Künstliche Intelligenz in Polen: Lässt sich das heimische Potential steigern?

Von Mateusz Łabuz (Institut für Friedensforschung und Sicherheitspolitik an der Universität Hamburg (IFSH))

Zusammenfassung
Im Jahr 2026 verfügt Polen über fast alles, was notwendig ist, um das eigene Potential im Bereich Entwicklung und Einführung Künstlicher Intelligenz (KI) auszubauen. Das vermittelt ein umfangreiches, 2025 von der Regierung verabschiedetes Strategiepapier. Polen hat den größten Pool von IT-Spezialisten in Ostmitteleuropa, eine starke Wirtschaft und es kann günstige makroökonomische Indizes vorweisen. In Posen (Poznań) und Krakau (Kraków) werden aktuell zwei europäische KI-Fabriken gebaut, und zwei unabhängige Sprachmodelle sind bereits einsatzbereit; eines wird in der öffentlichen Verwaltung angewendet. Hinzu kommen Entwicklungsimpulse aus dem Verteidigungssektor und der Rüstungsindustrie, wo stark in Innovationen investiert wird. Dieses Bild zeigt aber auch deutliche Risse. Nur 8,4 Prozent der polnischen Unternehmen nutzen KI-gestützte Systeme und die finanzielle Förderung der öffentlichen Hand für Forschung und Entwicklung stagniert seit Jahren auf niedrigem Niveau.

Noch vor einigen Jahren galt Künstliche Intelligenz als eine Technologie für die Zukunft. Eingeführt in verschiedene Branchen, erhöhte sie schrittweise deren Produktivität, aber selten schaffte es die KI auf die Titelseiten der Zeitungen. Mit der Revolution der generativen KI – hier war die Einführung von ChatGPT am 30. November 2022 eine wichtige Zäsur – begann eine neue Etappe im globalen Technologiewettbewerb. Zu den weltweiten Anführern, v. a. die USA und China, begannen andere Länder aufzuschließen – in kleinerem Ausmaß, mit weniger Wucht, aber mit Potential für kluge, richtungsweisende Investitionen, die das Wirtschaftswachstum fördern und partnerschaftliche Zusammenarbeit begünstigen können, auch im Rahmen der Europäischen Union.

Damit solche Entwicklungen möglich werden, ist es erforderlich, ein ganzes strukturell-organisatorisches Ökosystem zu erschaffen, das nicht allein auf Investitionen gründet. Gleichermaßen wichtig sind konkrete Strategien, die Entwicklung des Humankapitals, die Sensibilisierung des gesellschaftlichen Bewusstseins, kluge Regulierungen, Fürsorge für nachhaltige Entwicklung und natürliche Ressourcen und schließlich gehört auch dazu, der Versuchung zu widerstehen, eine Technologie um jeden Preis zu implementieren.

Im zweiten Halbjahr 2026 besitzt Polen bereits den Großteil der Komponenten, die notwendig sind, um das heimische Potential auf dem Feld der KI auszubauen. Dazu gehören v. a. ein umfangreicher Experten-Pool, hervorragende makroökonomische Bedingungen und ein immer besseres Umfeld für Unternehmen. Die Regierungsstrategie »Die Politik für die Entwicklung Künstlicher Intelligenz in Polen bis 2030« (»Polityka rozwoju sztucznej inteligencji w Polsce do 2030 r.«) vom November 2025 zeigt allgemein die Richtungen für die Entwicklung von KI in Polen auf. Erste konkrete Projekte nehmen Gestalt an – dem Netzwerk Polish Grid Infrastructure (PLGrid) schließen sich weitere Zentren an, die Rechenkapazitäten steigen und es werden gegenwärtig zwei europäische KI-Fabriken in Posen und Krakau gebaut. Zwei umfangreiche polnische Sprachmodelle – Bielik und PLLuM – haben Benchmark-Tests durchlaufen, und eine von ihnen wurde bereits in der öffentlichen Verwaltung eingeführt. Außerdem entwickelt sich der Rüstungssektor, angeschoben von Verteidigungsausgaben auf Rekordniveau, in schwindelerregendem Tempo, was mit der Einführung weiterer autonomer Systeme für die Streitkräfte und der Offenheit Innovationen gegenüber einhergeht.

All dies bedeutet nicht, dass Polen bereits das »Herz des Kontinents der Künstlichen Intelligenz« ist – wie es als allgemeines und symbolisches Ziel in der Regierungsstrategie formuliert wurde. Es reicht hier darauf zu verweisen, dass der Anwendungsgrad von KI in polnischen Unternehmen überraschend niedrig ist (deutlich niedriger als im EU-Durchschnitt) und die staatliche Finanzierung von Innovationen viel zu wünschen übrig lässt.

