Analyse Von Radzhana Buyantueva
Populäre Musik bietet heute in Russland eine wichtige Bühne, auf der verschiedene Narrative, Loyalität und Dissens ausgehandelt werden. Während die autoritäre Kontrolle intensiviert wird, kooptiert der Staat systematisch Musik, um nationalistische Narrative zu fördern, nicht persönliche, sondern formal geschichtsbezogene Nostalgie zu mobilisieren und in der Gesellschaft Unterstützung für das Regime zu fördern. Gleichzeitig werden andersdenkende Musiker:innen marginalisiert, sanktioniert und aus dem kulturellen Mainstream ausgeschlossen. Gleichwohl setzen regimekritische Interpret:innen Musik weiterhin als Medium ein, um Widerstand und Solidarität zu bekunden. Dabei passen sie sich an die Repressionen an, indem digitale Plattformen genutzt, ein grenzüberschreitendes Publikum gesucht und politische Vorstellungen in Text und Musik integriert werden. (…)
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