vorkriegsniveau. In all diesen Jahren war die internationale Hilfe entscheidend für die Aufrechterhaltung von Sozialleistungen und Gehältern im öffentlichen Sektor sowie für die Finanzierung des Wiederaufbaus.
Die makroökonomische Stabilität wurde durch die umsichtige Geldpolitik der Nationalbank der Ukraine erreicht. Nachdem die Inflation infolge unterbrochener Lieferketten und einer starken Abwertung der Hrywnja im Dezember 2022 mit 26,6 % im Jahresvergleich ihren Höhepunkt erreicht hatte, verlangsamte sie sich durch gesteuerte Währungsschwankungen und hohe Leitzinsen erfolgreich auf 5,1 % im Jahresvergleich im Dezember 2023. Bis Mitte 2025 war jedoch aufgrund von Energiekosten und Angebotsschocks erneut Inflationsdruck entstanden, der im Mai 2025 im Jahresvergleich auf 15,9% stieg. Einer der inflationsdämpfenden Faktoren war das Ausbleiben von Erhöhungen der Gas- und Heizungstarife für die Bevölkerung. Die Stromtarife wurden im Sommer 2024 angehoben, liegen aber immer noch unter dem kostendeckenden Niveau. Insgesamt führen Tarife unterhalb der Kostendeckung für die Bevölkerung zu höheren fiskalischen Risiken sowie zu Schulden bei den Versorgungsunternehmen.

Der Energiesektor selbst bleibt eine Schwachstelle, da russische Angriffe mehr als 9 GW Kapazität zerstört haben, was das Land zu dezentraler Erzeugung und höheren Importen zwingt. Russland führte zu Beginn des Jahres 2026 die bisher schwersten Angriffe auf die Heizungs- und Energieinfrastruktur durch und ließ viele ukrainische Haushalte während harter Wintertemperaturen (bis zu minus 20 Grad) ohne Strom und Heizung. Ein Teil der Energieerzeugung wurde bereits wiederhergestellt.
Die wirtschaftliche Krise während des Krieges hat die Arbeit des Bankensektors nicht beeinträchtigt, was seine Leistungsfähigkeit unter Beweis stellte. Der Sektor bleibt liquide und profitabel, wobei Finanzinstitute zunehmend kleine und mittlere Unternehmen durch staatlich geförderte Programme wie 5-7-9 sowie die Finanzierung energiebezogener Projekte unterstützen.
Der Außenhandel hat sich in Richtung EU verlagert. Nach dem eingeschränkten und tatsächlich begrenzten Betrieb des Getreidekorridors, der durch russische Inspektionen ständig behindert wurde, lancierte die Ukraine mit Unterstützung internationaler Partner im Sommer 2023 den Ukraine-Seekorridor. Dieser erleichterte den Export nicht nur landwirtschaftlicher Produkte, sondern auch von Eisenerz und metallurgischen Erzeugnissen. Das Handelsdefizit bleibt jedoch hoch, da die Importe für Verteidigung und Wiederaufbau steigen, während die Exporte sich stark auf die Landwirtschaft konzentriert haben.
Diese wirtschaftliche Umstrukturierung ist auch unter Berücksichtigung des demografischen Wandels erforderlich. Mit etwa 5 bis 6 Millionen ins Ausland geflüchteten Menschen und 4,6 Millionen Binnenvertriebenen ist die Bevölkerungszahl auf schätzungsweise rund 30 Millionen gesunken (vgl. ausführlich dazu Ukraine-Analysen 332). Der Arbeitskräftemangel und die Qualifikationslücke sind zu den größten Hindernissen für Unternehmen geworden. Dies erfordert Reformen in der Erwachsenenbildung und der Wohnungspolitik, um die Rückkehr von Arbeitskräften zu fördern.
Mit Blick auf die Zukunft hängt der Wiederaufbau in der Ukraine nach dem »Build Back Better«-Prinzip von der Kontinuität der Finanzierung durch die G7 und die EU ab – einschließlich der Nutzung eingefrorener russischer Vermögenswerte. Durch die Modernisierung der Produktion und die Einführung von Kriegsrisikoversicherungen strebt die Ukraine an, ihre niedrige Arbeitsproduktivität zu überwinden und sich stärker in die Weltwirtschaft zu integrieren, um sicherzustellen, dass die derzeitige Widerstandsfähigkeit sich zu einem nachhaltigen, hochtechnologischen Wachstum entwickelt.