Die umrissenen Basisfakten zeigen, dass Polen ein Land mit einem enormen Potential ist, welches aber nicht vollständig ausgeschöpft wird. Allerdings ergeben sich daraus Chancen für eine umsichtige, verantwortungsvolle und sichere Einführung KI-gestützter Innovationen, die nicht blind Trends hinterherjagt, sondern auf einer durchdachten Strategie gründet. Deren Fundament sollte die Zusammenarbeit mit internationalen Partnern und die Skalierung von Systemen sein, die sich in Polen bereits bewährt haben.

Eine starke Wirtschaft als Antrieb für Innovationen

Ein großer Teil der polnischen Trümpfe im Bereich Wirtschaft lässt sich auf die dynamische wirtschaftliche Entwicklung Polens und gelungene Investitionen in die Infrastruktur, die heimische Industrie und das Humankapital zurückführen. Das stabile Wachstum des Bruttoinlandsprodukts (BIP) – für das zweite Quartal 2026 wird es auf 3,8 Prozent geschätzt –, eine niedrige Arbeitslosenquote, zahlreiche Investitionen in die Infrastruktur – all das prägt das Bild eines Landes, das die Transformation bereits hinter sich gelassen hat und immer schneller die Distanz zu den Ländern Westeuropas aufholt. Ein deutlicher Beweis dafür ist, dass Polen inzwischen zur G20, der Gruppe der 20 größten Volkswirtschaften weltweit, gehört.

Polen kann heute das größte Personalaufgebot im Technologiebereich in Ostmitteleuropa vorweisen. Schätzungen zufolge umfasst die Branche der Informations- und Kommunikationstechnologien (IKT) bis zu 800.000 Personen, und die zahlreichen Studienfächer in diesem Bereich garantieren einen ständigen Zufluss neuer Talente: Das Statistische Hauptamt (Główny Urząd Statystyczny – GUS) gibt die Gesamtzahl von mehr als 70.000 Studierenden an. Das spiegelt sich im Übrigen auch in den hervorragenden Ergebnissen polnischer Wissenschaftler bei internationalen Wettbewerben wieder. Das Symbol der Stärke der polnischen Branche ist Przemysław »Psyho« Dębiak, der der letzte Mensch war, dem es gelang, im prestigeträchtigen Programmiererwettbewerb AtCoder in Tokio 2025 KI-Modelle zu besiegen. Allerdings stillt nicht einmal die Position des Anführers in Ostmitteleuropa den Bedarf des Marktes an Arbeitskräften. Trotz der wachsenden Zahl an IKT-Experten besteht immer noch ein beträchtliches Defizit und der Anteil der Absolventen von IKT-Fächern an der Gesamtheit der Absolventen in Polen lag unter dem EU-Durchschnitt. Diese Lücke muss Polen schnellstmöglich schließen.

Ein Problem des polnischen Arbeitsmarktes ist auch das Outsourcing von Fähigkeiten. Ein bedeutender Teil der Arbeitnehmer in der IKT-Branche verkauft Dienstleistungen an ausländische Auftraggeber. Das ist ein Einkommensmodell, das zwar ermöglicht, Kompetenzen aufzubauen, aber auch die Schwächung des heimischen Investitionsmarktes nach sich zieht. Einzelne Leuchttürme wie z. B. das von Polen gegründete Unternehmen ElevenLabs, das sich auf KI-Sprachgenerierung spezialisiert, sind ein weißer Rabe und bestätigen die Regel, dass hinter den Erfolgen der Unternehmen polnische Experten stehen, aber das Kapital nicht aus Polen kommt. Ähnlich kann man den Einsatz zahlreicher polnischer Forscher bei OpenAI bewerten, dessen Mitbegründer der Pole Wojciech Zaremba ist. Die Polen sind ein wichtiger Bezugspunkt auf der Weltkarte der Innovationen, aber sie arbeiten selten auf Rechnung von Unternehmen mit polnischem Kapital.

In diesem Zusammenhang sticht eine Zahl heraus, die diejenigen beunruhigen sollte, die sich mit der Entwicklung Künstlicher Intelligenz in Polen befassen, und die gleichzeitig Anlass gibt, sich mit der tatsächlichen Nachfrage nach KI im privaten Sektor auseinanderzusetzen. Nach Daten von Eurostat haben im Jahr 2025 nur 8,4 Prozent der polnischen Unternehmen mit mindestens zehn Arbeitnehmern mindestens eine KI-Technologie genutzt, während der EU-Durchschnitt bei ca. 20 Prozent lag. Der Anteil steigt zwar (2024 hatte er nur 5,9 Prozent betragen), aber es wird deutlich, dass die polnischen Unternehmer immer noch skeptisch gegenüber dem Einsatz von KI sind. Anders die polnischen Bürger, sie greifen zunehmend selbständig auf generative KI-Modelle zurück (2026 haben dies bereits 30 Prozent der Internetnutzer angegeben).

