Am 04.08.2026 wird am Flughafen Leipzig/Halle eine mit Sprengstoff gefüllte Drohne neben einem ukrainischen Frachtflugzeug gefunden. Im Folgenden sind die Reaktionen ausgewählter politischer Vertreter auf den Vorfall und auf die Zuweisung der Verantwortung dafür an Russland abgebildet. Die strafrechtlichen Ermittlungen gegen unmittelbar verdächtige Personen laufen. Die politische Zuschreibung des hybriden Angriffs konnte aufgrund der von Innenminister Alexander Dobrindt dargelegten Erkenntnisse erfolgen.
Inoffizielle Übersetzungen aus dem Russischen und Englischen durch die Redaktion der Russland-Analysen
Innenminister Alexander Dobrindt, 01.09.2026
»Unsere Sicherheitsbehörden beobachten seit längerem eine hohe Gefährdung durch hybride Aktionen in Deutschland und dem europäischen Umfeld. Diese Aktionen richten sich gegen kritische Infrastruktur, gegen Rüstungsunternehmen und gegen Unterstützungsleistungen für die Ukraine. Erkenntnisse unserer Dienste und Partnerdienste deuten hierbei […] klar auf eine russische Involvierung […] Diese hybriden Aktionen folgen immer wiederkehrenden Mustern. In diesen Mustern finden sich vergleichbare Ziele, ebenso vergleichbare Tatmittel sowie vergleichbare Vorgehensweisen und Täterprofile. Es geht dabei immer wieder um Ausspähung, Sabotage, Spionage, Desinformation und die Vorbereitung von Anschlägen.
[…] zum versuchten Anschlag am Flughafen Leipzig vom 4. August liegen uns folgende Erkenntnisse vor: Es wurden Tatmittel wie die Drohnenkonfiguration, diverse Bauteile, Sprengstoff und Zündtechnik verwendet, die aus anderen hybriden Operationen Russlands und dessen Krieg gegen die Ukraine uns bekannt ist. Die vor Ort festgestellte Technik und das Zusammenspiel der einzelnen Elemente muss als professionell bezeichnet werden und lässt ein hohes Maß an technischer Expertise und erheblichen organisatorischen Aufwand bei der Tatplanung und der Tatdurchführung erkennen. Die abschließende Ausführung des versuchten Anschlags ist dem Bereich von Low-Level-Agenten zuzuordnen. Die Gesamtbetrachtung des versuchten Anschlags vom 4. August am Flughafen Leipzig fügt sich in das bekannte Muster russischer Hybrid Operationen in Europa ein. Erkenntnisse aus dienstlichen Aufkommen belegen dieses Ergebnis. Diese Erkenntnisse weisen auf beteiligte Personen hin, die im Auftrag russischer staatlicher Stellen gehandelt haben. Zusammen betrachtet, belegen, polizeiliche Ermittlungen, Tatmuster und nachrichtendienstliche Erkenntnisse eine russische Verantwortung für den versuchten Anschlag am Flughafen Leipzig. […]
Wir betrachten Leipzig nicht als ein einziges Ereignis […] Die Bundesregierung beantwortet diesen hybriden Angriff von Leipzig verhältnismäßig und besonnen […]«
zitiert nach Mitschnitt aus »Pressekonferenz von Innenminister Dobrindt und Außenminister Wadephul zum Drohnenvorfall am Flughafen Leipzig/Halle«, Tagesschau, 01.09.2026, https://www.tagesschau.de/video/video-1641002.html.