Entwicklung der öffentlichen Finanzen: Einnahmen
Die fiskalische Widerstandsfähigkeit erklärt sich teilweise durch die Haushaltskonsolidierung vor dem Krieg: Die Schuldenquote von 80 % des BIP im Jahr 2016 wurde bis 2019 auf 50 % reduziert und hielt dieses Niveau auch während der COVID-19-Pandemie. Seit der Vollinvasion decken internationale Finanzhilfen mehr als 50 % der Haushaltsausgaben und finanzieren dabei vor allem nichtmilitärische soziale und humanitäre Bereiche.
Die staatlichen Einnahmen waren in den Jahren 2022–2024 die einzige Quelle zur Finanzierung der Verteidigung. Sie setzen sich zusammen aus Steuer- und Nichtsteuereinnahmen, die durch inländische Staatsanleihen ergänzt werden. Im Jahr 2025 reichten sie nicht aus, um die Verteidigungsausgaben zu finanzieren, weshalb der EU-Beitrag zur ERA-Initiative – ein 50 Mrd.-US-Dollar Hilfspaket von G7 und EU – teilweise militärische Beschaffungen und Vergütungen finanzierte.
Die nominalen Einnahmen aus der Einkommensteuer stiegen stark (um das 3,6-Fache), da eine große Anzahl von Personen Militärvergütungen erhält, deren Einkommensteuer seit Oktober 2023 vollständig dem Staatshaushalt zufließt (zuvor wurde sie zwischen Staats- und Kommunalhaushalten aufgeteilt). Gleichzeitig wurde der Körperschaftsteuersatz für Banken auf 50 % und später für andere Finanzunternehmen auf 25 % angehoben (der gesetzliche Körperschaftsteuersatz beträgt 18 %), da der Gewinnanstieg bei Banken vor allem auf hohe Zinsen für inländische Staatsanleihen zurückzuführen war. Die höhere Besteuerung des Finanzsektors wird häufig kritisiert, da sie die Attraktivität von Investitionen in den Bankensektor beeinträchtigt (s. Abb. 2).

Die hohe Inflation trieb die Einnahmen aus der Mehrwertsteuer in die Höhe. Gleichzeitig stieg die Mehrwertsteuer auf Importe nur um das 1,4-Fache, obwohl die Importe erheblich zunahmen. Dies ist auf eine Reihe von Mehrwertsteuerbefreiungen für Verteidigungs- und Energieanlagen und -geräte zurückzuführen.
Internationale Hilfe in Form von Zuschüssen ist ein weiterer wesentlicher Bestandteil der Finanzierung in den Jahren 2023–2025. Dies ist vor allem der Beitrag der USA, der durch die Weltbank verwaltet wird. Die Mittel wurden überwiegend zur Finanzierung von Gehältern im Gesundheits- und Bildungswesen eingesetzt.
Um die inländischen Ressourcen zu stärken, verabschiedete die Regierung Ende 2023 die Nationale Einnahmenstrategie, deren Umsetzung jedoch schleppend verläuft. Jüngste Schritte, wie der im Juni 2025 gebilligte Plan für eine Zollreform, sind entscheidend, um die IWF-Anforderungen zu erfüllen. Gemäß dem neuen IWF-Programm soll die Ukraine Mehrwertsteuerbefreiungen für Steuerzahler mit vereinfachtem Besteuerungssystem abschaffen, eine Besteuerung von Waren auf digitalen Plattformen einführen, Pakete ab 0 Euro besteuern (derzeit ab 150 Euro) und die Wehrpflichtabgabe dauerhaft machen. Bisher beschloss das Parlament, obwohl die Frist für diese Maßnahmen Ende März 2026 war, nur die letztgenannte Maßnahme (jedoch nicht dauerhaft, sondern für drei Jahre nach Ablauf des Kriegsrechts). Insgesamt zielen die Maßnahmen auf eine Verbreiterung der Steuerbasis ab und könnten laut Schätzungen des Finanzministeriums im Jahr 2027 rund 40 Mrd. Hrywnja (ca. 780 Mio. Euro) zusätzlich einbringen. Außerdem sollen sie dazu beitragen, wirtschaftliche Aktivitäten aus der Schattenwirtschaft zu holen und gleiche Wettbewerbsbedingungen für alle Unternehmen herzustellen.