Das ist ein interessanter Widerspruch. Polen verfügt über ein enormes Humankapital auf dem Feld der Informations- und Kommunikationstechnologien sowie über zahlreiche lokal eingesetzte KI-gestützte Anwendungen, hat aber trotzdem ein ernstzunehmendes Problem mit der breit angelegten Implementierung von KI. Das könnte zum Teil auf die Skepsis der Unternehmer zurückgeführt werden, ob bestimmte KI-Systeme tatsächlich nützlich sind (und dafür besteht Anlass, denn Untersuchungen des MIT Media Lab zeigen, dass sich bei 95 Prozent der Unternehmen die Einführung von KI nicht auf den Gewinn niederschlug); weitere Gründe könnten geringes Wissen über KI sein oder, was sehr wahrscheinlich ist, Schwierigkeiten, in Innovationen zu investieren.

Daher muss der Kapitalzufluss, auch seitens der öffentlichen Hand, als eine strukturelle Schwäche bewertet werden. Die Ausgaben für Forschung und Entwicklung steigen zwar, aber einen deutlichen Anteil daran hat der private Sektor. Die staatliche Finanzierung bleibt seit Jahren auf gleichbleibend niedrigem Niveau; 2024 betrugen die Gesamtausgaben für Forschung und Entwicklung ca. 1,41 Prozent des BIP. Es ist also nicht verwunderlich, dass Polen im Europäischen Innovationsanzeiger (European Innovation Scoreboard) der Europäischen Kommission immer noch an der Spitze der Gruppe der »aufstrebenden Innovatoren« geführt wird, weit vom EU-Durchschnitt entfernt.

Investitionen, Pläne, Risikoanalysen

Diese Schwächen wurden in den Strategiepapieren der Regierung zur Künstlichen Intelligenz teilweise identifiziert. Grundlage dieser Papiere ist das Dokument »Die Politik für die Entwicklung Künstlicher Intelligenz in Polen bis 2030«, das vom Ministerium für Digitalisierung im November 2025 veröffentlicht wurde. In den vorangegangenen Beratungen darüber haben ca. 200 Organisationen mehr als 1.000 Kommentare und Kritikpunkte eingereicht, was das Ausmaß des gesellschaftlichen Interesses an KI demonstriert. Das aktuelle Strategiepapier ersetzt dasjenige aus dem Jahr 2020, das noch vor den zurzeit angewandten Modellen und der Revolution der generativen KI ausgearbeitet worden war. Es ergänzt außerdem ein anderes staatliches Programm, die »Strategie zur Digitalisierung des Staates bis 2035« (Strategia Cyfryzacji Państwa do 2035 r.) aus dem Jahr 2024.

Der Inhalt des Strategiedokuments hält eine gute Balance zwischen dem Wunsch nach Innovation und der wirtschaftlichen Entwicklung unter Berücksichtigung eines weit gefassten gesellschaftlichen Wohlstands. In diesem Zusammenhang ist darauf hinzuweisen, dass die Entwicklung der generativen KI schneller verläuft als die institutionellen und gesellschaftlichen Reaktionen darauf. Je mehr Möglichkeiten die weiterentwickelten Systeme erlangen, desto größer wird die Versuchung, ihnen mehr Aufgaben und auch Entscheidungen zu übertragen, was wiederum dazu führen kann, von der kognitiven Infrastruktur abhängig zu werden. Die echte Herausforderung und Prüfung für die Strategie eines Landes zur Einführung von KI ist also nicht das Tempo der Innovationen, sondern ob es das Land schafft, gleichzeitig auch das Potential und die Fähigkeit zur Bewertung der Lage zu entwickeln. Insofern kann die im Strategiepapier von 2025 vorgenommene Einteilung in die Bereiche Ökosystem, Infrastruktur, Daten, Wissenschaft, Bildung, Entwicklung des Humankapitals und schließlich Unterordnung der Entwicklung der KI unter ethische Prinzipien (»Vertrauenswürdige KI«) als positiv bewertet werden. Das Ministerium für Digitalisierung hat auch die wichtigsten Interessensgebiete sowie die Werte, die das Fundament für die Anwendung von KI-Systemen sind, benannt. Die Entwicklung von KI muss demnach »am Menschen und der gesellschaftlichen Sicherheit ausgerichtet« sein.

Das Strategiepapier bestimmt klar die Infrastruktur, auf die sich Polen zu stützen beabsichtigt. Ihr Fundament soll ein Netz aus Supercomputern und -clouds (PLGrid, Rządowa Chmura Obliczeniowa) sowie KI-Farbriken sein, und zwar PIAST in Posen (Poznańskie Centrum Superkomputerowo-Sieciowym) und GAIA in Krakau (Cyfronet AGH). Potentiell ließe sich dieses Netzwerk mit Baltic AI GigaFactory verstärken, um deren Bau sich Polen mit Partnerländern bewirbt. Die Infrastruktur von PLGrid wird von Zentren in Warschau (Warszawa), Breslau (Wrocław), Danzig (Gdańsk) und Otwock ergänzt. Diesen Kreis wird ab 2027 noch Lodz (Łódź) sowie die oberschlesische Metropolregion (Górnośląsko-Zagłębiowska Metropolia – GZM) verstärken, was ein zusätzlicher Entwicklungsimpuls für die betreffenden Städte und Regionen zu werden verspricht.

