Die Ostseegaspipeline – Instrument der Versorgungssicherheit oder politisches Druckmittel?

Von Roland Götz

Zusammenfassung
Als am 8. September 2005 in Berlin im Beisein von Bundeskanzler Schröder und Präsident Putin von den beteiligten Unternehmen eine Absichtserklärung zum Bau einer Erdgaspipeline durch die Ostsee unterzeichnet wurde, fi el der Startschuss für ein seit Jahren diskutiertes Projekt. An diesem ist der russische Gaskonzern Gazprom stark interessiert, weil mit der Unterwasserpipeline die Transitländer Belarus, Polen und die Ukraine umgangen werden, durch die alle Gasfernleitungen von Russland nach Westeuropa bisher führen. Auch die deutsche Wirtschaft, der Aufträge beim Bau des technisch anspruchsvollen, mehrere Milliarden Euro teuren Großprojekts winken, begrüßt das Vorhaben. Missstimmung wurde allerdings in Polen, dem Baltikum und der Ukraine erzeugt, weil dort der Eindruck entstanden war, Deutschland und Russland setzten sich über die Interessen anderer Länder hinweg. Denn zunächst sind alle Erweiterungspläne für die bestehenden Gasexportleitungen durch diese Länder vom Tisch.

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Analyse

Sachalin-II in der Schusslinie: staatliche Kontrolle, Umweltschäden und die Zukunft von Auslandsinvestitionen in der russischen Öl- und Gasindustrie

Von Michael Bradshaw
Die größten privaten Erdöl- und Erdgasfirmen erschließen vor der Insel Sachalin im russischen Fernen Osten umfangreiche Vorkommen. Das Ochotskische Meer hat das Potenzial, vom Förderumfang eine neue Nordsee zu werden, die gleich neben den energiehungrigen asiatischen Wirtschaften liegt. Nachdem die Projekte jetzt mit der kommerziellen Förderung in größerem Umfang beginnen hat der Kreml beschlossen, dass er einen größeren Anteil des Profits möchte und benutzt „administrativen Druck“, um die ausländischen Firmen dazu zu bringen, die Bedingungen ihrer Beteiligung neu zu verhandeln. Dies ist in Japan, Europa und den USA weithin verurteilt worden und hat die Bedenken über Russlands Verlässlichkeit als Energiepartner nach dem Gasstreit mit der Ukraine im Januar noch einmal erhöht.
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