Ausgaben
Die öffentlichen Ausgaben haben sich radikal gewandelt: Die Verteidigungsausgaben lagen im Jahr 2025 um das 24-Fache über dem Niveau von 2021 (die Sicherheitsausgaben um das 4,7-Fache). Verteidigung und Sicherheit sind zu den absoluten Prioritäten des Haushalts geworden und machen 56 % bzw. 15 % der gesamten Staatsausgaben aus, d. h. 34,3 % bzw. 9,2 % des BIP. Dennoch erlaubt dies keine Erhöhung der Militärvergütungen, die in realer Hinsicht seit Beginn des Vollangriffs gesunken sind.
Die Ausgaben für Bildung stiegen um 5,0 % und für Gesundheit um 28 %, was hauptsächlich auf die Veränderung der Bevölkerungsstruktur zurückzuführen ist. Hier wird auch die Herausforderung für die künftige Entwicklung der Ukraine sichtbar, da die demografische Krise im Land nun sehr deutlich spürbar ist. Das Thema der sozialen Erholung gewinnt an Bedeutung. Der Mangel an Investitionen in die Bildung, insbesondere in Berufsschulen, ist eine weitere Herausforderung. Hier ist die Ukraine mit einer enormen Qualifikationslücke konfrontiert und benötigt gute Programme zur Erwachsenenbildung. Tatsächlich aber bleibt die Finanzierung arbeitsmarktpolitischer Maßnahmen derzeit eingeschränkt.
Die soziale Stabilität wird durch indexierte Renten und Wohnkostenzuschüsse – trotz eines Moratoriums auf Erhöhungen der Versorgungstarife – weiter gewährleistet. Längst nicht alle registrierten Binnenvertriebenen erhalten staatliche Geldleistungen, da die Anspruchsvoraussetzungen verschärft wurden. Die Integration von Binnenvertriebenen aus besetzten Gebieten bleibt weiterhin eine Priorität. Das eRecovery-Programm (єВідновлення), das größtenteils durch internationale Finanzinstitutionen wie die Weltbank finanziert wird, hat zwar über 100.000 Antragssteller:innen Wohnraumbescheinigungen und Entschädigungen bereitgestellt, aber dennoch bleibt die Finanzierung von Wiederaufbauprojekten begrenzt.
Um die Effizienz und Wirksamkeit der Kapitalausgaben zu steigern, setzt die Regierung derzeit eine Reform des öffentlichen Investitionsmanagements (PIM) um, die ihrerseits Kapazitäten erfordert. Forschungen der Weltbank zeigen, dass PIM-Reformen in der Regel 5 bis 10 Jahre dauern und ein »Learning by Doing«-Prozess sind (s. Abb. 3).

Haushaltsdefizit, Finanzierung und Schulden
Das Haushaltsdefizit erreichte mit 20 % des BIP ein bisher noch nie dagewesenes Ausmaß. Im Jahr 2022 blieb die Ukraine handlungsfähig, da die Nationalbank das Defizit durch den direkten Kauf staatlicher Militäranleihen im Umfang von 400 Mrd. Hrywnja monetarisierte – ein Vorgehen, das es in Friedenszeiten in dieser Form nicht gab. Ein Großteil der Finanzierung erfolgte über die Jahre in Form von »Geld gegen Reformen« im Rahmen des IWF-Programms, Weltbank-Darlehen und der Ukraine-Fazilität der EU. Während die Ukraine die Reformauflagen für 2024 erfolgreich erfüllte, entstanden Anfang 2025 Herausforderungen durch Verzögerungen auf ukrainischer Seite, die das Vertrauen der Geber gefährdeten.
Eine Wende brachte der im Juni 2024 beschlossene Extraordinary Revenue Acceleration (ERA)-Mechanismus der G7, der 50 Mrd. US-Dollar bereitstellte, die durch Gewinne aus eingefrorenen russischen Vermögenswerten besichert waren und größtenteils im Jahr 2025 ausgezahlt wurden. Im Jahr 2026 wird das Defizit durch das ERA-Darlehen sowie durch den Ukraine Support Loan der EU gedeckt, der nach dem Ende der ungarischen Blockade im April 2026 endgültig durchgewunken wurde. Dieses EU-Darlehen im Gesamtumfang von 90 Mrd. Euro für 2026–2027 sieht 30 Mrd. Euro als Haushaltsfinanzierungshilfe und 60 Mrd. Euro für Verteidigungsausgaben vor (die über verschiedene Instrumente bereitgestellt werden sollen). 2026 wird sich die Budgethilfe auf 16,7 Mrd. Euro belaufen (jeweils 8,35 Mrd. Euro im Rahmen der beiden Mechanismen), während die militärische Unterstützung 28,3 Mrd. Euro betragen wird.