Das Projekt der KI-Gigafabrik ist ein Wert an sich. Unabhängig vom Ausgang des EU-Wettbewerbs hat es bereits nachhaltige Effekte mit sich gebracht: den Austausch zwischen Partnerländern sowie die Vernetzung von Unternehmen und Einrichtungen des privaten Sektors in Ostmitteleuropa und somit regionale Zusammenarbeit in der Praxis. Hier spielt Polen zurzeit die Rolle des Initiators und nicht nur eines Teilnehmers.

Unter den konkreten Plänen zur Entwicklung der Infrastruktur wird auch die Erweiterung der ExaFlops (Floating Point Operations Per Second; Maß für die Leistungsfähigkeit von Computern) von drei auf 40 im Netz PLGrid aufgeführt, was Polen zumindest eine grundlegende Unabhängigkeit gewährleisten soll. Was die Infrastruktur betrifft, soll bis 2030 Folgendes entstehen:

  • Musterlösungen für Behördenassistenten in der Zentralverwaltung, der Regionalverwaltung (Woiwodschaftsebene) und der Kommunalverwaltung;
  • eine Plattform für Daten und KI-Modelle, was die Entwicklung von Systemen für die öffentliche Verwaltung ermöglicht;
  • eine Plattform für KI und Automatisierungsprozesse, ausgerichtet auf die Anwendung in der öffentlichen Verwaltung.

Begleitet werden soll dies von einer wesentlichen Erweiterung der Kompetenzen im Bereich der Künstlichen Intelligenz. Bis 2030 sollen 30 Prozent der polnischen Gesellschaft dank Bildung über Kompetenzen im Bereich der praktischen KI-Anwendung verfügen, die über das Basiswissen hinausgehen. Geplant ist auch ein Anstieg der Zahl der Absolventen von Fächern im Bereich KI um 80 Prozent und ein Anstieg um 50 Prozent bei den abgeschlossenen Dissertationen im Themenbereich KI. Die Autoren des Strategiepapiers gehen davon aus, dass »sich der polnische Arbeitsmarkt bis 2035 um 2,1 Millionen Arbeitnehmer verringern wird, was 12,6 Prozent der gegenwärtigen Beschäftigungsquote entspricht. Aus diesem Grunde ist die Erhöhung des Anteils automatisierter Prozesse eine Notwendigkeit und nicht eine Gefahr. Die Automatisierung von Prozessen soll ermöglichen, Potential in anderen Bereichen freizusetzen.« Das ist eine recht optimistische Annahme. Die Entwicklung sollte laufend mit Hilfe eines Bewertungsindex’ bezüglich des Einflusses der generativen KI auf die polnischen Arbeitnehmer beobachtet werden.

Parallel zum Aufbau von Kompetenzen sollten die Chancen und Risiken, welche die Entwicklung von KI-Technologien begleiten, umfassend reflektiert werden. In der Regierungsstrategie von 2025 wird den kognitiven Gefahren im Zusammenhang mit der Nutzung der generativen KI am Arbeitsplatz oder im privaten Umfeld relativ wenig Aufmerksamkeit geschenkt. Das allgemeine Ziel, »grundlegende Kompetenzen aufzubauen, die notwendig für eine effektive Nutzung der KI sind; nicht nur Arbeiten mit KI, sondern auch kritisches Denken, Verifizieren von Informationsquellen, Softskills«, muss von konkreten gesellschaftlichen Maßnahmen sowie einer detaillierten Analyse dessen, wie Künstliche Intelligenz Denkprozesse und zwischenmenschliche Beziehungen beeinflusst, begleitet werden.

Unterdessen sollen die Entwicklungen im großen Stil etabliert werden und auch die Infrastruktur der öffentlichen Verwaltung umfassen. Das Ministerium für Digitalisierung geht davon aus, dass bis 2030 mindestens 80 Prozent der Einrichtungen mit öffentlichen Aufgaben KI-Instrumente nutzen und mindestens 1.000 öffentliche Einrichtungen das polnische Sprachmodell PLLuM als Pilotprojekt einführen werden. Priorität haben die öffentlichen Gesundheitsdienste und die Justiz. Des Weiteren ist geplant, Gerichtsverfahren dank der Einführung von KI-Instrumenten um mindestens 30 Prozent zu verkürzen.

