Analyse Von Stefan Garsztecki
Der Sieg der Regierungspartei Recht und Gerechtigkeit (Prawo i Sprawiedliwość – PiS) bei den polnischen Parlamentswahlen am 13. Oktober fiel nach einem wenig überzeugenden Wahlkampf der Opposition und angesichts zahlreicher Wahlkampfversprechen der PiS deutlich aus. Trotz des Konfliktes der Regierung mit der Europäischen Kommission aufgrund der polnischen Justizreformen und ungeachtet einer radikalen Umgestaltung der öffentlich-rechtlichen Medien brauchte sich die PiS um die Wiederwahl letztlich keine Sorgen zu machen. Allerdings fiel der Wahlsieg knapper aus, als im Kreis um den Parteivorsitzenden Jarosław Kaczyński herum erwartet. Das Erstarken der kleineren Parteien der Vereinigten Rechten (Zjednoczona Prawica), die über die PiS-Liste nun mehr Abgeordnete ins Parlament einbringen, die Erfüllung der Wahlversprechen, der Verlust der zweiten Parlamentskammer an die Opposition und nicht zuletzt die sich anbahnende Nachfolgefrage im Parteivorsitz der PiS lassen trotz des überzeugenden Sieges eine schwierige Regierungszeit erwarten. (…)
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Analyse Von Błażej Warkocki
Aufgrund der soziokulturellen Liberalisierung in den 1980er Jahren in der Volksrepublik Polen nahm auch – sehr allmählich – das Interesse an dem verdrängten und pathologisierten Thema Homosexualität zu. In den 1990er Jahren wandelte sich der überwiegend private Charakter, der in schwulen Gruppen gepflegt worden war, in eine halböffentliche Form der gesellschaftlichen Präsenz. Dies ergab sich aus dem Einfluss von Zeitschriften, die an Homosexuelle gerichtet waren, der Möglichkeit, Schwulenprojekte ins Leben zu rufen, und der Bearbeitung der schwulen Identität in der Literatur. Doch weiterhin wurde das Thema Homosexualität als gesellschaftlich marginal und unpolitisch wahrgenommen. Die Plakataktion »Sie sollen uns sehen« in polnischen Städten im Jahr 2003 führte dazu, dass die homosexuelle Frage in den öffentlichen Diskurs durchdrang und politisch wurde. (…)
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