Kein Atommüll nach Sibirien

Von Jens Siegert

Zusammenfassung
Medienöffentlichkeit funktioniert manchmal seltsam, vor allem wenn es um Skandale geht. Seit über fünf Jahren klagen deutsche und russische Umweltschützer und Atomgegner, deutscher Atommüll werde illegal nach Russland exportiert und dort praktisch endgelagert. Die Aktivisten demonstrierten, blockierten und schalteten sogar die Staatsanwaltschaft ein. Doch das öffentliche Echo blieb bescheiden. Der Protest und der Skandal interessierten lediglich die einschlägige Presse wie taz und Frankfurter Rundschau. Und wenn die Tagesschau einmal über die Aktionen in Gronau, bei Aktionärsversammlungen von E.ON oder RWE oder am Hafen von St. Petersburg berichtete, so blieb das folgenlos. Im August dieses Jahres wurden die Atommülltransporte nach Russland eingestellt, weil die Verträge ausgelaufen sind. Und nun wachen plötzlich auch deutsche Medien durch einen Bericht über ähnliche französische Praktiken auf.

PDF-Datei in neuem Fenster anzeigen

Zum Weiterlesen

Kommentar

Das Neue ist das Alte, schon lange Vergessene – der Skandal um die Ausfuhr von französischen und deutschen radioaktiven Abfällen nach Russland

Von Vladimir Slivjak
In der vergangenen Woche schlug der Skandal um den Transport von radioaktiven Abfällen nach Russland in den französischen und deutschen Massenmedien hohe Wellen. In Frankreich wurde ein Dokumentarfilm gezeigt, in den Zeitungen erschienen Artikel darüber, dass die französischen Abfälle, die bei der Bearbeitung von Uran entstehen (sogenannte Uran-»Tails« bzw. Uranhexafluorid) nach Tomsk-7 in das Sibirische Chemische Kombinat (SChK) befördert werden. Dort lagern sie unter freiem Himmel in rostigen Containern – und das ist die traurige Wahrheit; dieses prangern Naturschützer schon seit fast fünf Jahren an, aber irgendwie haben die französischen Massenmedien erst jetzt beschlossen, daraus eine »Sensation« zu machen.
Zum Artikel
Analyse

Trügerischer Friede? Kosten und Nutzen der Gasverträge zwischen Russland und Ukraine

Von Jonas Grätz, Kirsten Westphal
Die Erleichterung in der Europäischen Union war groß. Am 19. Januar 2009 gab Ministerpräsident Putin an Gazprom die »Anweisung«, den Gastransit durch die Ukraine »in alle Richtungen« wieder aufzunehmen. Zuvor war jeweils ein Vertrag für Gaslieferungen und Gastransit zwischen Gazprom und Naftohaz abgeschlossen worden. Europa kann aufatmen, so scheint es. (…)
Zum Artikel

Logo FSO
Logo DGO
Logo ZOIS
Logo DPI
Logo IAMO
Logo IOS