Diese Zielmarken zu erreichen wird ohne die Aktivierung des privaten Sektors nicht möglich sein. Deshalb sieht die Regierungsstrategie u. a. vor:

  • Optimierung der Geschäftsprozesse und Steigerung der Wettbewerbsfähigkeit bei mindestens 34 Prozent der polnischen kleinen und mittleren Unternehmen, die KI-Instrumente nutzen;
  • Wertsteigerung der Investitionen des Typs Venture Capital (Risikokapital) sowie Private Equity (außerbörsliches Beteiligungskapital) im KI-Sektor um 50 Prozent;
  • mindestens 50 Unternehmen jährlich testen ihre KI-Systeme in einem kontrollierten rechtlichen Umfeld (»KI-Reallabor«);
  • mindestens ein Prozent Wertschöpfung am polnischen BIP insgesamt, generiert von Unternehmen, die KI-Systeme entwickeln.

Das sind außergewöhnlich starke Ansagen für den Ausbau des polnischen Potentials im KI-Bereich, die von konkreten Innovationen ergänzt werden, was im Folgenden noch dargestellt wird. Diejenigen, welche die Strategie umsetzen, sollten jedoch der Versuchung widerstehen, KI einzuführen allein um der Einführung willen. Jedes der aufgeführten Ziele muss dem Wirtschaftswachstum dienen bei gleichzeitiger Berücksichtigung der gesellschaftlichen Sicherheit.

Festzuhalten ist an dieser Stelle, dass der ambitionierte Plan, »das Herz des Kontinents der Künstlichen Intelligenz« zu werden, von gezielten Investitionen in Sektoren von besonderer Bedeutung begleitet werden sollte. In Sektoren wie Mobilität, Energie, Umwelt, Kultur- und Kreativwirtschaft beabsichtigt Polen »die Entwicklung spezialisierter Kompetenzen durch Engagement in europäischen Initiativen zu unterstützen«. Das betrifft Programme speziell für Unternehmen oder auch im Rahmen von Erasmus+.

Das aktuelle Strategiepapier gibt einen Überblick, es ist in vielen Aspekten konkret, gleicht aber andererseits einer Sammlung von Absichtserklärungen und Ambitionen. Seine effektive Umsetzung hängt v. a. von finanziellen Mitteln und dauerhaftem Engagement ab.

Deshalb hat die polnische Regierung bereits 2024 die Einrichtung eines KI-Fonds bekannt gegeben, in dessen Rahmen unterstützende Maßnahmen für die Entwicklung von KI und kritischen Technologien koordiniert werden. Der Wert zum Start des Fonds betrug ca. eine Milliarde Zloty (ca. 230 Millionen Euro). Mitte 2026 gab der Ausschuss für Digitalisierung u. a. Investitionen in einen KI-Hub für die öffentliche Verwaltung in Höhe von 150 Millionen Zloty (ca. 34,5 Millionen Euro) eine positive Bewertung. Das löst natürlich nicht das grundlegende Problem der Abhängigkeit von ausländischen KI-Modellen, stellt aber ein Fundament bereit, um heimische Systeme zu entwickeln und einzuführen.

Innovationen auf dem Weg zur technologischen Souveränität?

In den letzten Jahren wurde in der EU wiederholt die übergroße Abhängigkeit von externen Zulieferern problematisiert, z. B. in Bezug auf Rohstoffe und Verteidigung. Die Schlussfolgerungen waren immer gleich: Europa muss seine eigenen Fähigkeiten ausbauen, um zumindest teilweise selbständig zu werden. Mit der Entwicklung von Modellen der generativen KI, deren Anbieter v. a. Unternehmen aus den USA und China sind, ergab sich ein neuer Impuls, technologische Souveränität aufzubauen. Ehrlicherweise muss festgehalten werden, dass die Länder der Europäischen Union zurzeit von der außereuropäischen KI-Infrastruktur abhängig sind, und ohne entsprechende Investitionen sowie die Skalierung europäischer Systeme wird sich diese Situation nicht ändern. Polen verfügt hier über eine Reihe von Vorteilen bei der Konzeption, Realisation und Implementierung.

Das bereits mehrfach angeführte Humankapital begünstigt die Herausbildung einer grundlegenden Innovativität auf der konzeptionellen Ebene. Ein gutes Beispiel für polnische Innovativität ist das Unternehmen ElevenLabs, das 2022 von Mati Staniszewski und Piotr Dąbkowski gegründet wurde und Basismodelle für einen Pool von Audioanwendungen kreiert: Sprachsynthese, Entwicklung von Konversationsagenten, Transkriptionen, Stimmen klonen sowie Musik erstellen. Ein Büro von ElevenLabs liegt in Warschau, die Hauptsitze befinden sich aber nicht in Polen und die Finanzierung wird immer wieder durch Investitionsrunden über den offenen Markt gewährleistet.