Die Budgethilfe wird über die Mechanismen der makrofinanziellen Hilfe und der Ukraine-Fazilität bereitgestellt; daher werden Auflagen und Indikatoren für die Gewährung dieser Unterstützung festgelegt. Insbesondere für den Teil der Ukraine-Fazilität sind noch nicht alle Auflagen bekannt. Nach den vorliegenden Informationen werden die Auflagen im Rahmen der makrofinanziellen Hilfe einige der strukturellen Vorgaben des IWF-Programms umfassen, darunter Fortschritte bei der Reform des öffentlichen Beschaffungswesens sowie im Bereich des Zollwesens.
Somit sind die Finanzbedürfnisse für das Jahr 2026 weitgehend gedeckt, sofern die Ukraine alle Verpflichtungen im Rahmen des IWF-Programms, der Ukraine-Fazilität und nun auch des Ukraine-Unterstützungsdarlehens fristgerecht und vollständig erfüllt. Es besteht jedoch die Gefahr weiterer Verzögerungen, die bereits absehbar sind (siehe Kommentar von Schewtschuk in dieser Ausgabe).
Für 2027 bestehen jedoch erhebliche Unsicherheiten, da die Ukraine-Fazilität und der Ukraine Support Loan nicht ausreichen werden, um die Finanzierungslücke zu schließen, die mehr als 40 Mrd. Euro übersteigt. Daher werden die Debatten über die direkte Nutzung eingefrorener russischer Vermögenswerte voraussichtlich im Sommer wieder aufgenommen.
Insgesamt nähert sich die Staatsverschuldung – obwohl die erfolgreiche Restrukturierung der Eurobonds und Stundungsvereinbarungen mit bilateralen Gläubigern den unmittelbaren Druck gemindert haben – der Marke von 100 % des BIP. Ein großer Teil der Schulden stammt von der EU und kann möglicherweise restrukturiert oder erlassen werden, wenn die Ukraine der EU beitritt. Die seit 2023 erhaltenen EU-Darlehen sind vergünstigt, da sie eine lange Laufzeit haben und die Ukraine einen Zinszuschuss erhält, der derzeit keine zusätzliche Haushaltsbelastung darstellt.
Insgesamt sind die Formen der internationalen Finanzierung unterschiedlich: Zuschüsse und vergünstigte Darlehen sind aus haushaltspolitischer Sicht sicherer als die Kreditaufnahme zu Marktkonditionen. In den letzten Jahren hat die Regierung staatliche Inlandsanleihen größtenteils refinanziert, da die Kreditaufnahme im Inland deutlich teurer ist als die internationale (im Jahr 2025 durchschnittlich um etwa 16 %). Auch die Einnahmen aus Privatisierungen sind nach wie vor gering. Daher wird das Defizit überwiegend von internationalen Partnern finanziert.
Weitere außerbudgetäre Posten
Die Haushaltslücke der Ukraine ist im weiteren Sinne zu verstehen: Sie umfasst nicht nur das Defizit des Staatshaushalts, sondern auch die Refinanzierung von Schulden, Verteidigungsausgaben die in Form von Sachleistungen finanziert werden, humanitäre Hilfen sowie dringende Wiederaufbaubedürfnisse, die im Haushalt nur teilweise berücksichtigt sind. Der Haushalt spiegelt daher zwar einen Großteil der Ausgaben für Verteidigung, Sicherheit, Soziales und Wiederaufbau wider, erfasst jedoch die in Form von Sachleistungen geleistete Militärhilfe nicht vollständig. Ebenso wenig werden die über internationale Organisationen geleistete humanitäre Hilfe oder die direkt von Gebern finanzierten dringenden Wiederaufbaubedürfnisse darin ausgewiesen.
Diese Unterscheidung ist wichtig, da die offensichtliche Haushaltslücke den tatsächlichen Umfang der Ressourcen unterschätzt, die zur Aufrechterhaltung der Kriegsanstrengungen und zur Wahrung der sozialen Widerstandsfähigkeit erforderlich sind. Der militärische Bedarf bleibt die größte und dringlichste Kategorie, einschließlich Waffen, Munition, Luftabwehr, Drohnen, Ausrüstung, Logistik und Soldzahlungen. Auch der humanitäre Bedarf ist nach wie vor erheblich, insbesondere die Unterstützung für Binnenvertriebene, Wohnraum, Minenräumung, Energiehilfe, Gesundheitsversorgung und die Unterstützung schutzbedürftiger Haushalte. Der kurzfristige Wiederaufbaubedarf konzentriert sich auf die Energieinfrastruktur, den Wohnungsbau, die soziale Infrastruktur, die Wasserversorgung, den Verkehrssektor und kritische kommunale Dienstleistungen.
