Identitäten und Geschichtspolitik

Analysen zum Themenkomplex:

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Einstellungen junger Ukrainer:innen zur sowjetischen Vergangenheit

Lina Klymenko (Universitäten Tampere und Helsinki), 03.02.2022

"Der Beitrag untersucht, wie junge Ukrainer:innen die Sowjetära wahrnehmen. Auf der Grundlage von Diskussionen junger Ukrainer:innen in Fokusgruppen stellt der Artikel heraus, dass junge Menschen in der Ukraine eine ambivalente Wahrnehmung der Zeit der kommunistischen Herrschaft haben. Eine Mehrheit der Befragten verurteilte zwar das kommunistische Regime, doch gab es auch einige, die es idealisierten. Die positive Sicht junger Ukrainer:innen auf die sowjetische Vergangenheit ist auf deren Unzufriedenheit mit dem heutigen politischen Regime und mit der sozioökonomischen Lage in der Ukraine zurückzuführen. Sie neigen sogar dazu, die ukrainische Entkommunisierungspolitik in Frage zu stellen."

https://www.laender-analysen.de/ukraine-analysen/260/einstellungen-junger-ukrainer-innen-zur-sowjetischen-vergangenheit/

Multiple Identitäten und Einstellungen gegenüber der ukrainischen Ethnopolitik: Ergebnisse einer Bevölkerungsumfrage

Aadne Aasland (Norwegian Institute for Urban and Regional Research, OsloMet – Oslo Metropolitan University, Oslo), 16.07.2021

"Eine kürzlich durchgeführte landesweite Erhebung gibt Aufschluss darüber, wie multiple Identitäten in der Ukraine gegenwärtig miteinander interagieren, und zeigt, dass Menschen unterschiedlicher Ethnien und Bewohner unterschiedlicher Regionen von starker Verbundenheit sowohl mit ihren lokalen Kommunen als auch mit dem ukrainischen Staat berichten. Die Beziehungen zwischen den Ethnien werden als gut wahrgenommen, auf lokaler Ebene noch besser als auf nationaler. Die Umfrage zeigt außerdem, dass die ukrainische Bevölkerung die Politik der Ukraine in Bezug auf ihre ethnischen Minderheiten sehr unterschiedlich bewertet. Spannungen zwischen sozioökonomischen Gruppen verursachen mehr lokale Uneinigkeit als Spannungen zwischen Menschen verschiedener Ethnien oder sprachlicher Hintergründe."

https://www.laender-analysen.de/ukraine-analysen/254/multiple-identitaeten-und-einstellungen-gegenueber-der-ukrainischen-ethnopolitik-ergebnisse-einer-bevoelkerungsumfrage/

Zum 30. Jahrestag der ukrainischen Unabhängigkeit

Jewgenij Zacharow (Charkiwer Organisation für Menschenrechte) 28.09.2021

„Das wichtigste ist, sich für die Freiheit zusammen zu schließen, die die nationale Idee der Ukrainer ist. Der »Virus des Ungehorsams«, der Wunsch nach freiem Handeln im eigenen Schicksal, ist eines unserer bestimmenden Merkmale. Dieses »Virus« löste den Aufstand im stalinistischen Gulag aus (Ukrainer waren Organisatoren der Aufstände in Norilsk, Kengir und anderen Städten), inspirierte die Menschen in den 1960er Jahren, die in Lagern saßen für das Recht, die Dinge beim Namen zu nennen. Ungehorsam führte im Herbst 2004 und 2013 endlich Menschen auf den Maidan und bewegte 2014 Freiwillige, sich für die Verteidigung des Landes gegen die russische Aggression einzusetzen.“

https://www.laender-analysen.de/ukraine-analysen/255/zum-30-jahrestag-der-ukrainischen-unabhaengigkeit/

Was bedeutet das Ende der Sowjetunion für die heutige Ukraine? Eine Einleitung

Gwendolyn Sasse (Zentrum für Osteuropa- und internationale Studien – ZOiS, Berlin) 28.09.2021