Deutlich »polnischer« sind die beiden großen Sprachmodelle Bielik und PLLuM. Bielik kann man als globale Ausnahme bezeichnen. Es ist ein Open Source-Modell, das ohne finanziellen Rückhalt von einer Gruppe Enthusiasten rund um die Stiftung SpeakLeash kreiert wurde. Die Geschichte von Bielik erinnert an eine Art »allgemeiner Mobilisierung« Freiwilliger, die in ihrer Freizeit an der Entwicklung eines eigenständigen polnischen Sprachmodells arbeiten, wofür Daten aus legal zugänglichen Quellen im öffentlichen Bereich verwendet werden. In dem Projekt wird die für Polen typische gesellschaftliche Mobilisierung für ein gemeinsames Ziel genutzt. Im Rahmen des Projektes »Bürger Bielik – zeige Bielik Polen« (Obywatel Bielik – Pokaż Bielikowi Polskę) ermöglichten die Urheber des Modells den Usern, eigene Bilder mit entsprechender Bezeichnung zu veröffentlichen, mit dem Ziel, das Modell visuell aufzubauen sowie das polnische kulturelle Erbe abzubilden. Zweifellos wird Bielik bei der Erkennung von Pieroggen und Żurek seine amerikanischen Konkurrenten schlagen, allen voran ChatGPT. In verschiedenen, deutlich wichtigeren Tests schneidet das polnische Modell ebenfalls sehr gut ab, was zeigt, dass sich ein Projekt dieser Art realisieren lässt – auch mit einem um ein Vielfaches kleineren Budget und ohne das organisatorische Umfeld eines großen Investors.

Das Schwesterprojekt PLLuM ist anders strukturiert. Hier zeichnet ein Konsortium aus führenden polnischen, staatlich finanzierten Forschungseinrichtungen, darunter das Wissenschaftliche und Akademische Computernetzwerk (Naukowa i Akademicka Sieć Komputerowa – NASK), verantwortlich für die Entwicklung des Modells. Aktuell ist PLLuM ein Verbund von polnischen Sprachmodellen, die mit legal erhältlichen Daten trainiert werden. PLLuM wird nicht als Konkurrenz zu den gewichtigsten Playern aufgefasst, sondern es soll speziell für Verwaltungszwecke eingesetzt werden, d. h. es wird in der App mObywatel [mobile App für den Zugang zu digitalen Dienstleistungen der öffentlichen Verwaltung; Anm. d. Übers.] als virtueller Assistent für die Bürger eingesetzt und beantwortet ihre Fragen, und es findet in den behördeninternen Abläufen Anwendung. Die Finanzierung war mit einem zweistelligen Millionenbetrag bescheiden. Einige Experten sehen hier aber einen Beweis für den polnischen Ehrgeiz und unterstreichen, dass ein Staat mittlerer Größe in der Lage ist, ein eigenes, funktionales Modell zu besitzen, das sowohl an die eigenen lokalen Bedarfe angepasst ist als auch die Kontrolle über die verarbeiteten Daten behält.

In meinem Buch »Das Ende der Wirklichkeit« (2026) führe ich dazu weiter aus: »Weder Bielik noch PLLuM werden ihre Daten nach Kalifornien schicken, sie werden keine chinesische Backdoor haben, die ein Monitoring der Aktivitäten ermöglicht. Sie zeigen vielmehr, dass Europa, Polen inbegriffen, im globalen Wettbewerb nicht ausschließlich der passive Konsument von Technologien sein muss, sondern auch aktives Subjekt sein kann. Natürlich sind die großen polnischen Sprachmodelle deutlich kleiner als die verbreitetsten Systeme wie ChatGPT, DeepSeek, Gemini oder Grok. Sie wurden allerdings auch nie als Marktkonkurrenz für die Technologiegiganten konzipiert, sondern als Alternative. Im Jahr 2026 steht diese Alternative bereits auf einem soliden Fundament.« Diese Worte lassen sich auch auf andere Bereiche beziehen. Souveränität ist ein Schlüsselelement für den Aufbau eigener Fähigkeiten im Bereich der Künstlichen Intelligenz.

Der Bereich, in dem Polen bereits heute die Rolle des Pioniers einnimmt, ist die nationale Verteidigung. Die Verteidigungsausgaben sind im Jahr 2026 noch einmal deutlich gestiegen und betragen vier bis fünf Prozent des BIP. Das wirkt sich auch auf die Innovativität der polnischen Streitkräfte sowie die in Polen erarbeiteten Lösungen aus. Eines der interessanteren Projekte ist ein Drohnenabwehrsystem, das in Zukunft immer mehr auf automatisierte Abläufe und das Potential der KI zurückgreifen wird. Die polnische Armee ist außerdem eine der ersten weltweit, die ein Zentrum zur Implementierung Künstlicher Intelligenz (Centrum Implementacji Sztucznej Inteligencji) gegründet haben. Dahinter stehen starke strategische und strukturelle Entscheidungen. Das Zentrum soll das vom Verteidigungsministerium verabschiedete Papier »Die KI-Strategie bis 2039« (Strategia Sztucznej Inteligencji do 2039 r.) umsetzen. Die Einführung von KI-Systemen wurde als eine der Prioritäten der Entwicklung der polnischen Streitkräfte festgelegt, wobei die hervorragend bewertete Führung der Streitkräfte zur Verteidigung des Cyberraums einen wichtigen Teil der Maßnahmen verantwortet. Künstliche Intelligenz bietet die Chance auf Entwicklung eigener Fähigkeiten, und ihre schrittweise Einführung ist angesichts der Steigerung feindlicher Cyberangriffe schlicht und einfach notwendig.