Die Ukraine benötigt zum Beispiel in hohem Maße Hilfe beim Wiederaufbau beschädigter und zerstörter Energieinfrastruktur, wozu sowohl Energieausrüstung als auch der Bau von physischen Schutzvorrichtungen gehören. Diese Hilfe wird größtenteils über den Energy Support Fund bereitgestellt, der vom Sekretariat der Europäischen Energiegemeinschaft koordiniert wird.
Fazit
Das System der öffentlichen Finanzen der Ukraine hat sich unter den Bedingungen enormer Herausforderungen und hoher Unsicherheit als resilient erwiesen. Die Regierung hat es trotz der Zerstörung von Vermögenswerten, der Vertreibung der Bevölkerung und ständiger Sicherheitsrisiken geschafft, weiterhin Einnahmen zu erzielen, die Verteidigung zu finanzieren, Renten und Löhne im öffentlichen Dienst zu zahlen sowie grundlegende Dienstleistungen aufrechtzuerhalten.
Diese Widerstandsfähigkeit sollte jedoch nicht mit finanzpolitischer Stabilität verwechselt werden. Der Haushalt bleibt strukturell von externer Hilfe abhängig, während die inländischen Einnahmen nicht ausreichen, um die Verteidigungsausgaben zu decken. Gleichzeitig geht die fiskalische Herausforderung über das jährliche Defizit hinaus, da die Ukraine die Kriegsanstrengungen finanzieren, den sozialen Zusammenhalt sichern, auf humanitäre Bedürfnisse reagieren und den dringenden Wiederaufbau unterstützen muss. Die wichtigste politische Priorität besteht daher darin, die in Kriegszeiten benötigte Flexibilität mit mittelfristiger Haushaltsdisziplin zu verbinden.
Dazu braucht die Ukraine erstens vorhersehbare und mehrjährige externe Finanzmittel, vorzugsweise in Form von Zuschüssen und vergünstigten Darlehen, unter anderem durch die Nutzung eingefrorener russischer Vermögenswerte. Hier benötigt die Regierung dringend die Unterstützung und das Verständnis internationaler Partner, insbesondere der EU. Die direkte Nutzung eingefrorener russischer Vermögenswerte ist für die Finanzierung des Haushalts 2027 unerlässlich.
Zweitens sollte eine Steigerung der inländischen Einnahmen durch die Verbreiterung der Steuerbasis, die Verringerung der Steuerhinterziehung, die Verbesserung der Zollverwaltung und die schrittweise Einschränkung ungerechtfertigter Steuervorrechte erfolgen. Abrupte Maßnahmen, die die Unternehmenstätigkeit schwächen könnten, sollten dabei vermieden werden. Solche Maßnahmen sind schwierig und erfordern eine Verbesserung der Steuerverwaltung. Daher sind Reformen der Steuer- und der Zollbehörde sowie eine umfassendere Reform der Strafverfolgungsbehörden wichtig.
Drittens sollte die Ausgabenpolitik die Verteidigung und wichtige Sozialausgaben sichern, aber auch die Zielgenauigkeit verbessern, ineffiziente Programme überprüfen und Investitionen priorisieren. Die Regierung sollte die Finanzierung von Programmen vermeiden, die nicht bedarfsorientiert sind.
Viertens sollte die Finanzierung des Wiederaufbaus besser in die Verwaltung öffentlicher Investitionen eingebunden werden, der eine transparente Projektauswahl gewährleistet. Die Regierung setzt die erforderlichen Reformen bereits um, doch sind stärkere Kapazitäten und ein klarer Rahmen erforderlich.
Schließlich sind klar definierte Sicherheitsgarantien von internationalen Partnern erforderlich, damit die Ukraine bereits jetzt und nach dem Krieg für Unternehmen attraktiver wird. Dies erfordert den Ausbau von Kriegsrisikoversicherungen für ukrainische Unternehmen und Joint Ventures. Auch die Erwachsenenbildung wird eine wichtige Rolle spielen um sicherzustellen, dass die Ukrainer:innen über gute Qualifikationen verfügen, um in der Wirtschaft produktiv zu sein.