„Mit dem Ende der Sowjetunion hat die Ukraine ihren Platz in der Mitte Europas eingenommen. Trotz inzwischen weitreichender Kooperationen über ein EU-Assoziierungs- und Freihandelsabkommen sowie mit der NATO ist die Ukraine weiterhin nur punktuell im Bewusstsein der europäischen Öffentlichkeit präsent. Die Annexion der Krim und der Krieg in der Ostukraine haben einmal mehr die (sicherheits-)politische Bedeutung der Ukraine in Europa hervorgehoben, doch auch nach dreißig Jahren dauert der Prozess des Umdenkens in Europa noch an.“

https://www.laender-analysen.de/ukraine-analysen/255/was-bedeutet-das-ende-der-sowjetunion-fuer-die-heutige-ukraine-eine-einleitung/

Geschichtspolitik unter der Präsidentschaft von Wolodymyr Selenskyj

Guido Hausmann, Olha Martyniuk (beide Leibniz-Institut für Ost- und Südosteuropaforschung, Regensburg), 15.05.2020

"Die Geschichtspolitik in der Ukraine ist in den vergangenen Jahren wichtiger Teil der gesellschaftlichen Debatte geworden. Petro Poroschenko setzte in seiner Präsidentschaft auf eine sehr prononcierte Geschichtspolitik, die geprägt war vom Krieg im Osten der Ukraine, der Dekommunisierung sowie der Schaffung einer von Moskau unabhängigen Orthodoxen Kirche. Wie lässt sich die Geschichtspolitik unter Wolodymyr Selenskyj charakterisieren? Welche Akzente und Impulse konnte er im ersten Jahr seiner Präsidentschaft setzen, wo setzte er den Kurs seines Vorgängers fort und wo setzt er sich von seinem Vorgänger ab?"

https://www.laender-analysen.de/ukraine-analysen/234/geschichtspolitik-unter-der-praesidentschaft-von-wolodymyr-selenskyj/

»Russland hat kein Monopol auf die russische Sprache!«

Mustafa Najem (Kiew), 20.05.2019

"Am 24. April 2019 hat Präsident Putin einen Erlass unterzeichnet, wonach den Bewohnern der sogenannten Donezker und Lugansker Volksrepubliken die Annahme der russischen Staatsbürgerschaft erleichtert werden soll. Kurz nach der Wahl des neues ukrainischen Präsidenten Wolodymyr Selenskyj, dem Putin zum Wahlsieg nicht gratuliert hatte, kam der Erlass sehr überraschend. Als aggressives Symbol kritisierten zahlreiche Beobachter das Handeln Putins. Der Kreml dagegen betonte, man habe »nicht den Wunsch, der neuen ukrainischen Führung Probleme zu machen«. Der sogenannte Chefideologe des Kreml Wladislaw Surkow sagte, der Erlass sei »eine Pflicht Russlands gegenüber den Menschen, die auf Russisch denken und sprechen und die sich wegen der repressiven Maßnahmen des Kiewer Regimes jetzt in einer sehr schwierigen Situation befinden«. Mit russischem Pass würden sich »die Menschen beschützter und freier« fühlen. Das russische Onlinemagazin The New Times veröffentlichte mehrere Blogbeiträge zum Thema, unter anderem den Facebook-Post »Russland hat kein Monopol auf die russische Sprache!« von Mustafa Najem. Der einstige Journalist, der heute Mitglied der Rada ist, gilt als Initiator des Euromaidan 2013."

https://www.laender-analysen.de/ukraine-analysen/217/russland-hat-kein-monopol-auf-die-russische-sprache/

Der ambivalente Aufstieg einer ukrainischen »unzivilen Gesellschaft« nach dem Euromaidan

Andreas Umland (Zentrum für Europäische Sicherheit, Institut für Internationale Beziehungen Prag), 19.12.2019