Das Gesetz über KI-Systeme

Den Antrieb für die Entwicklung der polnischen KI sollten private Unternehmen in effektiver Zusammenarbeit mit dem öffentlichen Sektor, die Streitkräfte inbegriffen, geben. Die EU-Verordnung zur Festlegung harmonisierter Vorschriften für Künstliche Intelligenz aus dem Jahr 2024 tritt schrittweise in Kraft und erfordert trotz der Vorgabe, unmittelbar verpflichtend zu sein, in manchen Bereichen eine kluge Implementierung in die landesspezifischen Bedingungen. Das polnische Ausführungsgesetz trat am 11. August 2026 in Kraft, was eine deutliche Verspätung ist, zumal seine vollständige Umsetzung weitere Monate dauern wird. Polen hat hier den vorgegebenen Termin zur Benennung eines Aufsichtsorgans um fast ein Jahr überschritten.

Das Gesetz beruft den Ausschuss für Entwicklung und Sicherheit der Künstlichen Intelligenz (Komisja ds. Rozwoju i Bezpieczeństwa Sztucznej Inteligencji – KRiBSI), dem eine vom Sejm bestimmte und vom Senat für fünf Jahre bestätigte Person vorsteht. Der Vorsitzende wird sein Amt erst im Oktober 2026 antreten und die vollständige Besetzung des Ausschusses wird in den folgenden Wochen stattfinden, was eine weitere Verzögerung bedeutet. Dass die polnische Regierung den Zeitplan nicht einhält, wird sicherlich nicht dazu beitragen, auf der Achse Staat – Unternehmen – Bürger Vertrauen aufzubauen.

Der KRiBSI steht also vor der schwierigen Aufgabe, Vertrauen zu schaffen und zu zeigen, dass der Staat unterstützen und kooperieren und nötigenfalls auch kontrollieren will und für eine sichere und verantwortungsvolle technologische Entwicklung eintritt. Der KRiBSI wird Strafen für nicht korrekt arbeitende Systeme und systemimmanente automatisierte Entscheidungen verhängen, ein kontrolliertes rechtliches Umfeld für Testphasen schaffen (»KI-Reallabor«) und Gutachten erstellen, die den Unternehmen Rechtssicherheit vor der Einführung konkreter Systeme geben. Mit Blick auf die Unterstützung von Innovativität spielen die KI-Reallabore eine Schlüsselrolle und ihre Finanzierung und Organisation werden einer der wesentlichen Impulse für Entwicklung sein. Polen ist eines der ersten EU-Länder, die KI-Reallabore für unterschiedliche Unternehmen und deren präferierte Bedingungen einsetzen. Doch letztlich wird die tatsächliche Überprüfung der Absichten und Ambitionen mit der Umsetzung der Gesetzesvorschriften stattfinden.

Bereits der Gesetzgebungsprozess zeigte, dass der polnische Gesetzgeber kein System aufbauen will, in dem der private Sektor einer strengen Kontrolle unterliegt. Der KRiBSI ist ein Aufsichtsorgan, dessen Hauptrolle nicht darin besteht, Strafen zu verhängen, sondern mit den Unternehmen zusammenzuarbeiten. Natürlich muss das so konzipierte System erst noch in der Zukunft getestet werden, insbesondere da der KRiBSI vor der schwierigen Aufgabe steht, die Interessen der Bürger zu schützen.

Partnerschaften auf neuem Niveau

Wenn etwas – abgesehen von den innovativen KI-Systemen – Chancen hat, ein höheres Level zu erreichen, dann ist es die Kooperation mit Partnerländern. Für Polen scheint die Zusammenarbeit mit Deutschland das naheliegendste zu sein. Dafür sprechen die Nachfrage in beiden Ländern, die geoökonomischen Bedingungen sowie die Polen und Deutschland verbindenden wirtschaftlichen und politischen Interessen.

Polen sollte also nicht mit den größten technologischen Mächten konkurrieren, sondern seine Kompetenzen weiterentwickeln und wo es angezeigt ist, Synergien ausbauen, um die eigenen Möglichkeiten mit Partnern zu ergänzen. In dieser Hinsicht ist Deutschland ein natürlicher Partner. Eine Chance kann in der Schaffung eines grenzübergreifenden Technologieökosystems liegen, das Breslau mit der Region Dresden verbindet, gestützt auf das bereits gelegte Fundament der Halbleiterindustrie und anderer Unternehmen sowie auf die wachsende Zahl polnischer Spezialisten der Informations- und Kommunikationstechnologien und Forschungsinstitute. Anstatt die deutsch-polnische Grenze als Trennlinie zwischen separaten Innovationsökosystemen aufzufassen, könnten sich beide Länder in ein gemeinsames Technologiezentrum verwandeln und Forschungsinfrastruktur, Humankapital, Investitionen und das Potential von Industrien verknüpfen.