Außenminister Johann Wadephul, 01.09.2026
»[…] mit dem Anschlagsversuch in Leipzig hat die russische Führung sich vielmehr bewusst entschlossen, unser bereits massiv belastetes bilaterales Verhältnis nochmals erheblich zu beschädigen. […] Die Bundesregierung geht deshalb gegen Russland als Urheber des hybriden Angriffs von Leipzig vor. Sie erschwert so, weitere hybride Maßnahmen in Deutschland und Europa durchzuführen. […] Folgende Maßnahmen habe ich in Absprache mit dem Bundeskanzler angeordnet. Das Russische Generalkonsulat in Bonn wird zum 18. September geschlossen. Der Vertrag über das Russische Haus in Berlin wird gekündigt. Wir werden in der europäischen Union neue Listungen von Personen aus Russland im Kontext hybrid Angriffe vorschlagen. Wir verschärfen die Einreisekontrollen für russische Staatsangehörige. Wir erhöhen den Druck auf die russische Schattenflotte. […] Und wir werden unsere Solidarität mit der Ukraine in ihrem Verteidigungskampf gegen Russlands Aggressionskampf entschlossen fortführen.«
zitiert nach Mitschnitt aus »Pressekonferenz von Innenminister Dobrindt und Außenminister Wadephul zum Drohnenvorfall am Flughafen Leipzig/Halle«, Tagesschau, 01.09.2026, https://www.tagesschau.de/video/video-1641002.html
Dmitrij Peskow, Sprecher des russischen Präsidenten, 01.09.2026
»Es fällt mir schwer, dazu Stellung zu nehmen, denn wenn derart schwerwiegende Vorwürfe erhoben werden, müssen sie durch irgendetwas untermauert werden. Wenn ich mich nicht irre, wurden keine Argumente vorgebracht. Dass Deutschland den Weg der weiteren Eskalation einschlägt, ist offensichtlich«
zitiert bei »Peskow sajawil, tschto obwinenija protiw RF is-sa BPLA w Lejpzige nitschem ne podkrepleny«, Interfax, 01.09.2026,https://www.interfax.ru/russia/1112527
Wladimir Putin, Präsident der Russischen Föderation, 01.09.2026
»Ich denke, dass dies in erster Linie mit der innenpolitischen Lage zusammenhängt. Die Lage des Kanzlers ist innenpolitisch schwierig, er genießt kein Vertrauen bei seinen Bürgern, und es ist verständlich, warum – weil er die nationalen Interessen nicht verteidigt, sondern mit ihnen handelt; es gibt offensichtliche Fehleinschätzungen in der Wirtschaft: Unternehmen schließen, Menschen verlieren ihre Arbeitsplätze, der Lebensstandard sinkt. Es ist unverständlich, warum all das getan wird. Es lässt sich nur mit einer einzigen Begründung erklären – dass man sich gegen ein »aggressives Russland« zur Wehr setzen müsse. Aber wo sind die Beweise? Nun, da wurden eben Beweise untergeschoben. […]
Na gut. Aber nun muss man die Gründe für dieses Verhalten generell erklären. Angesichts sinkender Umfragewerte und bevorstehender Wahlkämpfe, unter anderem beispielsweise in Sachsen, stellt sich natürlich die Frage nach der politischen Zukunft der deutschen Führungsspitze. […]«
»Otwety na woprosy SMI. Sawerschaja rabotschij wisit w Kirgisiju, Wladimir Putin otwetil na woprosy predstawitelej rossijskich SMI«, President Rssii, 01.09.2026, http://kremlin.ru/events/president/news/80665
Präsidentin der Europäischen Kommission Ursula von der Leyen, 02.09.2026
»Dies war ein Angriff unter Einsatz von militärischem Material, der von russischen Agenten auf EU-Boden verübt wurde. Und das werden wir nicht dulden. Wir stehen in voller Solidarität mit Deutschland. Und falls die Absicht war, dass wir unsere Unterstützung für die Ukraine noch einmal überdenken, kann ich Ihnen sagen: […] Wir lassen uns nicht einschüchtern. […] Europa und die NATO werden den Druck auf Russland […] erhöhen.
Der Vorfall in Leipzig bedeutet eine neue Eskalation […] Doch er ist Teil eines breiteren Musters zunehmend gefährlicher Vorfälle. Wiederholtes Eindringen in unseren Luftraum. Drohnen, die unsere Flughäfen lahmlegen. Eingriffe in unsere kritische Infrastruktur.«
»Erklärung von Präsidentin von der Leyen mit NATO-Generalsekretär Mark Rutte«, Europäische Kommission, 02.09.2026,https://ec.europa.eu/commission/presscorner/detail/de/statement_26_1790
Kaja Kallas, Hohe Vertreterin der Union für Außen- und Sicherheitspolitik sowie Vizepräsidentin der Europäischen Kommission
»Die Anschläge in Leipzig weisen alle Merkmale eines staatlich geförderten Terrorismus auf. Wir werden entschlossen darauf reagieren. 1.600 Einträge zum russischen Militärkomplex sind bereits in Vorbereitung, und wir sind bereit, weitere hinzuzufügen. Wir haben zudem den russischen Vertreter bei der EU einbestellt, ebenso [wie] es viele Mitgliedstaaten [tun].«
Anm. d. Red.: Kaja Kallas erwähnt in ihrem Post 1.600 Einträge und bezieht sich dabei auf neu Einträge zur EU-Sanktionsliste (Konsolidierte Liste der Personen, Gruppen und Organisationen, gegen die Finanzsanktionen der EU verhängt wurden)
Kaja Kallas via X, 02.09.2026, https://x.com/kajakallas/status/2095054697321148473
Bundeskanzler Friedrich Merz, 05.09.2026
»Die Zuordnung ist sehr klar, unbestreitbar, auch gerichtsfest.«
zitiert in »Klar, unbestreitbar, gerichtsfest«: Merz bekräftigt Russlands Verantwortung für den Anschlag von Leipzig«, Tagesspiegel, 05.09.2026, https://www.tagesspiegel.de/politik/klar-unbestreitbar-gerichtsfest-merz-bekraftigt-russlands-verantwortung-fur-den-anschlag-von-leipzig-16021435.html.