"Parteipolitischer Ultranationalismus war bislang in der postsowjetischen Ukraine – insbesondere bei nationalen Wahlen – ungewöhnlich schwach. Die drei wichtigsten rechtsradikalen Parteien »Freiheit« (Swoboda), »Rechter Sektor« (Prawyj Sektor) und »Nationales Corps« sind auch nach dem Euromaidan politisch marginal geblieben. Allerdings hat eine rechtsextreme »unzivile Gesellschaft« – die teils eng mit ultranationalistischen Parteien verbunden ist – im Kontext des anhaltenden Krieges mit Russland an öffentlicher Akzeptanz gewonnen. Die Aktivitäten dieser Nichtregierungsorganisationen und deren gelegentliche Zusammenarbeit mit staatlichen Institutionen verlangen nach sorgsamer Beobachtung durch ukrainische und ausländische Watch-Dog-Organisationen sowie Eindämmung durch die Kiewer Regierung."

https://www.laender-analysen.de/ukraine-analysen/227/der-ambivalente-aufstieg-einer-ukrainischen-unzivilen-gesellschaft-nach-dem-euromaidan/

Geopolitik, Macht und kirchliche Identität: Der Konflikt um die orthodoxe Kirche in der Ukraine

Regina Elsner (Zentrum für Osteuropa- und internationale Studien (ZOiS), Berlin), Nadezhda Beljakova (Russische Akademie der Wissenschaften, Moskau) 22.01.2019

„Am 6. Januar 2019 ist die neue Orthodoxe Kirche der Ukraine mit dem sogenannten Autokephalie-Tomos anerkannt worden. Damit sollten die anhaltenden Diskussionen um die Unabhängigkeit der orthodoxen Kirche in der Ukraine von Moskau beendet werden. Politische Verstrickungen und kirchliche Machtkämpfe führen jedoch dazu, dass die kirchliche Lage in der Ukraine noch viele Jahre konfliktreich bleiben wird.“

https://www.laender-analysen.de/ukraine-analysen/211/geopolitik-macht-und-kirchliche-identitaet-der-konflikt-um-die-orthodoxe-kirche-in-der-ukraine/

Die Identität der russischsprachigen Staatsbürger der Ukraine

Volodymyr Kulyk (Institut für Politische und Ethnische Studien der Nationalen Akademie der Wissenschaften der Ukraine, Kiew), 22.02.2018

"Auf Grundlage einer Analyse von Meinungsumfragen aus den Jahren 2012, 2014 und 2017 wird die Identität von russischsprachigen Staatsbürgern der Ukraine beschrieben. Es wird gezeigt, dass ihre stärkere Verbundenheit mit der Ukraine auf kleineren Veränderungen in ihrer ethnonationalen Identität in den vorangegangenen Jahren beruht. Statt eine Gemeinschaft zu formen, die sich durch ihre bevorzugte Sprache von anderen abhebt, haben die russischsprachigen Staatsbürger der Ukraine eine allmähliche Verwandlung von Sowjetbürgern zu Ukrainern vollzogen – und das ohne ihren Sprachgebrauch groß zu verändern. Die meisten von ihnen sprechen weiterhin vorwiegend Russisch. Dies ist jedoch nicht entscheidend für ihre Selbstidentifikation."

https://www.laender-analysen.de/ukraine-analysen/196/die-identitaet-der-russischsprachigen-staatsbuerger-der-ukraine/

Entwicklungsperspektiven der rechtsradikalen Kräfte in der Ukraine

Anton Shekhovtsov (London), 28.01.2015

"Dieser Artikel betrachtet die Entwicklungen in der ukrainischen rechtsradikalen Szene nach der Revolution, die im Winter 2014 den damaligen Präsidenten Wiktor Janukowitsch aus dem Amt entfernte. Der Autor diskutiert die Gründe für die Wahlniederlage der beiden rechtsradikalen Parteien, die an den jüngsten Präsidentschafts- und Parlamentswahlen teilgenommen haben, und stellt fest, dass diese Niederlagen nicht das »Ende der Geschichte« der ukrainischen Rechtsradikalen markieren. Im Gegenteil: Einige andere rechtsradikale Organisationen, die in der Vergangenheit in großem Stil in illegale Aktivitäten und Korruption verwickelt waren, haben in ihrem Kampf gegen eine liberale Demokratie in der Ukraine möglicherweise eine bessere Strategie entdeckt."