Des Weiteren scheint es sinnvoll zu sein, auch Tschechien in die Zusammenarbeit einzubeziehen und eine Konzeption für ein »Dreieck der Innovationen« im deutsch-polnisch-tschechischen Grenzgebiet zu erarbeiten. Ein solches Modell könnte gemeinsame Forschungs- und Entwicklungsprogramme, Labore und Recheninfrastruktur, grenzübergreifende wissenschaftliche Programme und den Austausch von Forschenden umfassen sowie auch Erleichterungen für den Austausch von Ingenieuren und Wissenschaftlern zwischen Unternehmen und Forschungseinrichtungen. Das Ziel sollte es sein, ein regionales Ökosystem zu schaffen, in dem sich die Möglichkeiten der Partnerländer gegenseitig stärken und ein Niveau des technologischen Potentials erreichen, das keine Seite nur auf sich gestellt erreichen würde.

Diese Logik der Synergie – und nicht des gewöhnlichen Technologietransfers – sollte auch die Zusammenarbeit im Bereich KI-Sicherheit leiten. Polnische Hochschulen, Forschungseinrichtungen und Organisationen des öffentlichen Sektors, die sich mit Sicherheitsfragen in Bezug auf KI beschäftigen, könnten eine systematische Zusammenarbeit mit entsprechenden deutschen Instituten eingehen, gemeinsame Forschungsprogramme und Stipendien auflegen und eine gemeinsame Forschungsinfrastruktur schaffen. Das wäre insbesondere in Bereichen wie KI-Sicherheit, Cybersicherheit, kognitive Sicherheit, Resilienz kritischer Infrastruktur und vertrauenswürdige KI wertvoll.

Gleichzeitig sollte die Zusammenarbeit den Rahmen der Forschung verlassen und auch praktische Versuche einbeziehen. Polen und Deutschland könnten gemeinsame Pilotprojekte im Verteidigungs- und Sicherheitssektor anstoßen. Im kontrollierten Umfeld ausgewählter militärischer und Dual-Use-Anwendungen könnten KI-gestützte Systeme, Drohnenabwehrtechnologien, die Abwehr von Cyberangriffen und die Bekämpfung automatisierter Desinformation u. ä. getestet werden. Regulierte KI-Reallabore und bilaterale Testzentren können den institutionellen Rahmen für solcherart Experimente liefern, was gleichzeitig das Risiko beschränken würde, das mit der Einsetzung der Technologie in kritischen Bereichen einhergeht.

Der Ehrgeiz sollte darauf gerichtet werden, die deutsch-polnische (und eventuell tschechische) Zusammenarbeit in ein gemeinsames europäisches Technologieökosystem zu überführen und nicht eine Serie von Einzelprojekten durchzuführen. Für die beteiligten Länder wäre das eine praxisorientierte Form, die Innovations- und KI-Potentiale des jeweiligen Landes unter Ausnutzung der grenzüberschreitenden Möglichkeiten zu skalieren. Für die Gesamtrechnung wäre das eine Investition in eine größere europäische technologische Souveränität.

Übersetzung aus dem Polnischen: Silke Plate

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Analyse

Zum Minderheitenstatus der polnischsprachigen Migranten in Deutschland

Von Andrzej Kaluza
Der deutsch-polnische Nachbarschaftsvertrag von 1991 sichert Angehörigen der deutschen Minderheit in Polen und Angehörigen der Gruppe deutscher Staatsbürger mit polnischer Abstammung oder Bekenntnis zur polnischen Sprache, Kultur oder Tradition vergleichbare Rechte zu. Die etwa 300.000 polnischen Staatsbürger, die sich als Deutsche verstehen, werden nicht nur durch den bilateralen Vertrag, sondern auch durch den polnischen Gesetzgeber als Minderheit anerkannt und genießen dadurch bestimmte Förderrechte (Bildung, Kultur, Medien) von Seiten des Staates. Dagegen hat die polnischsprachige Gruppe in Deutschland formalrechtlich nicht den Status einer nationalen Minderheit, da sie nicht zu den traditionellen in Deutschland ansässigen Minderheiten zählt, sondern aus Migranten besteht. Vertreter der »Polonia«-Organisationen in Deutschland streben diesen Status dennoch an. Der Autor weist darauf hin, dass sowohl die historischen Argumente wie auch die Ausdifferenzierung der Selbstidentifikation der Angehörigen der polnischen Gruppe in Deutschland den Status einer nationalen Minderheit nicht begründen können, gleichwohl aus dem deutsch-polnischen Nachbarschaftsvertrag einzulösende Verpflichtungen (z. (…)
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