Wer hat Angst vor Greta Thunberg?

Von Sergej Medwedew (National Research University »Higher School of Economics«, Moskau)

Zusammenfassung
Einleitung von dekoder
Umweltstreiks sind in Russland eher eine Privatangelegenheit. Das liegt auch an den Gesetzen. So verboten die Moskauer Behörden einen Massenprotest fürs Klima, zu dem die Umweltbewegung Fridays for Future am 20. September weltweit aufgerufen hatte. Während beispielsweise in Berlin laut Polizeiangaben rund 100.000 Menschen fürs Klima auf die Straße gingen, konnte der Protest in Moskau höchstens in Form von Einzel-Pikets stattfinden.
Und während sich die Debattenbeiträge in westlichen Blättern häuften, war Greta vor allem in sozialen Netzwerken, kaum aber in russischen Medien Thema. Bis Wladimir Putin sich Anfang Oktober auf einem Energieforum in Moskau zu der prominenten Klimaaktivistin äußerte und sagte, es sei bedauerlich, wenn jemand »Kinder und Jugendliche in seinem Interesse nutzt«.
Große Klimaproteste gibt es in Russland nicht, die Umweltbewegung insgesamt ist eher marginal. Wohl aber gibt es lokale Umweltproteste, etwa gegen die Abholzung eines Waldes oder eine Mülldeponie vor Ort.
Auf Republic kommentiert der Politologe Sergej Medwedew das russische Verhältnis zu Natur und Umwelt sowie den Argwohn, ja Hass, den Greta Thunberg in Russland auf sich zieht – und sieht eine russische Spezifik.

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Analyse

Kann sich Russland den Klimawandel leisten?

Von Vladimir Otrachshenko, Olga Popova
Aufgrund des Ressourcenreichtums, des großen Territoriums und der zahlreichen Bevölkerung ist Russland ein sehr wichtiger Partner bei den globalen Anstrengungen, die negativen Folgen des Klimawandels abzumildern. Die Mehrheit der Russen stimmen der Ansicht zu, dass das Erdklima unvorhersehbar geworden ist und die globale Klimaerwärmung negative Auswirkungen auf Russland haben wird. Situationen mit Extremtemperaturen haben soziale, ökonomische und gesundheitliche Folgen. Diese könnten zum Teil dadurch abgemildert werden, dass eine CO2-arme Entwicklung und eine energieeffiziente Produktion angeregt werden, die regionalen Wirtschaftsbedingungen verbessert und Arbeitsmöglichkeiten geschaffen werden. Es bleibt jedoch unklar, ob die Bevölkerung Russlands und die Wirtschaft des Landes sich werden an den stetig zunehmenden Einfluss der globalen Erwärmung anpassen können. (…)
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Analyse

Russland: Über den Klimawandel sprechen

Von Marianna Poberezhskaya
Ungeachtet des erheblichen Anteils an den globalen Treibhausgasemissionen, für den Russland verantwortlich ist, wie auch der für das Land empfindlichen Folgen des Klimawandels erlebt Russland eher begrenzte und verzögerte Fortschritte im nationalen Diskurs zum Klimawandel. Während in verschiedenen Teilen der Gesellschaft Russlands einige positive Entwicklungen auszumachen waren, gelangt der Klimawandel nur schwerlich ins Rampenlicht der innerrussischen Angelegenheiten.
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