https://www.laender-analysen.de/ukraine-analysen/144/entwicklungsperspektiven-der-rechtsradikalen-kraefte-in-der-ukraine/

Antisemitismus in der Ukraine

Iosif Sissels (Kiew), 05.11.2014

"In den letzten Jahren ist die Zahl der antisemitischen Vorfälle in der Ukraine allmählich und stetig zurückgegangen, nachdem in den Jahren 2005 bis 2007 ein Höhepunkt erreicht wurde. Auf der einen Seite beschuldigt die russische Propaganda die neue ukrainische Regierung unbegründet und unbeirrt von Widersprüchen des Ultra- und des Neonazismus. Auf der anderen Seite versucht sie, nicht weniger unbegründet, die Probleme in der Ukraine durch Machenschaften von Zionisten, die der Propaganda zufolge die Macht im Land ergriffen haben, zu erklären. Allerdings beweisen die Ergebnisse der Präsidentschaftswahl vom Mai dieses Jahres die niedrige Popularität der rechtsradikalen Parteien und Gruppen. Die beiden Anführer dieser Gruppen, Oleh Tjahnibok (»Swoboda«) und Dmytro Jarosch (»Rechter Sektor«), haben nur 1,2 und 0,7 Prozent der Stimmen erhalten."

https://www.laender-analysen.de/ukraine-analysen/140/antisemitismus-in-der-ukraine/

Stepan Banderas Nachleben wird gefeiert

Andre Liebich, Oksana Myshlovska (beide Genf), 05.11.2014

"Dieser Artikel wirft einen Blick auf das Gedenken an den nationalistischen Anführer Stepan Bandera (1909 – 1959) seit der ukrainischen Unabhängigkeit. Er untersucht Bandera gewidmete Denkmäler, Tafeln, Museen und Straßen sowie andere Formen des Gedenkens in der gesamten Ukraine. Zudem behandelt er die Kontroversen um das Gedenken und dessen Politisierung."

https://www.laender-analysen.de/ukraine-analysen/140/stepan-banderas-nachleben-wird-gefeiert/

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Analyse

Einstellungen junger Ukrainer:innen zur sowjetischen Vergangenheit

Von Lina Klymenko
Der Beitrag untersucht, wie junge Ukrainer:innen die Sowjetära wahrnehmen. Auf der Grundlage von Diskussionen junger Ukrainer:innen in Fokusgruppen stellt der Artikel heraus, dass junge Menschen in der Ukraine eine ambivalente Wahrnehmung der Zeit der kommunistischen Herrschaft haben. Eine Mehrheit der Befragten verurteilte zwar das kommunistische Regime, doch gab es auch einige, die es idealisierten. Die positive Sicht junger Ukrainer:innen auf die sowjetische Vergangenheit ist auf deren Unzufriedenheit mit dem heutigen politischen Regime und mit der sozioökonomischen Lage in der Ukraine zurückzuführen. Sie neigen sogar dazu, die ukrainische Entkommunisierungspolitik in Frage zu stellen. (…)
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Analyse

Multiple Identitäten und Einstellungen gegenüber der ukrainischen Ethnopolitik: Ergebnisse einer Bevölkerungsumfrage

Von Aadne Aasland
Eine kürzlich durchgeführte landesweite Erhebung gibt Aufschluss darüber, wie multiple Identitäten in der Ukraine gegenwärtig miteinander interagieren, und zeigt, dass Menschen unterschiedlicher Ethnien und Bewohner unterschiedlicher Regionen von starker Verbundenheit sowohl mit ihren lokalen Kommunen als auch mit dem ukrainischen Staat berichten. Die Beziehungen zwischen den Ethnien werden als gut wahrgenommen, auf lokaler Ebene noch besser als auf nationaler. Die Umfrage zeigt außerdem, dass die ukrainische Bevölkerung die Politik der Ukraine in Bezug auf ihre ethnischen Minderheiten sehr unterschiedlich bewertet. Spannungen zwischen sozioökonomischen Gruppen verursachen mehr lokale Uneinigkeit als Spannungen zwischen Menschen verschiedener Ethnien oder sprachlicher Hintergründe.
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