Sergej Lawrow, Außenminister der Russischen Föderation, 06.09.2026
»Leipzig, Flughafen […] Dort wurde irgendeine Drohne gefunden. Man sagte, es sei eine russische Drohne, niemand hat sich die Mühe gemacht, der Sache auf den Grund zu gehen. Das war im Grunde genommen der Beginn eines echten Krieges […]
Das Generalkonsulat wurde aus Bonn ausgewiesen, man erklärte, man habe das Abkommen gekündigt. Das Russische Haus in Berlin wird geschlossen. Ich erinnere mich, dass vor Beginn des Zweiten Weltkriegs, des Großen Vaterländischen Krieges, die Deutschen ebenfalls ihre diplomatischen Vertretungen geschlossen haben.«
zitiert bei »Lawrow naswal natschalom nastojaschtschej wojny sajawlenija Sapada o swjasi RF s inzidentom w Lejpzige«, Interfax, 06.09.2026,https://www.interfax.ru/russia/1113479
Maria Sacharowa, Sprecherin des russischen Außenministeriums, 09.09.2026
»Wir betrachten diesen erneuten Ausbruch antirussischer Hysterie in Europa als ein im Voraus geplantes Eskalationsmanöver, das von der durch gegenseitige Verbindlichkeiten verflochtenen Führung der EU und der NATO sanktioniert wurde und nichts mit einer objektiven Untersuchung zu tun hat. Es ist offensichtlich, dass das Ziel und die Aufgabe solcher Maßnahmen darin bestehen, in der europäischen Gesellschaft ein hohes Maß an Russophobie aufrechtzuerhalten, das die groben politischen und wirtschaftlichen Fehlkalkulationen der europäischen Eliten verschleiern soll, in den Augen der Bürger die Bereitstellung enormer Mittel zur Finanzierung der Ukraine und den beschleunigten Ausbau des Rüstungskomplexes der europäischen Länder rechtfertigen soll – unter dem Vorwand der Vorbereitung auf eine angeblich unvermeidliche bewaffnete Auseinandersetzung, wie sie sagen, mit unserem Land«
»Sacharowa naswala isteriju posle inzidenta s BPLA w Lejpzige saplanirowannoj eskalaziej«, Tass, 09.09.2026, https://tass.ru/politika/28094411
NATO-Generalsekretär Mark Rutte
»Ich möchte Deutschlands Reaktion wirklich loben […] die NATO verfügt über alle Reaktionsmöglichkeiten, die wir brauchen. Man wird sie nicht immer sehen. Manche sind öffentlich, manche nicht, und unsere Reaktion als NATO wird in solchen Fällen nicht immer eine Vergeltungsmaßnahme sein. Aber Sie haben vor über einem Jahr – mittlerweile vor 17/18 Monaten –, als das Unterseekabel zwischen Finnland und Estland durchtrennt wurde, gesehen, dass wir »Baltic Sentry« ins Leben gerufen haben, was Russland Kosten verursacht. Sie hassen es. Wir haben bei »Baltic Sentry« gesehen, dass immer mehr Bündnispartner – ein Bündnispartner nach dem anderen – an der Schattenflotte arbeiten und den Russen Kosten sowie strategische Dilemmata auferlegen. Wir sind also da.«
»Keynote address by NATO Secretary General Mark Rutte at the Conference of the Heads of German Missions followed by a moderated discussion with the Federal Minister for Foreign Affairs«, North Atlantic Treaty Organization, 10.09.2026, https://www.nato.int/en/news-and-events/events/transcripts/2026/09/10/keynote-address-by-the-nato-secretary-general-at-the-conference-of-the-heads-of-german-missions